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Nur noch den Salat einpacken: Christiane und Ralph Stöckle verkaufen ab nächster Woche, wie alle Restaurants in Deutschland, ihre Speisen nur noch zum Mitnehmen.

Corona

Hofheim: Das Personal in Küche und Service muss wieder in Kurzarbeit

  • vonBarbara Schmidt
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Auch das renommierte Hofheimer Restaurant "Die Scheuer" muss die Kosten wegen der neuen Einschränkungen im nächsten Monat radikal senken. Christiane und Ralph Stöckle setzen wieder auf ihren Abholservice.

Hofheim. -Christiane Stöckle gehört einer Branche an, die der erneute Lockdown trifft. Mit ihrem Mann Ralph führt sie das renommierte Restaurant "Die Scheuer" am Tivertonplatz, ein Familienbetrieb in der zweiten Generation. Der Entschluss von Bund und Ländern, dass die Gastronomie ein zweites Mal in diesem verflixten Pandemie-Jahr 2020 die Türen schließen muss und für vier Wochen keine Gäste mehr bewirten darf, hat Christiane Stöckle nicht überrascht. "Es war ja überall schon davon die Rede", sagt die gelernte Hotelfachfrau. Von der kommenden Woche an - für "Die Scheuer" heißt das, ab Mittwoch, denn montags und dienstags ist Ruhetag - bleibt nur das "Außer-Haus-Geschäft". Das zumindest wollen auch die Stöckles nutzen. "Seit dem ersten Lockdown haben wir einen Abhol-Service. Den werden wir wieder verstärkt anbieten", erläutert die Chefin.

"Nichts in Deutschland ist völlig unbürokratisch"

Gestern Vormittag war sie bereits dabei, die Formulare vorzubereiten, mit denen die nun traditionell besonders gefragte Gans samt Beilagen vorbestellt werden kann. "Wir hätten vier Termine für große Gänse-Essen gehabt, Gans gibt es bei uns zudem natürlich auch zu St. Martin, am 11. November", berichtet Christiane Stöckle.

Das Federvieh stammt aus regionaler Aufzucht. Viel zu verdienen sei an so einem Essen selbst nicht. "Verdienen tun wir, wenn der Gast ein oder zwei Flaschen guten Wein dazu bestellt", sagt die Fachfrau. Wird das Essen abgeholt, fällt das weg. Den Stöckles geht es vor allem darum, die Stammkundschaft zu pflegen, denn die soll ja wiederkommen, wenn es wieder möglich ist.

Dass die Politik am Mittwoch eine klare Entscheidung getroffen hat, findet Christiane Stöckle gut. "Ich möchte einfach wissen, wo ich stehe." Das Personal in Küche und Service müsse sie nun erneut in Kurzarbeit schicken. Denn es gehe jetzt erneut darum, "radikal Kosten zu senken. Das ist das A und O" - und treffe leider an erster Stelle immer das Personal. Was noch zu tun bleibe, werden sie, ihr Mann als Küchenchef und die drei Auszubildenden gemeinsam stemmen.

Dass es einen finanziellen Ausgleich für den Umsatzausfall in Höhe von 75 Prozent des Umsatzes im November 2019 geben soll, kommentiert Christiane Stöckle zurückhaltend. "Das glaube ich, wenn es da ist." Auch die Versicherung, die Hilfe solle "völlig unbürokratisch" erfolgen, hat sie wohl gehört, allein ihr fehlt, mit Goethe gesprochen, der Glaube. "Nichts ist in Deutschland völlig unbürokratisch", ist ihre Erfahrung und es sei ja auch "völlig legitim", wenn Geld nicht ohne die nötigen Angaben und Prüfungen fließe.

Sie sei ein eher positiv denkender Mensch, sagt die Hotelfachfrau. Und sie nehme die Dinge an, wie sie sind. "Was sollen wir denn machen?" Für mögliche Klagen vor Gericht, von denen gleich nach der Lockdown-Ankündigung schnell die Rede war, sei der Hotel- und Gaststättenverband da.

Die Pandemie ist ja im Dezember nicht plötzlich vorbei

Skeptisch ist die Chefin der "Scheuer" noch, was die Dauer des Lockdown angeht. Auch im Dezember sei die Pandemie ja nicht vorbei. Ob sie überhaupt Weihnachtsdekoration bestellen sollte, ist für sie eine der vielen ganz konkreten offenen Fragen. Auch der Gedanke an die vielen Kollegen in der Hofheimer Gastronomie treibt Christiane Stöckle um. "Ich hoffe, dass wir es alle gemeinsam schaffen." Aber wer nicht im Eigentum ist und seine Pacht aufbringen muss, oder wer, wie Stöckles Schwägerin in der Waldgaststätte am Meisterturm, keinen Abholservice anbieten kann, für den wird das Überleben noch einmal deutlich schwerer.

Mit der Verkündigung der Gaststätten-Schließung sind bei der "Scheuer" übrigens die Tischreservierungen für das bevorstehende Wochenende, an dem noch geöffnet sein darf, schlagartig in die Höhe geschnellt, wie Christiane Stöckle noch berichtet. "Offenbar wollen jetzt alle unbedingt noch mal essen gehen, bevor wir schließen müssen." babs

Gaststättenverband prüft juristische Schritte

Die Nachricht über die erneute Schließungsverfügung hat bei Wolfgang Bender das Telefon nicht mehr stillstehen lassen. Bender, selbst Gastwirt in Hornau, ist Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DeHoga) im Main-Taunus. "Uns trifft es zum zweiten Mal", muss er feststellen, da sei der Gesprächsbedarf hoch. "Es herrscht große Unsicherheit." Der Geschäftsführer des Landesverbands prüfe nun juristische Schritte. Auch mit ihm sei er ständig im Kontakt. Die Ankündigung, dass die Branche entschädigt werden soll, sieht Bender positiv. "Das ist das, was die Betriebe noch überleben lässt - vielleicht", sagt der Kelkheimer. "Sehr entscheidend" sei, dass die Hilfe schnell komme. Viele Kollegen hätten viel Geld ausgegeben, um ihre Gäste überhaupt noch bewirten zu können, weiß der Verbands-Vertreter. "Das verpufft jetzt". Die Devise sei nun: "Wir halten den Kopf hoch - und hoffen, die Kunden bleiben uns treu." babs

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