Wie ein Insekt wirkt dieser menschliche Schatten aus der Serie "Graal", für die Nikolaus Stein ausgezeichnet wurde.
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Wie ein Insekt wirkt dieser menschliche Schatten aus der Serie "Graal", für die Nikolaus Stein ausgezeichnet wurde.

Kultur

Hofheim: Der Berliner Fotograf Nikolaus Stein erhält den renommierten Marta Hoepffner-Preis

  • Christine Sieberhagen
    vonChristine Sieberhagen
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Im Hofheimer Stadtmuseum sind von Sonntag an fotografische Geschichten in Schwarz-Weiß zu sehen. Der Besuch lohnt sich.

Hofheim.Kann man mit Fotografien geheimnisvolle Geschichten erzählen? Ja, Nikolaus Stein gelingt dies. Mit Perspektiven- und Szenenwechseln erzeugt der Künstler eine Art Vexierbild, das teils beängstigendes, teils humorvolles widerspiegelt. Der in Berlin lebende Künstler erhält in diesem Jahr den Marta Hoepffner-Preis für Fotografie. Der mit 3000 Euro dotierte Preis wird alle drei Jahre an Nachwuchsfotografen vergeben und ist mit einer Ausstellung im Stadtmuseum Hofheim verknüpft. Dort wird Stein den renommierten Preis am kommenden Sonntag, 21. Juni, entgegennehmen. In der Folge werden seine Arbeiten gemeinsam mit denen elf weiterer Fotokünstler gezeigt.

Das Leitthema der siebten Verleihung des Hoepffner-Preises war diesmal mit dem Stichwort "Fremder Blick" überschrieben", schildert Ralf Dingeldein, Vorsitzender der Marta Hoepffner-Gesellschaft. Aufgabe der Bewerber war es, den Blick auf fremde Menschen oder fremde Kulturen einzufangen. "Dies kann entweder faszinieren, neugierig machen und Sehnsüchte wecken oder Unsicherheiten, Ängste und Abwehr auslösen. Das Fremde weicht ab vom Vertrauten und kann neue Möglichkeiten eröffnen", erläutert Dingeldein.

52 Fotografen haben sich beworben und 226 Arbeiten eingesandt, aus denen die Jury zwölf Favoriten für die Ausstellung gewählt und daraus den Preisträger bestimmt hat. Mitglieder der Jury waren neben Ralf Dingeldein Dr. Beate Kemfert von der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim, Sybille Fendt von der Hochschule Hannover sowie Freddy Langer, "Frankfurter Allgemeine Zeitung", und der Fotograf Chris Becher, der den Marta Hoepffner-Preis vor drei Jahren gewann.

Für Nikolas Stein haben sich die Experten entschieden, "weil er das Thema des ,Fremden Blicks' in seiner Serie ,graal' überraschend inszeniert. Dabei sind sowohl die formalen als auch inhaltlichen Umsetzungen seiner verschiedenen Einzelbilder überzeugend gelungen." Inspiriert von dem mittelalterlichen Roman Li Contes del Graal begibt sich der Anfang der 90er Jahre in Oberösterreich geborene Künstler auf eine Suche nach Bildern, die sich zwischen Mystik, Wahnsinn, Orientierungslosigkeit und Skurrilität bewegen. Steins Bildsprache ist spielerisch. Dort wird ein menschlicher Schatten durch geschickte Bildkomposition plötzlich zum insektenähnlichen Wesen mit überlangen Fühlern, das wie aus einem Science-Fiction-Film wirkt. Zum Teil baut Nikolas Stein seine Bildkompositionen grafisch mit geraden Linien auf. Blickrichtungen unterstützen dann längliche Gegenstände wie Flinten auf ein Gully-Loch oder ein in die Luft gereckter Finger auf ein kurioses Flugzeug am Haken. Dann wieder gelingt es ihm, weitläufige Landschaften durch den Einsatz von Unschärfe wie Gemälde wirken zu lassen. "Wenn Nikolas Stein Schatten als Kompositionselement nutzt, abstrahiert er nicht nur seine Bildsprache, sondern lädt besonders zu Assoziationen ein. Ob witzige Metamorphosen oder skurrile Begebenheiten - bei ihm geht es weniger um Gegenstandsbeschreibung, vielmehr zeigt er Widersprüchliches im Zusammenspiel von Mensch und Objekt oder Lebensraum", beschreibt die Jury die Arbeiten, die im Museum zu sehen sind.

"Es ist eine sehr heitere Arbeit", sagt Stein über seine Serie "graal". Angefangen hat das Ganze mit einer Arbeit über Mystizismus und Paranoia: "Es wurde dann ein ,Kinderspiel' im eigentlichen Sinne daraus. Die Bilder entstanden sehr spielerisch, als würde man Rahmenbedingungen setzen und dann zusehen, wie sich alles entwickelt", beschreibt der Absolvent der Berliner Ostkreuzschule für Fotografie die Entstehungsgeschichte.

Angetan war die Jury auch von dem Fotografen Aristidis Schnelzer, der seine Arbeit "Peter Holly" einreichte und in seinem Beitrag den Alltag eines Obdachlosen beschreibt, "Aristidis Schnelzer wagt es, einen Menschen in seiner ganzen Verletzlichkeit zu zeigen. Diese intensive Auseinandersetzung mit einem Menschen, der am Rande der Gesellschaft lebt, berührt und zwingt gleichzeitig in unverblümter Deutlichkeit, dort hinzuschauen, wo wir unsere Blicke normalerweise abwenden", loben die Experten. Auch diese Arbeit ist von Sonntag an im Stadtmuseum zu sehen. Außerdem werden in der Ausstellung Fotografien von Arhun Aksakal, Louisa Bäcker, Bastian Gehbauer, Ronja Hermann, Tanita Hub, Alexander Klang, Milan Koch, Michael Paul Romstöck, Fabian Stransky und Marcus Wiechmann gezeigt. Christine Sieberhagen

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