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Hessen Mobil stellt sich stur

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Von: Manfred Becht

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Großer Aufmarsch Richtung Klärwerkskurve: Vertreter von Hessen Mobil, des Ortsbeirates, der Stadtverordnetenversammlung und der Rathausspitze sowie des Aktionsbündnisses gegen die Vollsperrung trafen sich am Freitag, um sich gemeinsam vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. FOTO: mkn
Großer Aufmarsch Richtung Klärwerkskurve: Vertreter von Hessen Mobil, des Ortsbeirates, der Stadtverordnetenversammlung und der Rathausspitze sowie des Aktionsbündnisses gegen die Vollsperrung trafen sich am Freitag, um sich gemeinsam vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. © Knapp

Landestraßenbaubehörde: Umweg über Reiterhof hätte früher vereinbart werden müssen

Lorsbach. Dem Lorsbacher Ortsvorsteher Dieter Kugelmann ist die Enttäuschung auch am Tag nach dem Termin in der Klärwerkskurve noch anzumerken. „Hessen Mobil benimmt sich wie ein kleines Kind“, sagt der CDU-Ortspolitiker. „Die stampfen mit dem Fuß auf und sagen, ich will aber.“ Das ist keine Überraschung, das Straßenverkehrsamt des Landes ist in Lorsbach zur bestgehassten Behörde überhaupt geworden. Ungefähr eine gleich große Rolle als Buhmann Nummer eins hat Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), oberster Dienstherr der Straßenbauer. Und so hat der ganze Streit um die Sperrung der Landesstraße L3011 wenigstens für Kugelmann auch gleich eine parteipolitische Dimension.

Nach Ortstermin im Rathaus beraten

Am Freitag war, diese Zeitung berichtete bereits kurz, eine Abordnung des Petitionsausschusses des Hessischen Landtages zunächst nach Lorsbach gekommen, um sich an der Stelle ein Bild zu machen, die der Ausgangspunkt des ganzen Streites ist. Vertreten waren Hessen Mobil, der Ortsbeirat und die Stadtverordnetenversammlung, aber auch der angrenzende Reiterhof, über dessen Gelände eine provisorische Spur führen könnte. Eine mehrköpfige Delegation der Stadt Hofheim wurde von Bürgermeister Christian Vogt angeführt. Nach dem Ortstermin wurde im Rathaus weiter beraten. Dies war allerdings vertraulich und nicht öffentlich.

Zu erfahren ist aber, dass Hessen Mobil an seinen bisherigen Positionen unbeirrt festgehalten hat. Die Verrohrung des Mühlgrabens scheitert aus Gründen des Wasser- und Naturschutzes. Eine Behelfsspur über das Reiterhof-Gelände hätte früher vereinbart werden müssen, lässt sich jetzt nicht mehr genehmigen. Eine Verzögerung verbiete sich, weil die marode Stützmauer zusammenzubrechen drohe.

Gegen eine Umfahrungsspur hat Hessen Mobil offensichtlich auch noch ins Feld geführt, dass man über eine Schotterstraße nicht den Verkehr abwickeln könne, der über eine Landesstraße führt. Ortsvorsteher Kugelmann sieht das nicht ein und argumentiert, vor Jahren hätten die Lorsbacher über Monate wegen einer Baustelle sogar durch den Wald fahren müssen. Hessen Mobil hielt auch daran fest, dass ein abschnittweises Vorgehen nicht möglich ist. Die Lorsbacher würden sich davon eine Verkürzung der auf zwölf Monate kalkulierten Vollsperrung versprechen.

Der Petitionsausschuss hat sich offensichtlich an diesem Tag noch nicht geäußert - das ist keine Überraschung, die Landtagsabgeordneten müssen das Thema noch beraten. Zu hören ist aber, dass ein Arbeitsauftrag an Hessen Mobil ergangen ist, offenbar sollen irgendwelche Dinge noch überprüft werden. Wie es heißt, betrifft dies nicht die Verrohrung des Mühlgrabens - damit kann es sich eigentlich nur um die Frage einer provisorischen Ausweichspur handeln.

Nickel: „Es darf keinen Schnellschuss geben“

Wie es nun weiter geht, darüber wolle der Petitionsausschuss in wenigen Wochen, auf jedem Fall in diesem Jahr, von sich hören lassen, berichtete Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (CDU). Der hatte die Petition an das Land eingereicht. Auf einen möglichst schnellen Bescheid hofft Andreas Nickel, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen die Vollsperrung der Straße. „Der Ausschuss hat erkannt, wie sehr es uns auf den Nägeln brennt“, so Nickel. Einen Schnellschuss dürfe es aber auch nicht geben, und dass eine seriöse Prüfung welcher Ideen auch immer eine gewisse Zeit dauert, das ist ihm auch klar.

Nickel hat sich einen gewissen Optimismus auch über diesen Tag hinaus bewahrt. Es sei nicht um Schuldzuweisungen gegangen, sondern man habe konstruktiv diskutiert. Auch aus Sicht des Petitionsausschusses gebe es noch prüfenswerte Aspekte, so Nickel. Ein wenig Hoffnung macht ihm das schon. „Meinem Naturell folgend ist das Glas eher halbvoll als halbleer.“

Da ist Stadtverordnetenvorsteher Hegeler doch deutlich zurückhaltender. „Wir sind vielleicht ein kleines Stückchen weiter“, ist noch das Positivste, was ihm einfällt. Bei Hessen Mobil sei kein Wille zur Bewegung sichtbar geworden, bilanziert er. Hegeler vermisst auch eine wirkliche Einsicht der Behörde in das, was die Lorsbacher bewegt.

Am nahesten dran an den Lorsbachern ist sicher der Ortsvorsteher. Seit 2014 werde über die Sanierung der Stützwand gesprochen, deutet Dieter Kugelmann an, dass Hessen Mobil doch Zeit genug gehabt hätte, sich um eine andere Lösung zu bemühen. „Das sind alles Schlafmützen“, schimpft Kugelmann. Er ist enttäuscht von dem Treffen, hätte gerne größere Fortschritte gesehen.

Kugelmann fordert „politische Folgen“

Für Kugelmann ist klar, dass die ganze Affaire politische Folgen haben muss. Sein Zorn richtet sich gegen Wirtschaftsminister Al-Wazir, der aus seiner Sicht Hessen Mobil zu einer anderen Vorgehensweise zwingen könnte. Dass dies nicht geschehe, das müsse man eben bei der Landtagswahl berücksichtigen und den Grünen keine Stimme geben.

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