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In der Innenstadt von Hofheim machen sich die Auswirkungen von Corona bemerkbar.

Einzelhandel

Corona in Hofheim: Innenstadt verliert beliebte Geschäfte – Streit um Mietpreise

  • vonBarbara Schmidt
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Corona trifft auch den Einzelhandel in Hofheim hart. Doch die Leerstände halten sich in Grenzen. An einigen Stellen gibt es Streit über hohe Mietpreise.

Hofheim – Der Lockdown wegen Corona vor Weihnachten hat die Einzelhändler hart getroffen. Die Insolvenz verschiedener großer Modeketten, zuletzt war es Adler, hat in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt. Ein paar Leerstände gibt es auch in der Kreisstadt, doch hält sich das verhältnismäßig in Grenzen.

Damenmode Corina Knoll gibt ihren Standort Hofheim auf

So hat etwa das Damenmodegeschäft Corina Knoll (CK) in der Hauptstraße 69 Ende vergangenen Jahres den Standort Hofheim nach 20 Jahren aufgegeben und den auslaufenden Mietvertrag nicht verlängert. Die langjährige Verkäuferin, die Seele des Geschäfts gewesen sei, sei in Rente gegangen, sagt Knoll. Ersatz für so jemanden zu finden, sei schwierig, Die Schließung in Hofheim habe sie schon bedauert, Corona habe es ihr dann leichter gemacht. Sie konzentriere sich nun auf ihre Geschäfte in Wiesbaden und Oberursel und den Online-Shop.

Lebensmittelhandel ist ein Gewinner in Hofheim

Bereits während des Ausverkaufs habe sich ein neuer Interessent gemeldet, dem das Ladenlokal nun übergangsweise vermietet wurde, sagt Markus Buch als Vertreter der Inhaber-Familie. Denn auf Dauer habe man hier andere Pläne. Was statt des eingeschossigen Gebäudes, ein Anbau aus den 1950er Jahren, der über einer ehemaligen Hof-Einfahrt errichtet wurde, baulich möglich wäre, "dazu lassen wir gerade eine Machbarkeitsstudie erstellen", sagt Buch.

Als Lebensmittel-Einzelhändler "zählen wir zu den Pandemie-Gewinnern", kann Markus Buch für seine eigene Branche trotz mancher zusätzlicher Kosten für Hygienemaßnahmen oder Wachpersonal sagen. Nur Märkte, die in Gewerbegebieten lägen oder in großen Innenstädten, wo derzeit die Laufkundschaft aufgrund von Home-Office fehle, und alle, die in grenznahen Bereichen sonst von Kunden aus dem Ausland profitieren, hätten eine negative Umsatzentwicklung.

Corona in Hofheim: Kaum neue Mieter

In Hofheim, wo viel mehr Menschen als sonst daheim arbeiten und kochen, ist das Gegenteil der Fall. Dass es anderen Branchen ganz anders geht, weiß Buch aber allein schon aus Gesprächen mit den eigenen Mietern. Denen sei man auch im zweiten Lockdown wieder entgegengekommen, mit Stundungsmöglichkeiten oder gleich ganzem Mietverzicht. "Mir ist wichtiger als der Saldo, einen Mieter dauerhaft zu halten", begründet Markus Buch diese Haltung.

Die türkische Kneipe ist seit Monaten dicht. Das Haus Hauptstraße 33 hat schon bessere Zeiten gesehen.

Wie sich die in der Pandemie bereits zum zweiten Mal verfügte Geschäftsschließung auf Hofheim auswirken wird, wagt Eva Rembser, Chefin des Gewerbevereins Industrie Handel Handwerk (IHH), derzeit nicht zu prognostizieren. Sie rechnet aber mit der ein oder anderen Geschäftsschließung. Gesprächsbereitschaft und Entgegenkommen, wie sie Markus Buch praktiziere, würde sich Rembser auch von anderen Vermietern wünschen und ist sich da mit dem städtischen Wirtschaftsförderer Thorsten Kolar einig, "Neue Mieter für Ladenlokale werden in der nächsten Zeit kaum Schlange stehen," sieht auch Kolar ein veritables Eigeninteresse, etwas dafür zu tun, dass Mieter nicht die Reißleine ziehen müssen.

Corona in Hofheim: Familienzentrum will sich verkleinern

Das hat gerade das Hofheimer Familienzentrum gemacht. Inhaberin Elena Gulina sucht einen Nachmieter für das Ladenlokal in der Langgasse 1. Die 150 Quadratmeter, in die sie auch noch viel investiert habe, seien für sie nicht mehr bezahlbar, sagt Gulina. Schon mit dem ersten Lockdown im Frühjahr hat sie erste Schwierigkeiten bekommen, da das Familienzentrum keine Kurse mehr abhalten konnte. Zwar mache man Online-Angebote, doch das reiche nicht.

Der zweite Lockdown brachte erneut einen Umsatzeinbruch und Mietschulden. Was sie an staatlichen Hilfen erhalten habe, sei lächerlich, sagt Gulina. Solidarität erfahre sie nur "von den kleinen Leuten", zufriedene Teilnehmer, die mit Spenden helfen. Nun will sie möglichst schnell in kleinere Räume umziehen. Und keinesfalls aufgeben. "Wir bewegen uns und wir machen weiter", sagt Gulina.

Beliebtes Weinlokal in Hofheim: Auszeit für "Bob's fine wines"

Eine Auszeit hat sich Bob Gogan, Inhaber von "Bob's fine wines" in der Hauptstraße 17 genommen. Daran gedacht, etwas in seinem Leben zu verändern, habe er schon vor Corona, sagt der Australier, der seit 2004 einen Weinimport betreibt und 2008 nach Hofheim kam, wo er zusätzlich ein Ladengeschäft eröffnete und sich stets auch gern an allen Stadtfesten beteiligte. Weil er stark auf Erlebnis-Weinproben und andere Events gesetzt habe, hätten die Corona-Beschränkungen ein Übriges getan, erst einmal eine Zäsur zu machen, so der Australier.

Der Weinladen "Bob's fine wines" ist geschlossen, der Inhaber verkauft aber ab und zu noch einen Tropfen.

Noch wisse er nicht, wo es für ihn hingehen werde, sagt Gogan, der seine Weinbestände großenteils abverkauft hat und Kunden derzeit nur noch nach Absprache bedient. Etwas rund um den Wein werde er sicher auch in Zukunft machen, wohin die Reise gehe, habe er aber noch nicht entschieden. Ganz ausschließen, dass er in Hofheim doch noch mal weitermacht, will Bob Gogan jedenfalls nicht.

Neubeginn und Leerstände in Hofheim

Andere legen sogar neu los: Nach Sofia Lee, die, wie berichtet, in der Burgstraße ein Café im Lockdown eröffnet hat, gibt es einen weiteren Mutigen, der eine Neueröffnung vorbereitet. In der "Schmiede" am Tivertonplatz, wo das Lokal "Blanca" schon im ersten Lockdown zum Bedauern vieler Fans aufgegeben hatte, will sich ein Mitarbeiter eines italienischen Restaurants in der Hauptstraße selbstständig machen.

In der „Schmiede“ - Nachbarin des Restaurants „Scheuer“ - tut sich was: Geplant ist Gastronomie.

Auch im Jean-Hammel-Haus, das der Hofheimer Wohnungsbau GmbH gehört, hat sich ein Mieter gefunden, der einen Modeladen aufmachen will. Leerstände gibt es nach wie vor in der Türmchenzeile (ehemals Rufa), wo der neue Eigentümer noch nichts umgesetzt hat, im Colosseum an der Alten Bleiche, in der Hauptstraße 33 und in der Wilhelmsstraße 2 b (früher Tolksdorf).

Neue Pläne in Hofheim: Kein Restaurant mehr im Chinon-Center

Das Chinon-Center hat im vergangenen Herbst sein zehnjähriges Bestehen gefeiert – allerdings pandemiebedingt auch nur sehr eingeschränkt. Schon damals hatte Center-Manager Uwe Lippold dieser Zeitung von neuen Ideen für die Räume des Restaurants Yangtse im ersten Obergeschoss berichtet - etwa einer Arzt-Praxis. Gastronomie in Hofheim brauche heute auch eine Außenbestuhlung, nennt Lippold einen der Gründe für eine Neuorientierung.

Den Vormieter habe man aus dem Vertrag trotz noch langjähriger Laufzeit entlassen, ein Entgegenkommen, wie Lippold deutlich macht, denn das Restaurant war nicht so angenommen, wie es sich der Mieter erhofft habe. Nun sei man dabei, eine Neuvermietung voranzutreiben, er wolle "die Katze aber noch nicht aus dem Sack lassen".

Prima Lage in der Türmchenzeile, der neue Besitzer soll ein Café planen.

Corona in Hofheim: Auseinandersetzung um Mietpreise

Dass es zuletzt auf verschiedenen Social-Media-Kanälen über die angesetzte Kaltmiete von gut 15 Euro pro Quadratmeter empörte oder hämische Kommentare gab, dazu sagt Lippold nur, diese Art der Auseinandersetzung mit einem solchen Thema, "das ist nicht unser Stil". Natürlich seien Mieten immer Verhandlungssache, eine Basis brauche es aber, wenn man Interessenten suche. Für das Center-Management und den Inhaber, die Patrizia-Immobilien AG, sei wichtiger, "die richtige Lösung" für die 440 Quadratmeter große Fläche im Obergeschoss zu finden.

Das sei auch Ziel für die Neuvermietung der mit 75 Quadratmetern vergleichsweise kleinen Fläche, auf der seit 2010 die Modeschmuck-Kette "Bijou Brigitte" verkauft hatte. Sie hatte als Ursprungs-Mieter ihren Zehnjahresvertrag nicht verlängert. Für die Neuvermietung stehe man kurz vor der Vertragsunterzeichnung, so Uwe Lippold, der aber auch hier noch Stillschweigen bewahren will, bis alles unter Dach und Fach ist. (Barbara Schmidt)

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