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Die denkmalgeschützte Klosterkirche ist für die verbliebene Ordensgemeinschaft längst zu groß geworden.

Studenten entwickeln bereits Ideen

Wohnungen in der Klosterkirche?: Projekt könnte Wirklichkeit werden

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Der Schwesternorden hat einen möglichen Investor für die Kirche an der Schloßstraße, konkrete Verträge gibt es aber noch nicht. Aber Studenten entwickeln bereits Ideen, wie in dem Gotteshaus Wohnungen untergebracht werden können.

Ein Spottwort sagt: In der katholischen Kirche, in der doch das zentrale gottesdienstliche Ereignis die Wandlung sei, wollten viele lieber, dass alles bleibt, wie es ist. Schwester Gudula Busch gehört sicher nicht dazu. Die Konventsoberin der Schwestern vom Guten Hirten in Marxheim hat schon lange, wie sie in ihrer westfälisch-direkten Sprache sagt, „kapiert“, dass sie in Zeiten großer Veränderung lebt – und will diese nicht erleiden, sondern aktiv mitgestalten.

Schon vor mehr als 20 Jahren hat sie begonnen, Teile des Klostergeländes anderen Nutzungen zuzuführen. Denn wie allen Orden mangelt es auch den Schwestern vom Guten Hirten an Nachwuchs. Als sie von 1891 an jungen Frauen in Marxheim eine Ausbildung und damit einen guten Start ins Leben ermöglichten, war das noch anders. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die vorübergehend von den Nazis vertriebenen Schwestern zunächst wieder ein blühendes Haus führen, das weiter ausgebaut wurde.

Klosterkirche in Marxheim ist den Ordensschwestern zu groß geworden

Doch der christliche Glaube in Deutschland schwindet und die Folgen werden immer sichtbarer. Immer mehr Orden müssen Niederlassungen ganz aufgeben, auch viele Pfarreien haben zu viele und/oder zu groß gewordene Immobilien. Da sind Ideen gefragt – und mutige, wenn auch vielfach schmerzliche Schritte.

In Marxheim ist mittlerweile das Maria-Droste-Haus das letzte profane Gebäude auf dem Klostergelände, das vom Orden noch genutzt wird. 20 Schwestern im Alter von 78 bis 96 Jahren leben dort mit 20 anderen Menschen, die keine Ordensangehörigen sind, in vier ambulant betreuten Wohngemeinschaften. Vier weitere Schwestern leben zudem in einem Haus unterhalb des Klostergeländes.

Schwester Gudula weiß, dass es immer wieder Veränderungen gibt.

Einen großen Teil seines Areals am Waldrand hat der Orden nach und nach an das Montessori-Zentrum verpachtet. Doch auch die Klosterkirche ist den Schwestern längst zu groß geworden. „Als sie Ende der 1950er Jahre gebaut wurde, lebten hier noch 200 Jugendliche, Kinder und ältere Frauen und mehr als 50 Ordensschwestern“, erinnert Schwester Gudula. 

Ordensschwestern erhalten keine Kirchensteuer vom Bistum Limburg und müssen alles selbst bezahlen

Zwar steht die Kirche an der Schloßstraße allen Gläubigen offen, und das Gottesdienst-Angebot wird auch gern und vielfach rege genutzt – zur Christmette vor wenigen Wochen noch blieb kein Sitzplatz frei – doch die Sonntags-Kollekte reiche zumeist nicht einmal, um den Blumenschmuck zu bezahlen, sagt Schwester Gudula. Das Bistum Limburg leiste „nicht einen einzigen Cent als Kostenbeitrag“. Die Schwestern, die wie alle Orden keinerlei Kirchensteuer erhalten, zahlen von der Gebäudeunterhaltung über Strom und Heizung bis hin zu Organist oder Küsterdienst alles selbst. Kein Wunder, dass sich die Ordensleitung in Würzburg seit Jahren Gedanken macht, was aus dem Hofheimer Gotteshaus, das rein kirchenrechtlich den Status einer „Kapelle“ hat, werden könnte.

Für Oberin Gudula Busch war von vornherein klar: „Ich will kein Wirtshaus oder Café und auch kein Geschäft“, wie es häufig in Holland schon zu sehen sei. Bevor das die Lösung wäre, würde sie die Kirche lieber abreißen lassen, wie der Orden es schon in Münster und Bocholt getan habe. In Hofheim ist da allerdings der Denkmalschutz vor. Ihm gilt das markante Gebäude auf der Bergkuppe hoch über Marxheim als ortsbildprägend.

Klosterkirche ist noch nicht verkauft

2016 hat sich der Orden nach einem möglichen Investor umgesehen und ist beim Gemeinnützigen Siedlungswerk Frankfurt (GSW), das in Trägerschaft der katholischen Kirche steht, fündig geworden. „Es gibt aber keine festen Verträge oder Abmachungen“, betont Schwester Gudula, die weiß, dass in der Nachbarschaft bereits Gerüchte die Runde machen, die Klosterkirche sei verkauft.

Was es gebe, so die 84-jährige Oberin, seien erste Überlegungen, in das Gotteshaus mehrere Etagen mit Wohnungen einzubauen. Das GSW hat einen Professor der TU Darmstadt gewinnen können, sich darüber mit seinen Studenten Gedanken zu machen. Zwei erste Entwürfe haben sie vorgelegt. Einbezogen in die Überlegungen, die in den nächsten fünf Jahren konkret werden könnten, sind die Denkmalschützer von Kirche und Land. Auch rechtlich hat der Orden die Machbarkeit einer Umnutzung zu Wohnraum bereits prüfen lassen. Und die Stadt Hofheim sei über die Überlegungen informiert, sagt Gudula Busch, die sich mit ihren Mitschwestern einig ist, dass das Klosterleben in Marxheim ein Auslaufmodell ist. Ihr Ziel: „Es mit Würde zu Ende führen.“

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