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Handwerk

40 Handwerksbetriebe aus dem MTK lassen den Nachwuchs seine Fähigkeiten unter Beweis stellen

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Tischler, Zimmerer und mehr zeigen, wie erfüllend es sein kann, etwas mit den eigenen Händen zu kreieren. Beim Tag des Handwerks hatten viele Jungen und Mädchen Spaß daran.

Drei Juristen warten stundenlang darauf, dass ein 70 Jahre alter Handwerker zum Reparieren auftaucht. Was im Internet als Witz grassiert, bringt Handwerker nicht mehr zum Lachen. Immer schwerer nämlich haben sie es, geeigneten Nachwuchs zu finden, immer länger müssen Kunden häufig auf Termine warten.

Hoch oben steht bei Schulabgängern immer noch Abitur und Studium. Dabei werde vergessen, so Peter Sachs, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Main- und Hochtaunus, dass das Handwerk ein sicheres Einkommen bietet und man auch auf der Basis eines praktischen Berufs später noch jeden Weg einschlagen könne.

Betrüblich sei auch, dass viele jungen Leute gar nicht mehr mit handwerklichen Tätigkeiten in Berührung kommen, denn Werkunterricht in den Schulen sei immer mehr in den Hintergrund getreten. „Selbst wenn man ihn jetzt wieder einführen würde, würde es Jahre dauern, bis sich das wieder etabliert hätte“, so Sachs. Denn erst müssten Räume ausgestattet und Lehrkräfte ausgebildet werden.

Dem Trend versuche das Handwerk seit einigen Jahren durch eine groß angelegte Imagekampagne entgegenzuwirken, mit eigenen Farben und Slogans, die zum Nachdenken anregen wie „Leidenschaft ist das beste Handwerk“ oder „Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan“. Seit acht Jahren gehört zu den Kampagnen auch der Tag des Handwerks, an dem sich Betriebe bundesweit Aktivitäten einfallen lassen, um für ihren Berufsstand zu werben.

Auch die Handwerker im MTK machten wieder mit und hatten am Samstag zum sechsten Mal zu einem Aktionstag ins Hofheimer Chinoncenter geladen hatten. Im Foyer vor den Läden durfte der Nachwuchs unter fachmännischer Anleitung ausprobieren, welche Talente in ihm stecken und an Werktischen sägen, malen oder bohren. Beim Metallbauer durfte eine eigene Spardose gebaut werden, beim Schreiner ein Drachen, der anschließend beim Raumausstatter mit Stoff bespannt und schließlich unter Anleitung vom Maler und Lackierer bemalt wurde. „Es war uns wichtig, dass jeder etwas mit nach Hause nehmen kann“, erklärt Peter Sachs. 40 Handwerker aus dem Kreis waren in zwei Schichten an der Aktion beteiligt, die sich in erster Linie an Fünft- und Sechstklässer richtete. „Wir lassen aber jeden mitmachen, der möchte“, so Sachs.

Die Kinder ließen sich das nicht zweimal sagen. Frühmorgens sind die ersten schon mit ihren Eltern zum Einkaufen gekommen, jetzt freuen sie sich, dass außer Shoppen noch etwas anderes auf dem Programm steht.

Dass man dringend Interesse für die Berufe wecken muss, bestätigen Handwerker aller Branchen. Froh ist, wer den eigenen Nachwuchs ins Unternehmen einbauen konnte. „Bei uns schon in sechster Generation“, sagt Zimmerermeister Wilhelm Gauf aus Bad Soden-Neuenhain. Aber auch dort wünscht man sich mehr zuverlässige Bewerber.

„Schade auch, dass sich bisher nur wenige Asylsuchende für diese Arbeit interessieren“, sagt Maler und Lackierer Matthias Leister. Einer habe letztens im Betrieb angefangen und auch fleißig und gut gearbeitet, dann aber festgestellt, dass er erst noch seine Deutschkenntnisse verbessern müsse und nach einem Monat aufgehört.

Dass die Sprachkenntnisse die Hauptbarriere sind, kann Peter Sachs bestätigen. Denn neben den praktischen Fähigkeiten müsse im dualen System auch die Berufsschule bewältigt werden. Mit Tagen wie diesen – so hoffen alle – wollen Handwerker jedenfalls tatkräftig zeigen, wie erfüllend es ist, etwas mit den Händen zu kreieren. In den Betrieben des Main-Taunus-Kreises sind Bewerber jedenfalls herzlich willkommen.

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