1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Hofheim

„Mir blutet ja so schon das Herz“: Bekannte Buchhandlung macht dicht

Erstellt:

Von: Barbara Schmidt

Kommentare

Caterin Röser (rechts) und Annegret Weil arbeiten seit mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsam in der Buchhandlung Am Alten Rathaus. Im Sommer soll Schluss sein.
Caterin Röser (rechts) und Annegret Weil arbeiten seit mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsam in der Buchhandlung Am Alten Rathaus. Im Sommer soll Schluss sein. © Knapp

Nach 24 Jahren gibt Caterin Röser ihre Buchhandlung „Am Alten Rathaus“ in Hofheim auf. Ein Nachfolger wird gesucht.

Hofheim – Es ist nicht das Händlersterben und auch nicht die Corona-Pandemie, der viele Inhaber in Hofheims Innenstadt trotzten: Dass Caterin Röser den Entschluss gefasst hat, sich von der "Buchhandlung am Alten Rathaus" zu trennen, ist vielmehr ihrer Gesundheit geschuldet. "Ich muss zumachen, weil ich gesundheitlich einfach nicht mehr in der Lage bin, eine Buchhandlung zu führen", bedauert die Inhaberin, die ursprünglich gedacht hatte: "Ich mach das bis 80 und fall dann mit einem Buch ins Grab." Nun will es das Leben anders, und sie hofft sehr, dass sich jemand findet, der das Ladenlokal im Herzen der Kreisstadt Hofheim weiter für eine Buchhandlung nutzt.

Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Annegret Weil hat Caterin Röser in den vergangenen 24 Jahren für ein ganz eigenes Profil gestanden, das nach ihrer Überzeugung ganz entscheidend dafür ist, um auch in Zeiten der Internet-Konkurrenz als stationäre Buchhandlung zu bestehen. An ihrem ersten gemeinsamen Arbeitsplatz in Hofheim, der einstigen "Hofheimer Bücherstube" in der Burgstraße, haben sich Röser und Weil als Kolleginnen kennen- und schätzen gelernt.

Sitz der „Buchhandlung am Alten Rathaus“ in Hofheim „hat sich so ergeben“

1995 war die aus Dortmund stammende Caterin Röser nach Hofheim gezogen, um hier nach erfolgreicher Buchhändlerlehre ihre erste Stelle anzutreten. In Marburg hatte die Tochter einer Verlagsmitarbeiterin, die sagt, sie sei mit Büchern aufgewachsen, Literaturwissenschaften studiert. Nach einer Erzieherinnenausbildung und einigen Jahren in diesem Beruf fand sie schließlich zurück zu den Büchern. Zunächst habe sie gern Logopädin werden wollen, erzählt Röser, doch das klappte nicht. Eine Bekannte riet ihr dann, eine Buchhändler-Ausbildung zu machen: "Da hast du was fürs Leben."

Nach ein paar Jahren als Angestellte wollte Caterin Röser die Selbstständigkeit. Bundesweit habe sie sich nach einer Möglichkeit umgesehen. Doch dann wurde 1998 das Ladenlokal in dem historischen Gebäude Hauptstraße Nummer 38, einst der "Frankfurter Hof", frei. "Es hat sich so ergeben", sagt die Buchhändlerin im Rückblick.

Buchhandlung in Hofheim: Aus Leidenschaft zur Literatur den Beruf gewählt

Ihre Kollegin Annegret Weil nahm sie als Angestellte mit ins eigene Geschäft. "Literatur", sagt Caterin Röser, sei für sie klar als Schwerpunkt gesetzt gewesen, zum einen aufgrund ihres Studiums, zum anderen aber auch aus persönlicher Leidenschaft. Zum Krimi sei sie erst durch ihre Kunden gekommen, gibt sie lächelnd zu. Und ist heute sogar dankbar dafür, weiß sie doch längst auch dieses Genre zu schätzen.

Annegret Weil, vielen alteingesessenen Hofheimern schon aus der Buchhandlung ihres Vaters Josef Schütz sehr lange ein vertrautes Gesicht in diesem Metier, brachte als zweifache Mutter ihre Expertise im Kinder- und Schulbuchbereich ein. Gemeinsam habe man auch hier immer viel Wert auf "Klassiker" gelegt, sagen beide. Reisebücher sind ein weiterer Schwerpunkt. In den ersten zehn Jahren lud die Buchhandlung zudem regelmäßig zu Lesungen ein. "Da hatten wir auch einige tolle Autoren hier", erinnert sich Röser gern an diese Zeit.

Buchhandlung in Hofheim geht nicht mit jedem Trend

Manchem Trend im Buchhandel hat sie sich bewusst verweigert. Neben Büchern auch Geschenkartikel zu verkaufen etwa, die Erweiterung um den sogenannten "Non-Book"-Bereich, "das passt einfach nicht zu mir", sagt die Westfälin. Das gelte auch für ein Internet-Angebot, wie es viele Buchhandlungen als zusätzliches Standbein aufgebaut haben. Röser setzt vor allem auf kompetente Beratung und weiß, dass ihre Stammkundschaft das schätzt.

"Wir lieben unsere Kunden, und unsere Kunden lieben uns", sagt Annegret Weil, der genauso wie ihrer Chefin viel daran liegt, die Buchhandlung als solche an dieser Stelle zu erhalten. "Mir blutet ja so schon das Herz", bekennt Röser. Ohne Nachfolger zu bleiben, würde den Abschiedsschmerz noch deutlich vergrößern. "Auch bei den Kunden", ist Annegret Weil sicher. "Hofheim ist für Buchhandlungen ein guter Standort", verweist sie darauf, dass hier schon seit 1969 zwei dieser Fachgeschäfte existieren. Da jedes ein eigenes Profil, "seinen Stil" hat, wie Röser formuliert, sei es eher Ergänzung als Konkurrenz. Das sähen nicht nur die Inhaberinnen, sondern auch viele Kunden so. Im Sommer will sie das Geschäft gern an einen neuen Mieter übergeben. Interessenten aus dem Buchhandel gebe es, meint Caterin Röser und sagt zuversichtlich: "Da tut sich was."

Extra: Noch rund 5000 Buchhandlungen wie in Hofheim in Deutschland

Als "einzigartige Verbindung aus Einzelhandel und Kulturinstitution", sieht der Börsenverein als Branchensprecher den stationären Buchhandel. Die rund 5000 Buchhandlungen in Deutschland gelten als wichtiger Baustein, um Innenstädte als attraktive Räume zu erhalten. Austausch, Inspiration und Entschleunigung sollen sie im Idealfall ihren Kunden bieten. Diese unterstützen zunehmend bewusst "ihre" Buchhandlung gegen die Internetkonkurrenz. 2020 setzten die Buchhandlungen als nach wie vor wichtigster Buch-Vertriebsweg rund 3,9 Milliarden Euro um. (babs)

Auch interessant

Kommentare