Symboldbild: Die betroffenen Hofheimer Stadtteile wehren sich gegen die geplante Höchstspannungsleitung Ultranet.
+
Symboldbild: Die betroffenen Hofheimer Stadtteile wehren sich gegen die geplante Höchstspannungsleitung Ultranet.

Ultranet

Umstrittene Stromtrasse: Bürger wollen bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen

  • VonManfred Becht
    schließen

Der Bau der Höchstspannungsleitung Ultranet sorgt in Hofheim für Unmut. Kritiker wollen den Druck auf den Stromnetz-Giganten Amprion und die Bundesnetzagentur erhöhen.

Hofheim - Die Bürgerinitiative gegen den Bau der Höchstspannungsleitung Ultranet glaubt offensichtlich nicht mehr an eine Lösung bei der Planung der Leitung, mit dem man in betroffenen Hofheimer Stadtteilen leben kann. Dazu ist die Kritik an der Vorgehensweise des Bauherren, der Amprion GmbH, und der Genehmigungsbehörde, der Bundesnetzagentur nämlich, zu deutlich und zu grundlegend. Aber die Initiative erhöht den Druck: Notfalls werde man beim Widerstand gegen die Leitung juristisch bis vor den Europäischen Gerichtshof gehen, kündigt BI-Sprecherin Karin Lübbers dieser Zeitung gegenüber an.

Die Situation der Kritiker der Leitung, die Strom vom Niederrhein nach Südwestdeutschland bringen soll, stellt sich derzeit nicht gerade rosig dar. Die vorgeschriebenen Erörterungen im Verfahren zur Festlegung des Trassenkorridors sind abgeschlossen, ohne dass sich nach Wahrnehmung der BI angedeutet hat, dass an irgendeiner Stelle auf die Vorschläge aus Hofheim eingegangen werden soll. Die Entscheidung zur Lage des ein Kilometer breiten Korridors soll bis zum Jahresende fallen, danach beginnt das Planfeststellungsverfahren. Dies endet voraussichtlich mit der Baugenehmigung.

Hofheim: Kritik an geplanter Höchstspannungsleitung – Braunkohlestrom aus dem Rheinland

Und ausgerechnet jetzt ist es mit der gemeinsamen Vorgehensweise der betroffenen Kommunen vorbei - diese Zeitung berichtete bereits. Denn Gegenstand der Erörterung war auch eine Trasse, die aus Niedernhausener Sicht sehr vorteilhaft ist, weil sie in großem Abstand zu den nordöstlichen Wohngebieten der Gemeinde verläuft. Sie bleibt zwar auf Niedernhausener Gebiet, rückt aus Eppsteiner Sicht jedoch zu sehr an den Stadtteil Ehlhalten heran. Die Burgstadt hat bereits deutlich gemacht, dass sie das nicht akzeptieren will.

Zum Glück aus Hofheimer Sicht sind die Interessen von Hofheim und Eppstein wenigstens deckungsgleich - die Trasse soll so verschwenkt werden, dass sie von Bremthal, Wildsachsen und Langenhain ein Stück abrückt. Aus Sicht von BI-Sprecherin Lübbers hat die Amprion aber mit ihrem Vorschlag für Niedernhausen genau das erreicht, was sie wollte, dass die Kommunen sich nämlich nicht einig sind. Damit werde es für das Unternehmen einfacher, seine Lieblingsvariante durchzusetzen - nämlich den Verzicht auf jede Verschwenkung.

Lübbers betont bei der Gelegenheit, dass es der Initiative nicht darum gehe, die Trasse zu verhindern. Nur dürfe sie ebenfalls nicht in einer Entfernung von acht Metern an Wildsächser Schlafzimmern vorbeigeführt werden. Mit ausreichender Entfernung wehre man sich nicht gegen die Trasse, erst recht nicht gegen die Energiewende. Wobei Kritiker den Planern vorwerfen, dass es um die Energiewende gar nicht gehe. Nicht Windstrom von der Nordsee, sondern Braunkohlestrom aus dem Rheinland solle nach Süddeutschland gebracht werden.

Höchstspannungsleitung in Hofheim: Bundesnetzagentur soll Öffentlichkeitsbeteiligung ernst nehmen

Wie dem auch immer sei, Lübbers weist den Vorwurf zurück, die BI verzögere Ultranet und die Energiewende. "Wir wollen die Energiewende und sind gegen den Ausbau", betont sie. In Hessen hätte der Bau der Leitung bereits beginnen können, würde die Bundesnetzagentur die Öffentlichkeitsbeteiligung ernst nehmen und lösungsorientiert arbeiten. Aber die Bundesnetzagentur sei in alten Verhaltensmustern gefangen, die Amprion verzögere "mit ihrer arroganten Haltung" ebenfalls.

Der letzte Erörterungstermin, in dem es um die letzten Vorschläge der Planer nach Sicht der zuvor eingegangen Einwände ging, ist für die BI ein Beispiel dafür. Online sei dieser Termin abgehalten worden - zu einem Zeitpunkt, als es schon wieder große Veranstaltungen gegeben habe. Die Bundesnetzagentur habe das wegen der Pandemie geltende Planungssicherstellungsgesetz genutzt, um die ungeliebte Bürgerbeteiligung zu umgehen, schimpft Lübbers. Die BI habe dann in nur vier Wochen 1000 Seiten Unterlagen sichten müssen.

Die von der Bürgerinitiative und auch der Stadt Hofheim favorisierte Variante sei im Rahmen einer sogenannten Alternativensichtung schon vorher ausgeschlossen und gar nicht mehr zum Gegenstand der Erörterung gemacht worden - aus der Sicht von Lübbers ein Taschenspielertrick. Die von der Bundesnetzagentur favorisierte Variante sei wegen der Nähe zur Wohnbebauung völlig unakzeptabel - eine Einschätzung, die auch ganz offiziell eine Einschätzung der Stadt Hofheim ist. (Manfred Becht)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare