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Die Ordnungspolizei macht jetzt regelmäßig Dienst auf dem Recyclinghof in der Ahornstraße am Ortsrand von Marxheim. Dort gibt es zurzeit Stress mit vielen Nutzern. Foto: Knapp

Chaotische Zustände

Hofheim: Chaos wegen Corona - Erster Stadtrat droht mit Schließung des Wertstoffhofs

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Hofheim: Auf dem Hofheimer Recyclinghof gibt's Riesenandrang und lange Wartezeiten. Bürger beschimpfen seit Wochen Mitarbeiter und Ordnungspolizei. Jetzt platzt dem Ersten Stadtrat Wolfgang Exner langsam der Kragen.

Hofheim - Wolfgang Exner (CDU) hat die Faxen dicke. "Wenn sich das Benehmen der Anlieferer nicht bessert, wird der Wertstoffhof geschlossen", kündigte der Erste Stadtrat und Abfalldezernent an. Die Riesenandrang am Recyclinghof und die Wartezeiten zehren offensichtlich an den Nerven vieler Bürger. Sie halten die Abstandsgebote nicht ein, beschimpfen Mitarbeiter und Ordnungspolizisten. Und das nicht erst seit gestern. Eigentlich setze er alles daran, das Angebot in der Ahornstraße offen zu halten, so Exner, da ansonsten zu befürchten sei, dass der Abfall in Feld, Wald oder Straßengraben entsorgt werde - so, wie schon jetzt privater Restmüll auf Spielplätzen lande. Aber: "Für den Wertstoffhof ist es 5 vor 12", sagt Exner.

Wertstoffhof Hofheim: Ausweiskontrollen sollen Chaos lichten

Um der Lage Herr zu werden, gibt es inzwischen Ausweiskontrollen, weil die Stadt sichergehen will, dass nur Hofheimer Wertstoffe angeliefert werden. Im März und April habe man, so Exner, 128 Tonnen Grünabfälle und 121 Tonnen Bauschutt angenommen - deutlich mehr als im Durchschnitt der Vorjahre. Bis zu 100 Autos pro Stunde seien abgefertigt worden, obwohl nur die Hälfte der Stellplätze auf dem Wertstoffhof zur Verfügung stünden.

"Die Aufrechterhaltung des Betriebs am Wertstoffhof ist in derCorona-Zeit zu einer Herausforderung geworden", ergänzt Rathaussprecherin Iris Bernardelli. Offensichtlich nutzen viele Bürger ihre freie Zeit verstärkt dazu, ihre Wohnungen, Gärten und Keller aufzuräumen, was bei der Anlieferung am Tor zu längeren Schlangen führe. "Dabei benimmt sich mancher Zeitgenosse so, als ob er sich in einem rechtsfreien Raum bewegen würde. Wir haben vergebens gehofft, dass die Situation sich bessert. Die Höflichkeit ist bei vielen Nutzern auf der Strecke geblieben", stellt Exner empört fest, der regelmäßig auf den Wertstoffhof kommt und das "grenzwertige Geschehen" selbst miterlebt.

Bei Beleidigung: Hausverbot für Wertstoffof Hofheim

Die langjährige Mitarbeiterin der Firma Meinhardt, die den Wertstoffhof betreibt, "wird in einer Art und Weise beleidigt, die nicht mehr zumutbar ist", berichtet Exner. Ein Fall war so schlimm, dass sie ein Hausverbot ausgesprochen habe. "Wenn Anlieferer sich weiterhin so verhalten, wird es weitere Hausverbote geben", so Exner. Auch die städtischen Ordnungspolizisten müssen sich verbale Übergriffe anhören. "An dieser Stelle danke ich allen Mitarbeitern, die derzeit nicht nur länger zum Wohle der Anlieferer arbeiten, sondern auch den Druck durch die verbalen Übergriffe aushalten müssen."

Corona sorgt für Chaos - mehr Abfall, weniger Parkplätze

Bedingt durch Corona kommen zwei Stressfaktoren zusammen: Mehr Abfall bei weniger Parkplätzen. Denn wegen der Pandemie und dem gültigen Abstandsgebot musste jeder zweite Parkplatz gesperrt werden, so dass sich weniger Menschen zugleich auf dem Wertstoffhof aufhalten können.

Wegen des riesigen Andrangs wurde bereits kurzfristig auf der Ahornstraße eine dritte Fahrspur als Abbiegespur zum Wertstoffhof geschaffen. Die Öffnungszeiten wurden um sechs Stunden pro Woche erweitert (siehe Info). Überdies sei die städtische Ordnungspolizei an Ort und Stelle. Sie lenkt den Verkehr, damit das Chaos auf der Ahornstraße aufgelöst wird und hat auch ein Auge darauf, dass das Abstandsgebot auf dem Wertstoffhof eingehalten wird - was nicht immer der Fall ist.

Anlieferer sollen Corona-Schutzmaßnahmen einhalten

Exner: Darauf hingewiesen, gebärden sich manche Anlieferer extrem ausfällig und beleidigen ihr Gegenüber mit übelsten Schimpfwörtern. Rücksichtnahme auf andere und der immer noch notwendige Schutz der eigenen Gesundheit und der Gesundheit anderer gingen dabei schnell vergessen.

Exner und Jürgen Willm, Leiter Kommunalvertrieb bei der Firma Meinhardt, appellieren erneut an die Vernunft und den gegenseitigen Respekt der Bürger bei der Nutzung des Wertstoffhofes. Zudem sei man jedem dankbar, der beim Abladen eine Maske trage. 

Die Corona-Krise in Hofheim: Gottesdienste dürfen nur unter strengen Auflagen stattfinden.

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