Sven Horne ist mit seiner Firma "Fritz Bissert" einer der Mieter im früheren Werk II von Polar Mohr im Hofheimer Norden. Weil die neuen Eigentümer Wohnungen bauen wollen, muss die Firma weichen.
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Sven Horne ist mit seiner Firma "Fritz Bissert" einer der Mieter im früheren Werk II von Polar Mohr im Hofheimer Norden. Weil die neuen Eigentümer Wohnungen bauen wollen, muss die Firma weichen.

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Hofheim: Alte Polar-Fabrik weicht Wohnungen

  • VonBarbara Schmidt
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Den Gewerbebetrieben wurde bereits gekündigt. Neuer Eigentümer des Areals ist die Instone Real Estate.

Hofheim -Das Unternehmen "Instone Real Estate" mit Sitz in Essen, das sich selbst als "einen der deutschlandweit führenden Wohnentwickler" beschreibt, will das frühere "Werk II" der Firma Polar Mohr im Hofheimer Norden neu bebauen.

"Das Grundstück soll wohnungswirtschaftlich genutzt werden", bestätigt Sprecher Jens Herrmann auf Anfrage dieser Zeitung, dass der neue Eigentümer anstrebt, auf dem früheren Industriegelände, das derzeit rein gewerblich genutzt wird, Wohnungen zu errichten. "Die Planungen stehen noch ganz am Anfang. Ziel ist in jedem Fall eine attraktive Wohnbebauung, die eine sinnvolle Nachnutzung des Areals und letztlich eine städtebauliche Aufwertung darstellt", heißt es aus Essen. "Weitergehende Angaben können wir in dieser Phase noch nicht machen", so Herrmann.

Die Idee, das gut 8 000 Quadratmeter große Grundstück im Hofheimer Norden anders zu nutzen, gibt es in der Kreisstadt schon länger. Gern hätte die Stadt vor mehr als zehn Jahren das Gelände von der Familie Mohr erworben, um dort im Projekt "Soziale Stadt" - und wohl mit Hilfe der Hofheimer Wohnungbaugesellschaft (HWB) - Wohnungen und Treffpunkte zu schaffen. Sie biss aber bei den Erben von Karl und Rudolf Mohr immer auf Granit. Um die passende soziale Mischung ging es damals.

Dass nun dort wohl keine einzige der so dringend benötigten "bezahlbaren" Wohnungen entstehen dürfte, fürchten die ersten Nachbarn schon, die mitbekommen haben, dass sich auf dem Gelände etwas tun soll. Mit Drohnen sei es überflogen worden und Vermesser seien am Werk gewesen, heißt es. Schon werden Sorgen laut, dass dort erneut nur Luxus-Eigentumswohnungen entstehen könnten, bei größtmöglicher Ausnutzung der Fläche wohl in Form von mehrstöckigen Gebäuden mit Staffelgeschossen,

Die Mieter der verschiedenen Gebäude auf dem Gelände sind von den neuen Plänen noch weit direkter betroffen. Sie erhielten allesamt die Kündigung. Betroffen ist unter anderem der Main-Taunus-Kreis, der dort eine Lagerhalle für den Katastrophenschutz nutzt. Für dessen Zwecke wird aber in Weilbach vom Kreis ein Neubau errichtet.

Die vier weiteren Handwerker- und Gewerbebetriebe müssen dagegen sehen, wohin sie umsiedeln können. Ein Schrottverwerter, ein Motorrad-Händler und ein Autohaus gehören dazu. Ganz besonders ärgerlich ist die unerwartete Kündigung für die alteingesessene Hofheimer Firma Fritz Bissert, die gerade erst vor drei Jahren eingezogen ist und einiges in ihre neue Firmenzentrale investiert hat.

2016 hatten die beiden Geschäftsführer Sven Horne und Domenico Galvano das 1953 gegründete Heizungs- und Sanitärunternehmen von den früheren Eigentümern übernommen. Dann wurde das Gebäude in der Homburger Straße 16, in dem der Handwerksbetrieb lange seinen Sitz hatte, verkauft. Auf der Suche nach neuen Räumen tat sich die Möglichkeit auf, bei Mohr direkt nebenan zu mieten. Den eigentlich gewünschten Zehn-Jahres-Vertrag habe Mohr abgelehnt, sagt Sven Horne. Heute weiß er, warum.

Die Kündigung zu Ende August 2022 stellt den Betrieb mit acht Mitarbeitern vor große Probleme. Horne, der auch Innungsobermeister ist, sieht grundsätzlich im Ballungsraum immer mehr die Gefahr, dass Handwerksbetriebe durch Wohnbebauung verdrängt werden. Gewerbeflächen, auf denen sich neue Betriebe errichten ließen, habe die Stadt aber nicht, hat er im Rathaus gehört, wo er sofort vorstellig geworden sei. Einzig den gerade entstehenden Handwerkerpark in Diedenbergen habe man ihm genannt, doch was dieser an Räumen biete, passe für seinen Betrieb nicht.

Die Stadt Hofheim teilt dagegen auf Anfrage mit, es gebe seit dem Grundstücksverkauf "bislang keine Anfragen" und versichert, sollten Unternehmen, die dort ansässig seien, Unterstützung brauchen, werde die Stadt ihnen gern mit ihrer Wirtschaftsförderung helfen.

Im Rathaus hält man sich mit Informationen zu den Plänen für das Mohr-Grundstück ansonsten zurück. Bestätigt wird auf Anfrage, dass "der alte und der neue Eigentümer sowie die Stadt Hofheim und der Main-Taunus-Kreis als Bauaufsicht im Gespräch sind". Auf Anfrage bestätigt Rathaus-Sprecher Jonathan Vorrath, dass es für den Bereich, in dem das Gelände liegt, keinen Bebauungsplan gibt.

In diesem Fall greift Paragraf 34 Baugesetzbuch. Er besagt, dass "ein Vorhaben zulässig" ist, "wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist."

Das ehemalige Zweigwerk von Polar Mohr vom Liederbacher Weg aus gesehen. Die Hallen nutzt unter anderem ein Kfz-Betrieb.

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