Unsere Grafik zeigt den Alternativ-Standort für Parkplätze und Busbahnhof. Rechts der Verkehrskreises.
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Unsere Grafik zeigt den Alternativ-Standort für Parkplätze und Busbahnhof. Rechts der Verkehrskreises.

Wallauer Spange

Hofheim: Bauern kämpfen um ihr Land

  • vonManfred Becht
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Damit nicht wertvolle Äcker verloren gehen, haben die betroffenen Landwirte einen Alternativ-Plan für Parkplätze und Busbahnhof am geplanten DB-Haltepunkt vorgelegt.

Wallau -Das Dreieck zwischen Autobahn A 66, Schnellbahnstrecke und der Landesstraße L 3017 ist größtenteils ungenutztes Brachland, wie ein Blick auf jedes Luftbild zeigt. Für die Landwirte ist es schlecht erreichbar und ungünstig geschnitten. Außerdem befindet sich an der Zufahrt der Rettungsplatz für den ICE-Tunnel. Fest steht: Wenn man dort - siehe Info-Grafik - die Parkplätze und den Busbahnhof für den geplanten Haltepunkt an der Wallauer Spange unterbringen ließe, könnte der Verbrauch wertvoller Ackerflächen südlich angrenzend an die ICE-Trasse verringert werden.

Deshalb haben die betroffenen Landwirte dies vorgeschlagen. Auch der Stadt Hofheim liegt ein Plan vor, wie die notwendigen Einrichtungen auf der Fläche untergebracht werden könnten. Sie stammen von dem Wiesbadener Michael Dirting, der zwar kein Planer ist, nach eigenem Bekunden aber schon beim Bau der ICE-Trasse Vorschläge eingebracht habe, mit deren Hilfe die Bahn Millionen hätte sparen können. Der Plan liegt auch der Bahn vor.

Nach den Vorstellungen der Bauern soll dort, wo man von der Landesstraße auf die Autobahn fahren kann, ein Kreisverkehr gebaut werden und von diesem gelangen Personenwagen und Busse auf die fragliche Fläche. Zunächst wären acht Bushalteplätze erreichbar, dahinter mehr als 500 Parkplätze. Auch an Taxen und Fahrräder wurde gedacht. Zum Haltepunkt kämen die Fahrgäste über zwei Brücken über die ICE-Trasse, die Brücken wiederum sollen mit Aufzügen ausgerüstet werden.

Eine ganz Reihe von Vorteilen

Die Landwirte haben einen ganzen Katalog von Vorteilen dieser Variante zusammengestellt, über den Erhalt ihrer Felder hinaus. So wäre alles billiger, auch weil sich die Flächen schon im Besitz der Bahn befinden, weil weniger Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden müssen, weil weniger Erdmassen transportiert werden müssen. Die Wege für die Fußgänger sind besonders kurz, mit dem Kreisel werde eine leistungsfähige Anbindung geschaffen, es fallen Ampeln weg, die derzeit den Verkehr behindern.

Natürlich gibt es kritische Punkte. Im Ortsbeirat wies Erster Stadtrat Wolfgang Exner auf den Rettungsplatz für den ICE-Tunnel hin, aber auch daran haben die Landwirte gedacht. Der soll dann als Verkehrsfläche mitgenutzt, dabei vergrößert und befestigt, also verbessert werden. Im übrigen sei der Rettungsplatz nach den geltenden Vorschriften gar nicht zwingend erforderlich.

Exner wies außerdem darauf hin, dass die Autobahn verbreitert und die Anschlussstelle umgebaut werden solle. Planungen dafür liegen noch nicht vor. Die Radien der Kurven seien nicht mehr zulässig, weiß Exner aber. Spätestens im Bebauungsplanverfahren würde die Position der Bundesautobahngesellschaft, die sich neuerdings um die Autobahnen kümmert, deutlich. Nur will die Stadt natürlich vermeiden, ein Verfahren für einen Bereich einzuleiten, über den sie wegen der Autobahn gar nicht verfügen kann.

Auf der anderen Seite haben die Landwirte ein Druckmittel in der Hand. Geben sie ihre Flächen nicht heraus, muss es zu einer Enteignung kommen. "Weitergehender Landverlust ist vermeidbar und wird mit allen Rechtsmitteln zu verhindern sein", kündigen sie an. Alle denkbaren Verfahren sowohl gegen den Bebauungsplan wie auch gegen die Baugenehmigung für die Strecke selbst aber sind langwierig.

"Wir sind im Gespräch und suchen Lösungen", erklärte Exner daher im Ortsbeirat. In die Prüfungen werde auch der Vorschlag der Landwirte einbezogen. Er ließ durchblicken, dass der Stadt an einer Einigung gelegen ist, dass dies aber auch seine Grenzen habe. "Am Ende kann es auch Entscheidungen geben, die manchem wehtun."

Schlagmühle und Sonnenhof betroffen

Betroffen wären vor allem die Landwirte vom Sonnenhof und von der Schlagmühle. Dabei käme der Parkplatz nach den bisher vorliegenden Plänen auf Feldern der Schlagmühle zu liegen, während Felder des Sonnenhofes durch eine Umgehungsstraße zerschnitten würden, die die Stadt Wiesbaden gerne von Delkenheim her zu dem Haltepunkt bauen würde. Dies stößt auch im Hofheimer Rathaus allerdings offenbar auf wenig Gegenliebe. Die Hofheimer Stadtverordnetenversammlung und niemand sonst werde entscheiden, was auf Hofheimer Gebiet gebaut werden dürfe, kommentierte Exner im Ortsbeirat.

Ehrgeiziger Zeitplan

Der Zeitplan ist ehrgeizig: 2025 sollen nicht nur Züge auf der Wallauer Spange fahren, sondern nach dem Willen der Stadt Hofheim soll dann auch der Haltepunkt für den Hessen-Express in Betrieb gehen. "Es ist viel Dynamik in den Entwicklungsprozess gekommen", sieht Hofheims Erster Stadtrat Wolfgang Exner positive Anzeichen für eine zügige Fortsetzung der Vorbereitungen. Er würde gerne noch im laufenden Jahr mit dem Verfahren für die Aufstellung des Bebauungsplanes für Parkplätze, Busbahnhof und Zufahrt beginnen, am liebsten noch im Sommer. Zumal die Bahn in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren für den Bau der Gleisverbindung von Wiesbaden in Richtung Flughafen Frankfurt einleiten will. Aber es gibt einige Unsicherheitsfaktoren. Für das Bebauungsplanverfahren werden Verkehrszählungen gebraucht - doch die geben in Zeiten, in denen die Corona-Pandemie das Verkehrsaufkommen verringert, keine rechtlich haltbaren Ergebnisse. Und es muss eine Entscheidung über den Vorschlag der Landwirte her. Denn der Bebauungsplan muss genau für das Gebiet aufgestellt werden, auf dem gebaut werden soll. Manfred Becht

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