Ob es auf dem Werksgelände an der Reifenberger Straße nach Abschluss der laufenden Lehrverträge weitergeht, ist offen. Der Kreis ist einziger Auftraggeber für den Signum-Ableger im Hofheimer Norden.
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Ob es auf dem Werksgelände an der Reifenberger Straße nach Abschluss der laufenden Lehrverträge weitergeht, ist offen. Der Kreis ist einziger Auftraggeber für den Signum-Ableger im Hofheimer Norden.

Wirtschaft

Hofheim: "Corona war der letzte Sargnagel"

  • vonBarbara Schmidt
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Der Ausbildungs-Spezialist Signum, der sich um Menschen mit schwierigen Biographien kümmert, ist insolvent. Es gibt aber Hoffnung für den Ableger in Hofheim.

Hofheim. Die Nachricht kam durch einen Eilantrag der Linken in den Kreistag: Die "Signum", seit 15 Jahren Partner der Main-Taunus-Kreises in der außerbetrieblichen Ausbildung für junge Menschen mit schwierigen Biographien, die sie zumeist chancenlos auf dem normalen Arbeitsmarkt machen, ist insolvent.

Betroffen ist davon nach Auskunft des Insolvenzverwalters Dr. Lason Gutsche ganz besonders der Teil des Unternehmens, der in der überbetrieblichen Ausbildung als Partner von industriellen Betrieben tätig war. Dieser Bereich mit Niederlassungen in Essen, Berlin und Hofheim-Diedenbergen sei schon defizitär gewesen, sagt Gutsche. Mit dem Lockdown sei ihm komplett die Puste ausgegangen, denn kein Unternehmen habe mehr seine Azubis geschickt. "Da war Corona der letzte Sargnagel." Für diesen Teil des Unternehmens ist die Insolvenz gleichbedeutend mit dem Aus.

In Hofheim ist es ein wenig anders, denn hier bildet die Signum selbst die jungen Menschen aus, die der Main-Taunus-Kreis vorab für dieses Angebot auswählt. Der Kreis ist einziger Partner - und hat die Arbeit der Signum seit dem Start des ersten Ausbildungsjahrgangs 2005 immer hoch gelobt. Der frühere Sozialdezernent Hans-Jürgen Hielscher (FDP) sprach von einem "Vorzeigeprojekt". Zwischen 70 und 80 Prozent der Azubis schafften bei der Signum einen Abschluss als Elektroanlagenmonteur, Metallbauer, im Verkauf oder im Büromanagement. In den Hoch-Zeiten habe der Kreis der Signum zwischen 60 und 70 Auszubildende pro Jahrgang geschickt, erinnert sich der langjährige Geschäftsführer Tom Windschild. In den vergangenen Jahren waren es in der Regel zwischen 35 und 40 junge Leute, zuletzt waren vor allem Flüchtlinge in die außerbetriebliche Ausbildung geschickt worden.

Der heute zuständige Kreisbeigeordnete Johannes Baron (FDP) beruhigte vor dem Kreistag, mit der Signum bestehe die Übereinkunft, dass alle bestehenden Ausbildungsverhältnisse bis zu deren Abschluss fortgeführt werden sollen. Das bestätigt Insolvenzverwalter Gutsche. Die Gespräche mit dem Kreis seien "sehr vernünftig und sehr konstruktiv" gewesen. Doch auch in Hofheim habe das Unternehmen nicht alle Beschäftigten behalten können. Denn es gibt weniger zu tun. Einige Azubis haben ihre Ausbildung gerade erfolgreich abgeschlossen, ihre Plätze konnten aber nicht wieder besetzt werden. Das zuständige Job-Center habe in diesem Jahr aufgrund der Pandemie die dafür notwendigen Auswahlgespräche nicht führen können, erläuterte Kreisbeigeordneter Baron im Kreistag.

Er versicherte zugleich, der MTK wolle die außerbetriebliche Ausbildung "im Prinzip wieder anbieten" und im nächsten Jahr "wieder ein vernünftiges Programm" haben. Man werde sich für einen weiteren Jahrgang per Ausschreibung "wieder auf die Suche begeben".

Die Signum hofft, dass sie weiter der Partner des Kreises sein kann und es so auf ihrem rund 2500 Quadratmeter großen Werksgelände an der Reifenberger Straße weiter gehen kann. "Wir machen es ja nur für den Kreis und für die Jugendlichen", spricht Insolvenzverwalter Gutsche an, dass hier eine hundertprozentige Abhängigkeit des Unternehmens vom MTK als Auftraggeber besteht, der für die Finanzierung sorgt. Im Moment sei der Fortbestand der Signum in Hofheim gesichert. "Wir hoffen, dass der Kreis uns und damit auch den Auszubildenden die Chance gibt, dieses erfolgreiche Projekt weiterzuführen", sagt der Insolvenzverwalter, der klar macht, dass es zu wenig ist für das Unternehmen, wenn es sich nur noch um die verbliebenen Auszubildenden kümmert. Komme kein neuer Jahrgang nach, "dann trocknet es aus".

Für die Linke im Kreistag sprach Beate Ullrich-Graf an, dass es wegen der Pandemie aktuell noch schwieriger sei, Ausbildungsplätze zu finden. Umso wichtiger sei, dass die außerbetriebliche Ausbildung weiter stattfinden könne. Ihr Antrag, der Kreis solle sicherstellen, dass auch in diesem Jahr schon "eine ähnliche Anzahl an außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen wie 2019 im Kreis zur Verfügung stehen", erhielt allerdings keine Mehrheit. Laut Baron sind aktuell im MTK 4 Prozent mehr Bewerber ohne Ausbildungsplatz als im vergangenen Jahr. Besonders betroffen seien die Berufsgruppen Körperpflege (-22 Prozent) und Speisenzubereitung (-14 Prozent). babs

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