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Symbolbild: Das Raubopfer wurde mit einem Messer an der Schulter verletzt und erlitt eine Gesichtsfraktur.

Kriminalität

Hofheim: Brutaler Raubüberfall - Kripo ermittelt mit Hochdruck

  • Karl-Josef Schmidt
    vonKarl-Josef Schmidt
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Die Stadt sagt: Es gibt kein Sicherheitproblem, solche Angriffe sind die absolute Ausnahme in Hofheim.

Hofheim -Die Polizei arbeitet mit Hochdruck an der Aufklärung eines brutalen Verbrechens, das vor dreieinhalb Wochen in der Kreisstadt für Aufregung und Entsetzen sorgte. Drei Räuber hatten mitten in der Nacht einen 22 Jahre alten Hofheimer überfallen, nachdem dieser von einem Automaten in einer Bank "Am Untertor" Bargeld abgehoben hatte. Einer der Täter besprühte das Opfer mit Pfefferspray, ein anderer stach mit einem Messer auf den jungen Mann ein. Massive Schläge gab es ebenfalls. Das Trio nahm dem 22-Jährigen das Geld ab und flüchtete, ehe sich das Opfer schwer verletzt zum Hofheimer Krankenhaus schleppte. Der junge Mann erlitt eine Stichverletzung an der Schulter und eine Gesichtsfraktur und musste eine Woche lang stationär behandelt werden.

Hat Hofheim ein Sicherheitsproblem?

Polizeisprecher Johannes erklärte gestern auf Anfrage, dass sich auf der Suche nach den Tätern "erste Ermittlungsansätze ergeben haben" und die Hofheimer Kripo intensiv an der Sache weiterarbeite. Bei dem Raubüberfall am 13. September seien die Täter ungewöhnlich brutal vorgegangen. Die Ermittler seien inzwischen aber sehr optimistisch, dem Trio zu auf die Spur zu kommen.

Nur zwei Tage vor dem Verbrechen hatte vor einer Bäckerei in der Hauptstraße ein Unbekannter mit den Fäusten auf einen 49-Jährigen eingeschlagen und ihn leicht verletzt. Vorausgegangen war eine verbale Auseinandersetzung.

Gibt es ein Sicherheitsproblem in Hofheim? Die beiden Vorfälle jedenfalls boten Futter für Diskussionen. Rathaussprecherin Iris Bernardelli erklärte dazu nach Rücksprache mit der Verwaltungsspitze: "Sicherlich sind diese Gewalttaten aufgrund ihrer Brutalität und ihres kurzen zeitlichen Abstandes besonders auffällig gewesen. Jedoch sind Angriffe dieser Art die absolute Ausnahme und glücklicherweise keinesfalls typisch für Hofheim." Das lasse sich an der jährlich erscheinenden Kriminalstatistik ablesen, die keinerlei Auffälligkeiten im Vergleich zu anderen Städten vergleichbarer Größe aufweise. Im Gegenteil: Die erfassten Straftaten seien seit Jahren rückläufig. "Hofheim", so heißt es in der offiziellen Stellungnahme aus dem Rathaus, "ist objektiv eine sehr sichere Stadt". Polizeisprecher Johannes Neumann bestätigt diese Einschätzung. De facto gebe es nicht mehr als ein, zwei Fälle schwerwiegender Art im Jahr. Dagegen seien Messerattacken in Frankfurt fast schon an der Tagesordnung.

Nachdem in den sogenannten sozialen Medien bereits über bestimmte Personengruppen, die etwa zwischen Rathaus und Chinon-Center herumlungern, spekuliert worden war, weist Rathaussprecherin Bernardelli pauschale Schuldzuweisungen und Verdächtigungen zurück. "Der Präventionsrat und die Stadt haben keine Erkenntnisse über Gruppen, die als gewalttätig bekannt oder auffällig sind."

Mit Sorge betrachten dennoch einige Hofheimer einen Teil der Klientel, der sich in Wasserpfeifen-Etablissements, Wettbüros und eben auf dem Chinonplatz herumtreibt. In diesem Zusammenhang versichert die Stadt: "Shisha-Bars und Wettbüros unterliegen einer verstärkten Beobachtung und regelmäßigen Kontrolle durch die Landespolizei, unserer Ordnungspolizei sowie durch das Kreisbauamt in Bezug auf Genehmigung im Rahmen des Geschäftsbetriebes."

Johannes Neumann ergänzt, dass die Polizei "pro aktiv" die Lage am Chinon-Center kontrolliere und dabei auch jene Zeitgenossen im Visier habe, die sich schlecht benehmen und über die sich Passanten regelmäßig beschweren.

Abnehmende Verantwortung

Dieser Problematik ist sich auch die Spitze der Hofheimer Stadtverwaltung bewusst. Rathaussprecherin Iris Bernardelli: "Gesellschaftliche Trends können wir leider nicht völlig ausblenden." Dazu zähle eine "gefühlt abnehmende Verantwortung vieler Menschen für den öffentlichen Raum". Eine Kreisstadt von der Größe Hofheims ziehe im übrigen Leute aus dem Umland an, die sich treffen und auch darstellen wollen. Wobei die Form der Selbstdarstellung oft unangenehmer Art ist. Bernardelli: "Gerade in 'Corona-Zeiten' sucht sich der eine oder andere wohl ein Ventil für die erlebten Einschränkungen, was im öffentlichen Raum ausgelebt wird."

Mit den jüngst bekannt gewordenen Gewaltstraftaten dürfte dies, so Hofheims Rathaussprecherin, aber nichts zu tun haben. Kajo Schmidt

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