Seit gestern wird auch in Hausarztpraxen in Hofheim geimpft. Viele Patienten sind froh darüber, dass sie der Arzt ihres Vertrauens nicht nur impft, sondern zuvor auch einige Fragen beantwortet. Foto: dpa
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Seit gestern wird auch in Hausarztpraxen in Hofheim geimpft. Viele Patienten sind froh darüber, dass sie der Arzt ihres Vertrauens nicht nur impft, sondern zuvor auch einige Fragen beantwortet.

Corona-Impfung

Hausärzte: "Wir haben sofort losgelegt"

  • vonBarbara Schmidt
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Hofheimer Hausärzte erleben einen Ansturm der Impfwilligen auf ihre Praxen

Hofheim -Bereits zehn Monate hat Dr. Stefan Weier in der Covid-19-Schwerpunktpraxis in der Kurhausstraße Patienten getestet, die mit der Verdachtsdiagnose einer Corona-Infektion kamen. Jetzt endlich kann er Menschen gegen das Virus auch schützen, denn Hausärzte sind seit Dienstag in das Impfgeschehen eingebunden. "Wir haben sofort losgelegt, nachdem wir die Dosen für diese Woche erhalten hatten und bereits am Dienstag die ersten zwölf Impfungen gemacht", berichtet Weier.

Gestern Nachmittag waren bettlägrige Patienten an der Reihe, die beim Hausbesuch ihre Impfung erhielten. 18 Dosen des MRNA-Impfstoffs von Biontec/Pfizer erhielt Weier über die Apotheke, mit der er zusammenarbeitet, seine Kollegin in der Gemeinschaftspraxis in Langenhain noch einmal genauso viele.

Beim Impfen geht es nach den festgelegten Prioritätsgruppen, die nun mit Hilfe der Praxis-Patientenliste bestimmt werden müssen. Dann heißt es für das Team: telefonieren, telefonieren, telefonieren. Es muss abgefragt werden, wer bereits geimpft ist und wer aus der ersten oder zweiten Gruppe tatsächlich geimpft werden möchte. Innerhalb der Gruppen werden für die Reihenfolge dann auch in den Arztpraxen weitere Priorisierungsgründe wie Vorerkrankungen hinzugezogen - das ist nicht anders als bei den Terminen für die Impfzentren auch.

Der Ansturm auf die Impfung beim Hausarzt ist groß. Das kann, wie Weier und Anja Braune berichten, die mit ihrem Vater Dr. Rainer Braune in einer Gemeinschaftspraxis im Hofheimer Süden gestern das Impfen aufgenommen hat. Patienten aus der ersten Prioritätsgruppe seien dabei, die das Haus nicht verlassen können und bisher nicht von einem mobilen Team aus dem Impfzentrum besucht werden konnten.

"Wir haben einen hohen Vertrauensvorteil"

Insgesamt ist die Nachfrage auch in der Praxis Braune groß. "Wir haben schon so viele Leute auf der Liste", weiß Anja Braune, dass mindestens bis Ende April wohl alles ausgeschöpft sei. Dass sehr viele Patienten sagen, dass sie die Impfung beim Hausarzt wollen, erklärt sich Braune mit dem "hohen Vertrauensvorteil". Zudem hat die junge Ärztin bei den Patienten "ganz, ganz viel Redebedarf" festgestellt. Es gebe in ihren Augen eher ein Zuviel an Informationen und zu vieles, was verunsichere.

Das betrifft vor allem den britisch-schwedischen Impfstoff Astrazeneca. Dessen Akzeptanz sei stark gesunken, kann auch Dr. Weier berichten. Heute gab's überall Biontec. "Total happy", seien alle 56 von ihm geimpften Patienten gewesen, sagt Armin Beck, nicht nur Mediziner in Hofheim, sondern auch Erster Vorsitzender des Hausärzteverbands Hessen, der ebenfalls "riesige Nachfrage" registrierte. "Wenn wir die Nacht durchimpfen könnten, würde es auch angenommen."

Lohnen kann es, sich bei seinem Hausarzt als "rufbereit" vormerken zu lassen. Falls aufgezogener Impfstoff wider Erwarten übrig ist, solle dieser auf keinen Fall ungenutzt bleiben, betont Weier. Dann gehe es darum: Wer kann möglichst schnell noch zum Impfen kommen?

Nun hoffen Ärzte und Patienten, dass das Impfen endlich Fahrt aufnimmt. "An uns liegt es nicht, wir werden auch samstags und sonntags durcharbeiten", sagt Hausarzt Stefan Weier. Schon in der kommenden Woche soll es deutlich mehr Impfstoff geben. Er habe mal für sich und seine Kollegin je 50 Dosen vorbestellt, sagt Weier. "100 Impfungen pro Woche, das schaffen wir", ist der Langenhainer sicher. Und er ist froh, dass die "Wahnsinns-Dokumentation", die zuerst im Raum stand, dann doch auf eine Din A 4-Seite begrenzt worden sei.

Dritte Welle auch in der Covid-Praxis spürbar

Unverändert hoch ist übrigens nach Weiers Aussage die Patientenzahl in der Covid-Schwerpunktpraxis in der Kurhausstraße. Dorthin schickt vor allem das Gesundheitsamt Patienten mit Symptomen, die auf eine Corona-Infektion hindeuten. Dass die Zahl der Neuinfektionen nach den Ostertagen weiter steigt, sei zu befürchten, sagt Weier.

Die Kliniken des Main-Taunus-Kreises sind auf den Covid-Stationen in Hofheim und Bad Soden ebenfalls mit steigenden Patientenzahlen konfrontiert. Gestern meldeten die Kliniken 28 Patienten, von denen neun beatmet werden.

Info: Impfungen gehen auch im Impfzentrum weiter - Kreis empfiehlt Nutzung der App "luca"

Das Impfen im Impfzentrum im Hattersheimer Kastengrund geht unabhängig von der neuen Impfmöglichkeit beim Hausarzt unvermindert weiter. Hessen soll für seine insgesamt 28 Zentren im April wöchentlich 168 000 Impfdosen erhalten. Das Sozialministerium wies gestern darauf hin, dass Patienten, die für ein Impfzentrum angemeldet waren, aber nun einen Impftermin beim Hausarzt erhalten, gebeten werden, ihre Registrierung für das Impfzentrum zu stornieren, damit der Termin anderen Personen weitervermittelt werden kann. Ein zentrales Impfregister gibt es in Deutschland nicht.

Aktuell werden nur die Vertragsärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen bei der Impfstoff-Vergabe berücksichtigt. Sobald noch mehr Impfstoff zur Verfügung steht, sollen auch Betriebs-, Fach-, und Privatärzte in das Impfen einbezogen werden.

"Impfen alleine reicht nicht, um die Pandemie zu bekämpfen", ist Landrat Michael Cyriax sicher. Daher wirbt der Main-Taunus-Kreis jetzt für den Einsatz von "luca" und anderen Kontaktverfolgungs-Apps. Cyriax glaubt, so dass Infektionsketten besser ermittelt werden können. Das hat er in einem Schreiben an Unternehmen, Gewerbevereine und zahlreiche weitere Institutionen mitgeteilt. Weil das System dann gut funktioniere, wenn möglichst viele sich beteiligen, ruft Cyriax auch Bürgerinnen und Bürger auf, die App zu nutzten: Der MTK werde demnächst im Gesundheitsamt eine Schnittstelle zu "luca" einrichten, sei aber auch offen für andere App-Lösungen.

"luca" bringe gegenüber bisherigen Verfahren mit Papierlisten mehr Sicherheit und Effizienz.

Zwar seien derzeit wegen hoher Infektionszahlen ohnehin Gaststätten und viele Einrichtungen ganz oder teilweise geschlossen, so Cyriax. Wenn die App aber erst einmal verbreitet sei, könne das "ein wichtiger Beitrag dazu sein, schrittweise zu Freiheiten zurückzukehren".Informationen zur Funktionsweise der als datenschutzkonform geltenden App gibt es unter www.luca-app.de/system/. babs

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