Dr. Eva Scheid hat das Hofheimer Stadtmuseum zu dem gemacht, was es heute ist: Eine angesehene Einrichtung mit Strahlkraft weit über die Grenzen der Kreisstadt hinaus.
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Dr. Eva Scheid hat das Hofheimer Stadtmuseum zu dem gemacht, was es heute ist: Eine angesehene Einrichtung mit Strahlkraft weit über die Grenzen der Kreisstadt hinaus.

Porträt

Hofheim: Abschied von der Museums-Macherin

  • VonBarbara Schmidt
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Dr. Eva Scheid hat das Hofheimer Stadtmuseum 30 Jahre lang geprägt. Jetzt geht sie in den Ruhestand

Hofheim. Eva Scheid erinnert sich noch gut an ihren ersten Besuch in Hofheim. Abends sei sie mit ihrem damaligen Freund auf dem Motorrad von Frankfurt hergefahren. In der Burgstraße trafen sie auf ein großes Loch. "Da stand noch kein Bauschild, aber ich habe gesagt: Das wird bestimmt das Museum", erzählt dessen langjährige Direktorin. Anschließend seien sie hoch auf den Kapellenberg und auf den Meisterturm. "Da liegt unten die Kulturlandschaft vor dir und dann drehst du dich rum und hast den Wald", fasst Scheid zusammen, was sie spontan zu dem Urteil brachte: "Das ist gut hier, hier kann man hingehen."

Das tat sie denn auch 1991, als das Hofheimer Stadtmuseum noch im werden war. Bürgermeister Rolf Felix und sein damaliger Kulturamtschef Adi Schmidt, die Dr. Eva Scheid im Bewerbungsverfahren ausguckten, bewiesen damit nicht nur ein gutes Händchen, sie lösten zugleich im Lüdenscheider Rathaus, wo man seine Stadtmuseums-Chefin nicht einfach wieder ziehen lassen wollte, einiges an Aktivitäten aus. Doch Eva Scheid ließ sich auch durch verlockende Offerten nicht umstimmen. Es zog sie auch privat einfach zurück ins Rhein-Main-Gebiet. Zum Glück für Hofheim.

Ihre erste Studienwahl war "Soziale Arbeit"

Aufbauarbeit hatte die Ethnologin gleich schon auf ihrer ersten Stelle geleistet. Das Stadtmuseum Gelnhausen hat sie dabei auf die Spur gesetzt. Ihr Faible für Kunst und Kultur hat Scheid, die aus Zell an der Mosel stammt, übrigens nicht gleich nach dem Abitur entdeckt. "Soziale Arbeit" war ihre erste Studienwahl. Nach dem Abschluss kam sie eher zufällig dann zur "Europäischen Ethnologie" in Marburg, wo sie 1987 ihr zweites Studium mit der Dissertation abschloss. Was sie beruflich damit machen wollte, war für sie da schon klar. Denn ein Praktikum, das sie als Studentin im Freilichtmuseum Kommern (Eifel) absolvierte war für sie eine begeisternde Erfahrung. "Damit hat mich das Museumswesen in den Fingern gehabt", sagt die Frankfurterin.

Ideenreiche Ausstellungen

In Hofheim hat Eva Scheid die ersten 27 Jahre des Stadtmuseums entscheidend geprägt. Die Schwerpunkte, von den Römern über die Lederindustrie und die Stadtgeschichte bis zur Künstlerkolonie rund um Hanna Bekker vom Rath und das Blaue Haus wurden nicht nur sorgsam gepflegt, Scheid nutzte sie als Grundlage für vielfältige Aktionen, und so klar wie ideenreich akzentuierte sie Ausstellungen, die dem Haus immer mehr Profil und Ansehen weit über die Stadt hinaus einbrachten.

Auch die Erweiterung der eigenen Sammlungen hat die Chefin eines nur sehr kleinen und mittlerweile zum Teil ehrenamtlich verstärkten Museums-Teams vorangetrieben und Kontakt und Austausch mit anderen Museen und Institutionen in der Kulturlandschaft Rhein-Main gesucht und gepflegt. Die Öffnung des Hauses für vielerlei Veranstaltungen genauso wie die beliebten Museumstage im Mai mit Programm für die ganze Familie haben zudem dafür gesorgt, dass das Stadtmuseum in Hofheim schon lange nicht als elitäre Einrichtung, sondern als eine der guten Stuben der Stadt mit spannendem Angebot wahrgenommen wird.

"Du denkst immer mindestens zwei, drei Jahre im Voraus", verrät Eva Scheid, dass Museumsarbeit viel Planung braucht. Der realistische Blick auf die eigenen (auch finanziellen) Möglichkeiten gehört dazu wie das Bemühen um Sponsoren. Dass sie von Anfang an auf den Förderverein des Museums bauen konnte, hat sie stes als Pfund gesehen in Hofheim. Eigene Ausstellungen auch zu dokumentieren, damit etwas bleibt und darauf aufgebaut werden kann, war ihr zudem immer wichtig. Eine stattliche Anzahl von Katalogen und die in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv stetig gewachsene Reihe der "Beiträge zur Kultur- und Stadtgeschichte" sind so in den vergangenen 30 Jahren entstanden.

Dr. Inga Remmers ist die Nachfolgerin

In dieser Woche hat Eva Scheid Geburtstag gefeiert. 65 Jahre ist sie nun - und in wenigen Tagen wird sie den Staffelstab der Museumsleitung weiterreichen an ihre Nachfolgerin. Die Kunsthistorikerin Dr. Inga Remmers ist bereits im Haus, um ihr neues Aufgabengebiet noch mit Unterstützung ihrer Vorgängerin kennenlernen zu können.

Sie selbst könne gut loslassen, versichert Eva Scheid, die sich auf frei gestaltbare Zeit und nun auch mal längere Aufenthalte in ihrem Lieblingsland Italien oder an der Mosel freut. Dass man in der Kunst- und Kulturszene Rhein-Main und darüber hinaus heute anders als noch vor 30 Jahren nicht nur nach ihrem Eindruck ganz gut weiß, wo Hofheim liegt, dazu hat sie eine Menge getan. "Jetzt müssen mal Jüngere ran", sagt sie. "Und das ist auch gut so."

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