Hier wäre Platz für ein stattliches Mehrfamilienhaus. Den früheren Bolzplatz am Thüringer Weg hatte die Stadt deshalb als Areal für ein Wohnbauprojekt auserkoren und mit Hochdruck den Bebauungsplan geändert - um dann erst mal alles so zu lassen, wie es ist.
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Hier wäre Platz für ein stattliches Mehrfamilienhaus. Den früheren Bolzplatz am Thüringer Weg hatte die Stadt deshalb als Areal für ein Wohnbauprojekt auserkoren und mit Hochdruck den Bebauungsplan geändert - um dann erst mal alles so zu lassen, wie es ist.

Wohnungsbau

Hofheim: Das Bolzplatz-Bauprojekt liegt auf Eis

  • vonBarbara Schmidt
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Eigentlich könnte die stadteigene Wohnungsbau GmbH am Thüringer Weg in Marxheim ein großes Mehrfamilienhaus bauen. Doch es tut sich nichts, obwohl sich die Lage am Wohnungsmarkt nicht verbessert hat. Warum?

Marxheim -Der frühere Bolzplatz am Thüringer Weg gehörte zu den Grundstücken, die 2016 ausgeguckt wurden, um mehr preiswerten Wohnraum unter anderem für Flüchtlinge in Hofheim zu schaffen. Umsetzen sollte die Bebauung die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB). Geworden ist daraus in Marxheim bisher nichts. Doch das Projekt ist keineswegs - anders als an der Kurhausstraße - komplett gekippt, auch wenn es hier wie dort lautstarken Anwohnerprotest gab. Vielmehr sind die Pläne, die die Stadt für das Baugebiet Marxheim II/Römerwiesen hegt, der Grund für die Zurückhaltung. Das hat Bürgermeister Christian Vogt (CDU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft ist, jetzt im Marxheimer Ortsbeirat deutlich gemacht.

Das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan ist zwar abgeschlossen und im Grunde könnte sich die HWB an die Konkretisierung der Planung und die Einreichung einer Baugenehmigung machen. Die Stadt dürfe die Bolzplatz-Bebauung aber nicht isoliert betrachten. "Wir sehen, dass es im Zusammenhang steht mit einer möglichen Entwicklung des Baugebiets Römerwiesen", so Vogt. Hierfür müsse sich aus der Rahmenplanung aber erst ein Bebauungsplan für den Bereich konkretisieren. Das wolle man abwarten und die Umsetzung des Projekts erst dann fortsetzen. "Das heißt nicht, dass die Fläche nie bebaut wird", betonte der Bürgermeister. Aber man wolle hier nichts vorwegnehmen.

Das verwundert schon, denn im Rahmenplan-Entwurf ist nicht erkennbar, dass es hier eine der aktuell für den Bolzplatz vorgesehenen Planung zuwiderlaufende Entwicklung geben soll. Mit den direkten Nachbarn ist geklärt, dass zu deren Grundstücken hin zunächst die Stellplätze angeordnet werden, das Mehrfamilienhaus also weiter von ihren Häusern wegrückt an die jetzige Bebauungsgrenze. Es darf eine Maximalhöhe von 12,50 Meter haben.

So schnell wird wohl kein Bagger rollen

Der Rahmenplan-Entwurf sieht hinter dem jetzigen Bolzplatz entlang der aktuellen Bebauungsgrenze einen Radweg vor, der laut Stadtplaner Torsten Becker auf der Trasse der historischen Elisabethenstraße verlaufen würde. Beckers Entwurf sieht dahinter Reihenhäuser vor. Doch das sind im Grunde nur Gedankenspiele, wie er selbst deutlich gemacht hat. Der Rahmenplan dient vor allem dazu, klarzumachen, wie das Straßen- und Wegenetz verlaufen soll und in welchen Bereichen wie dicht und hoch gebaut werden darf. Daraus ergibt sich, wie groß der Anteil der verbleibenden Grünflächen ist. Außerdem wird festgelegt, ob es sich um reine Wohngebiete oder um Mischgebiete handelt. Erst in den Bebauungsplänen werden dann engere Festsetzungen getroffen.

Will die HWB nun mit der Umsetzung des Wohngebäudes auf dem alten Bolzplatz warten, bis es einen Bebauungsplan für den angrenzenden Bereich gibt, wird so schnell hier kein Bagger rollen. Und das, obwohl die Liste der Wohnungssuchenden bei der städtischen Gesellschaft länger ist denn je. Von 500 wohnungssuchenden Haushalten hatte HWB-Geschäftsführer Norman Diehl bei der Vorstellung des Neubauprojekts am Finanzamt gesprochen, wo 60 Wohnungen entstehen sollen.

Stadtverordneter Armin Thaler (CDU) erinnerte genau daran auch im Ortsbeirat. Nur weil es aktuell weniger Flüchtlinge gebe als vor vier Jahren, als die Bebauung ins Auge gefasst wurde, sei die Wohnungsmarkt-Situation nicht besser geworden. Das Projekt am Thüringer Weg "in Abhängigkeit von den Römerwiesen zu sehen", könne er zudem nicht ganz nachvollziehen.

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Vogt verwies auf das Bauvorhaben der HWB am Finanzamt, das immerhin jetzt "in den Startlöchern" sei. Die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft sei in den vergangenen Jahren von der Stadtverordnetenversammlung stark mit städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen beansprucht worden, erinnerte der Bürgermeister an Projekte vom Bürgerzentrum Marxheim bis hin zum Baukomplex Stadtbücherei/Taunus Sparkasse. Die HWB habe daher "eine klare Priorisierung" von Maßnahmen vorgenommen. Ziel sei, neben Neubauten eigene Areale nachzuverdichten und zu revitalisieren, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Das Projekt im Hofheimer Norden sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn auch sicher ein größerer, befand Thaler. Er mahnte aber: "Wir brauchen weitere." babs

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