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Und jetzt gibt es eine Portion Futter für die muntere Hühnerschar. Landwirt Philipp Rübsamen schaut regelmäßig bei seinen Schützlingen vorbei. In Kürze steht übrigens ein Umzug auf eine andere Wiese an.

Landwirtschaft

Hofheim: Bauer Rübsamen und seine 100 glücklichen Hühner

  • vonBarbara Schmidt
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Ein junger Langenhainer Landwirt betreibt ein Hühner-Mobil. Und das kommt an: Die Nachfrage nach den Eiern ist riesig.

Langenhain – Es ist längst ein Magnet für kleine und große Spaziergänger: Das Hühner-Mobil von Landwirt Philipp Rübsamen hat in den vergangenen Wochen in Langenhain schon viele Freunde gewonnen. Wo kann man so etwas schließlich heute noch bestaunen? Glückliche Hühner. Auf einem umzäunten Stück Wiese laufen sie frei herum, scharren hier, picken dort und ziehen sich auch mal zurück, zum Eierlegen. In Kuhlen, die sie im Boden angelegt haben, gönnen sie sich auch schon mal ein intensives Staubbad. "Das nennt man pudern", weiß Philipp Rübsamen.

Auf dem Hof seiner Großeltern in Langenhain hat er das Landleben von kleinauf kennen- und lieben gelernt. Hühnern galt dabei früh sein besonderes Interesse. Als Achtjähriger habe er mal ein paar Eier genommen und sie von einem im Ort, von dem er wusste, dass er sich damit auskannte, ausbrüten lassen. "So fing's an", erinnert sich der 26-Jährige schmunzelnd. Als Züchter erzielte er schon als Jugendlicher die ersten Erfolge, war bei vielen Ausstellungen dabei und zeigte seine Rassehühner.

Die hat er auf der "Farm", beim Kleintierzuchtverein, auch heute noch. Doch die Zucht ist Hobby geblieben. Denn als Landwirt weiß Philipp Rübsamen, dass Rassehühner wie Sussex oder Vorwerk, die er besonders mag, nicht gerade rentabel sind. "Heute muss alles wirtschaftlich sein", und dafür legten Rassehühner einfach zu wenig Eier. Für das "Hühner-Mobil", das alle paar Wochen den Standort wechselt, damit Boden und Grundwasser nicht zu sehr strapaziert werden, hat er daher Legehennen gekauft, wie sie auf deutschen Höfen gebräuchlich sind. Das sogenannte Hybridhuhn ist ein Hochleister, es legt beinahe täglich ein Ei. Und so kann Rübsamen an jedem Nachmittag aus den mit Dinkel-Spelz weich gepolsterten Nestern, in die sich die insgesamt 100 Hühner in ihrem Mobil zur Eiablage zurückziehen, um die 90 Eier einsammeln.

Das Mobil, das Ähnlichkeit mit einem Bauwagen hat, bietet den Tieren zudem Stangen, auf denen sie schlafen oder sich einfach mal zusammenhocken. Schutz finden die Tiere hier natürlich auch, nicht nur vor Regen und Wind, sondern vor allem auch vor dem hungrigen Habicht oder dem mörderischen Marder oder dem diebischen Fuchs. Taucht so ein Hühnerfresser tagsüber auf, warnt der Hahn - der nicht zuletzt aus diesem Grund beim Hühner-Mobil auf keinen Fall fehlen darf. Im Wagen selbst und auch darunter finden die Tiere dann Unterschlupf.

Mit der Dämmerung kommt die Schlafenszeit, auch dann suchen die Tiere den Bauwagen auf, bevor im wahrsten Sinne des Wortes die Klappe fällt: Eine Zeitschaltuhr sorge dafür, dass der Schieber sich über den Zugang senke, zeigt der junge Landwirt die Vorrichtung, die verhindert, dass ein ungebetener Eindringling auf vier Pfoten hier Beute machen kann.

Die Hühner auf diese Art zu halten, hat für Philipp Rübsamen eine Menge Vorteile. Dem Tierfreund gefällt, dass Hennen und Hahn so draußen im Freien viel Auslauf genießen und ein deutlich besseres Leben haben als Artgenossen, die im Stall oder gar im Käfig gehalten werden. "Sie werden daher auch älter und sind viel robuster und abgehärteter", erläutert der Landwirt. Dazu trage bei, dass die Tiere neben dem handelsüblichen Futter auch alles fressen, was die Wiese für sie hergibt, vom Gras bis zu Würmern und Insekten. Dass die Eier auch besser schmecken als viele andere, weiß Philipp Rübsamen im Grunde nur von seinen Kunden. "Ich esse ja selbst keine anderen", sagt er lächelnd.

In den vergangenen Wochen hat das Hühner-Mobil auf einer Wiese unweit des Ortsausgangs Richtung Wildsachsen gestanden. Hier haben es so viele Menschen entdeckt, dass die Nachfrage nach den Eiern (35 Cent pro Stück) "durch die Decke gegangen ist", wie es Rübsamen ausdrückt. So um die 70 Prozent der Leute, die zum Hof kämen, um Eier zu kaufen, müssten mittlerweile mit leeren Händen wieder gehen, bedauert er. Inzwischen sei er aber am Planen, ob und wie sich die Sache mit dem Hühner-Mobil ausbauen ließe.

Seit kurzem ist der ausgebildete Landwirt auch Mitglied im Bundesverband Mobile Geflügelhaltung, in dem sich Mobilstall-Halter zusammengeschlossen haben. Seine Hühner werden in den kommenden Tagen erst einmal umziehen, ein Stück weiter Richtung Wildsachsen wird dann das Mobil samt Elektrozaun auf einer anderen Wiese "geparkt", wie Rübsamen verrät.

Die Spaziergänger werden es sicher auch dort gern aufsuchen. Denn das Hühnervolk zu beobachten, das macht nicht nur Kindern wirklich Freude. (Von Barbara Schmidt)

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