Jahrzehntelang im Einsatz in der Region: Jetzt verschwindet die Bus-Flotte der Firma Sippel vom Markt.
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Jahrzehntelang im Einsatz in der Region: Jetzt verschwindet die Bus-Flotte der Firma Sippel vom Markt.

Wirtschaft

Busunternehmen mit Tradition macht dicht – trotz guter Kundenbewertung

  • VonManfred Becht
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Die traditionsreiche Firma aus Hofheim hat mehrere Ausschreibungen verloren. 200 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen.

Wallau – Keine guten Nachrichten kommen aus dem Gewerbegebiet Wallau: Die Firma Sippel, ein seit mehr als 90 Jahren bestehendes Busunternehmen, stellt den Betrieb ein. Wie das Unternehmen jetzt mitgeteilt hat, soll am Jahresende Schluss sein. Hauptgrund für das Aus sind verlorene Ausschreibungen, aber die Corona-Pandemie wird als zusätzlich erschwerender Faktor genannt. Die Zahl der Beschäftigten wird mit rund 200 angegeben.

Den Ausschlag gegeben hat womöglich zuletzt der Verlust der Schnellbuslinie X17. Wie auch diese Zeitung berichtete, übernimmt die Wefra GbR aus dem Landkreis Gießen im Dezember diese Linie zum Flughafen. Wie aus der Mitteilung von Sippel hervorgeht, wurde auch der Betrieb von Linien in Frankfurt und Wiesbaden verloren.

Busunternehmen Sippel aus Hofheim macht dicht: Ruinöser Preiswettbewerb

Offensichtlich wird in dem Markt mit harten Bandagen gekämpft. "Wir konnten uns in dem aggressiven Preiswettbewerb, der derzeit am Ausschreibungsmarkt herrscht, nicht durchsetzen", erläutert Sippel-Geschäftsführer Frank Silzer. Qualitative Kriterien spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle - vor drei Jahren hatte Sippel bei einer Kundenbefragung in Frankfurt bei den meisten Kriterien die Konkurrenz deutlich hinter sich gelassen.

Eine Rolle gespielt hat aber auch die Corona-Pandemie. Denn das Unternehmen betrieb auch eine Tochterfirma Sippel-Travel GmbH, die im Ausflugs- und Tourismusgeschäft aktiv war. Die Pandemie hat diese Aktivitäten weitestgehend zum Erliegen gebracht. Wie schnell dieses Geschäft wieder auf die Beine kommt, ist ungewiss - für Sippel bietet es jedenfalls keine tragfähige Perspektive.

Sippel aus Hofheim beschäftigt 200 Mitarbeiter: Keine Hilfe von der Netinera-Gruppe

Nach Firmenangaben sind dort zurzeit etwa 200 Mitarbeiter beschäftigt. Zumindest für die Fahrer dürften die Chancen gut sein, einen neuen Job zu bekommen, wenn sich das Verkehrsgeschehen nach der Corona-Pandemie wieder normalisiert. Busfahrer sind so knapp, dass es wegen Personalmangel zu erheblichen Problemen kam, als vor wenigen Jahren auf einigen Strecken im Main-Taunus-Kreis der Betreiber wechselte. Keine Überraschung ist, dass die Wefra-Bus GbR den Fahrern der Schnellbuslinie X17 angeboten hat, im Dezember zu dieser Firma zu wechseln.

Keine Hilfe gibt es für Sippel, 1928 als Familienunternehmen gegründet, auch von der Netinera Deutschland GmbH, zu der Sippel seit Jahren gehört. Die Netinera-Gruppe wiederum gehört der italienischen Staatsbahn Trenitalia. Die Einstellung des Betriebes sei "ein sehr schwerer Schritt für uns, da wir uns der Region und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Sippel sehr verbunden führen", schreibt Sippel-Geschäftsführer Silzer. Für weitere Informationen über die verbreitete Presseerklärung hinaus war er gestern für diese Zeitung nicht zu erreichen. (Manfred Becht)

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