Wirkt schon recht entspannt: Auch Kreisschülersprecher Jonathan Droste hat die schriftlichen Abiturarbeiten hinter sich - er macht sein Abi an der Montessorischule in Marxheim.
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Wirkt schon recht entspannt: Auch Kreisschülersprecher Jonathan Droste hat die schriftlichen Abiturarbeiten hinter sich - er macht sein Abi an der Montessorischule in Marxheim.

Schule

Hofheim: "Das war ein ganz reguläres Abitur"

  • vonBarbara Schmidt
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Allen Unkenrufen zum Trotz: Das zweite Abi unter Corona-Bedingungen lief offensichtlich ziemlich gut. Die Klausuren sind geschrieben, auch Kreisschülersprecher Jonathan Droste fand alles okay.

Hofheim . Es wurde schon als "Corona-Abi" diffamiert, und seine Verschiebung war in der Diskussion. Nach dem Ende der schriftlichen Prüfungen sieht die Zwischenbilanz aber gar nicht so schlecht aus. Zumindest die Chefin von Hofheims Gymnasium, der Main-Taunus-Schule (MTS), und der Kreisschülersprecher, zugleich Abiturient an der Hofheimer Montessori-Schule, sagen unisono: "Das war ein ganz reguläres Abitur."

Sabine Buse-Stephan hat den Vergleich, denn die Direktorin der MTS ist schon lange Jahre in leitender Position in den Abitur-Betrieb involviert. Dass die rund 140 Schülerinnen und Schüler, die diesmal für die Reifeprüfung gepaukt haben, trotz Pandemie die ganze Zeit Präsenz-Unterricht hatten, gehört für Buse-Stephan zu den Punkten, die sie sagen lassen, dass auch dieser MTS-Abiturjahrgang gut vorbereitet gewesen sei auf die Prüfungen.

"Gut gelaufen" seien auch die Klausuren, die vom 21. April bis zum 5. Mai landesweit abgehalten wurden. Als "positiv" bewertet Buse-Stephan die Entscheidung des Kultusministeriums, den Lehrern ausnahmsweise vier statt der gewöhnlich drei Auswahlthemen an die Hand zu geben. Das habe doch im ein oder anderen Fach ermöglicht, Themen auszusortieren, die nicht verpflichtend zu behandeln oder ein wenig zu kurz gekommen waren.

Lieber mit Maske schreiben

"Schaffbar und machbar" seien die Aufgaben insgesamt gewesen, so der Eindruck an der MTS. "Die Schüler waren entsprechend aufgeräumt", hat die Schulleiterin beobachtet.

Das kann auch Abiturient und Kreisschülersprecher Jonathan Droste bestätigen. Zur Vorbereitung wurden an seiner Schule auch Abi-Klausuren aus den Vorjahren angeschaut. "Sie waren vergleichbar schwer", ist Jonathans Eindruck. In seinem Leistungskurs-Fach Physik fand er allerdings die zu bewältigenden Aufgaben für die zur Verfügung stehende Zeit etwas zu umfangreich. Ganz entspannt hat er dagegen seine Englisch-Klausur im Grundkurs angehen können.

Von der Möglichkeit, sich morgens in der Schule testen zu lassen, um die Klausur ohne Maske schreiben zu dürfen, sei nur ganz wenig Gebrauch gemacht worden, sagt Buse-Stephan. Das kann Jonathan Droste bestätigen. Die Erklärung: Ein positiver Schnelltest wäre gleichbedeutend mit einem Ausschluss von der Klausur gewesen. "Da war klar, dass sie lieber mit Maske schreiben", sagt die Direktorin.

Abiturient Jonathan hat selbst schon bei einem Test daheim erlebt, dass dieser falsch-positiv war. Nach dieser Erfahrung war für ihn klar: Dieses Risiko wollte er im Abi auf keinen Fall eingehen.

Hoffnung auf die Abi-Feier

"Wir haben uns alle zu Hause morgens selbst getestet und lieber mit Maske geschrieben", erzählt er. Der 18-Jährige weiß zudem, dass er und seine Mitschüler in den Wochen vor den Prüfungen ganz besonders vorsichtig waren, um sich ja nicht noch eine Corona-Infektion zu holen. Insofern fand er es auch fair und rücksichtsvoll, dass die Klassen 7 bis 10 erst nach dem schriftlichen Abitur wieder in die Schulen zurückkehren dürfen - erstmals seit Weihnachten. Sie haben seit gestern auch die Räume, die vorher die Abiturienten nutzten, für den Wechselunterricht zur Verfügung.

Nach den schriftlichen stehen nun noch die Nachschreib-Termine und die Präsentationen sowie mündlichen Prüfungen an. Wie dann das Abi 2021 gefeiert werden kann, ist derzeit noch unklar. Das gilt für MTS und Montessori-Schule, aber wohl auch für die beruflichen Gymnasien in Hofheim und Kriftel. Die früher üblichen Partys schon nach dem Schriftlichen gab es, wie schon im Vorjahr, auch diesmal nicht.

Mindestens eine feierliche Zeugnis-Überreichung, notfalls in mehreren Gruppen wie 2020, werde es wieder geben, sagt Buse-Stephan. Noch hat die MTS die Hoffnung nicht aufgegeben, eine Abitur-Feier mit allen rund 140 Abiturienten in der Hofheimer Stadthalle durchführen zu können. "Die Inzidenzen fallen ja gerade", sieht die Schulleiterin dafür zumindest noch nicht ganz schwarz. Klappt es nicht, werde man eben wieder an die frische Luft gehen.

Auf eine Feier, wie auch immer sie aussieht, freut sich auch Jonathan Droste, der hofft, dass in seinem Jahrgang niemand die Erfahrung machen muss, dass er gesagt bekommt: "Ach, das ist ja nur ein Corona-Abi." Denn der junge Mann ist sicher: "Es ist vollkommen gleichwertig."

MTS: Umzug in Container

An der Main-Taunus-Schule ist derzeit neben dem Abitur noch ein zweites Thema zentral: Das Gymnasium ist Baustelle. Die Verwaltung ist nach den Osterferien bereits in die neuen Container umgezogen, weil der Trakt, in dem sie untergebracht war, abgerissen wird. Klar, dass das auch Lärm macht. Für das Abitur habe es aber eine Bau-Pause gegeben, sagt Schulleiterin Sabine Buse-Stephan. Vor den Sommerferien wird nach der Verwaltung auch der Schulbetrieb aus dem Hauptgebäude komplett in die Container umziehen. Nur der 90er-Jahre-Bau kann weiter ganz normal genutzt werden. Das Hauptgebäude wird entkernt und komplett saniert. Die Gesamtmaßnahme, die der Schule auch einen Neubau unter anderem mit der lange ersehnten Aula bringt, ist mit 63 Millionen Euro die teuerste, die der Kreis im Rahmen seines Schulbauprogramms bisher in Angriff genommen hat. Auf die Anmeldezahlen für die fünften Klassen hat die Vorstellung, in den kommenden drei Schuljahren in eine Container-Schule zu gehen, übrigens nicht negativ durchgeschlagen. "Es waren mehr denn je", sagt Schulleiterin Buse-Stephan. babs

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