Kein Fall für einen Schönheitspreis, weshalb der Hallenkomplex mit den schwarzen Quadern im Hintergrund perspektivisch recht niedlich ausfällt. Bis zu 18 Meter hoch soll das Rechenzentrum werden.
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Kein Fall für einen Schönheitspreis, weshalb der Hallenkomplex mit den schwarzen Quadern im Hintergrund perspektivisch recht niedlich ausfällt. Bis zu 18 Meter hoch soll das Rechenzentrum werden.

Wirtschaft

Hofheim: Datacenter am Umspannwerk - Süwag investiert 90 Millionen Euro

  • VonManfred Becht
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Der Stromversorger steigt in das Geschäft mit Rechenzentren ein. Auch die Stadt Hofheim verspricht sich Vorteile.

Marxheim -Der Plan ist noch keine 24 Stunden öffentlich, und schon ist klar, dass er nicht einvernehmlich umgesetzt werden kann. "Der Standort ist wie gemalt", sagt Jens Omer, bei der Süwag für die Immobilienentwicklung zuständig, über das Gelände am Umspannwerk zwischen Marxheim und Weilbach. Dort möchte das Unternehmen ein Rechenzentrum bauen. Der Standort sei falsch, sagen dagegen die Linken, die als erste auf das Vorhaben reagiert haben.

Wie auch immer, die Beteiligten betreten Neuland. Die Süwag möchte in Marxheim in das Geschäft mit den Rechenzentren einsteigen. Es handele sich um einen stark wachsenden Markt in der Region, so Süwag-Vorstandsmitglied Markus Coenen. Sein Unternehmen möchte sich von diesem Kuchen ein Stück sichern, und wenn der Plan aufgeht, mit weiteren Projekten in diesem Markt expandieren. Man werde mit einem kompetenten Partner, der noch nicht feststehe, ein gemeinsames Unternehmen für Bau und Betrieb des Datacenters gründen.

Diese Konstellation bedeutet nicht nur, dass der Stromversorger sich Sachkunde ins Haus holt und das Investitionsrisiko aufteilt. Außerdem soll der Firmensitz des Unternehmens in Hofheim sein, und das bedeutet, dass die zu zahlende Gewerbesteuer komplett im Hofheimer Rathaus landet. Bürgermeister Christian Vogt (CDU) stellte das Vorhaben auch ausdrücklich in diesen Zusammenhang. Die finanzielle Situation der Stadt sei durch die Corona-Pandemie schwieriger geworden, und es gelte, durch die Ansiedlung neuer Firmen weitere Einnahmen zu erschließen.

Bevor Geld eingenommen werden kann, muss erst einmal welches ausgegeben werden. Auf 90 Millionen Euro schätzt die Süwag die Investitionskosten. Dafür soll ein mehrteiliger, bis 18 Meter hoher Gebäudekomplex auf dem 11 000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. Nicht in einem Zug, sondern nach und nach, je nach Nachfrage.

Dass es die gibt, davon ist die Süwag überzeugt. Im ersten Schritt möchte das Unternehmen anderen Firmen anbieten, in dem speziell dafür konzipierten Gebäude Serveranlagen unterzubringen. Später sei vorstellbar, dass auch selbst Speicherkapazitäten installiert und angeboten werden. Mit potenziellen Kunden zu sprechen, das habe zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Zweck, so Coenen. Wer solche Kapazitäten suche, der brauche sie gleich und nicht in zweieinhalb Jahren.

So lange nämlich dauert es noch, bis das Gebäude steht, und das auch nur, wenn alles reibungslos klappt. Zunächst einmal muss das Planungsrecht her, ohne das es keine Baugenehmigung geben kann. Erster Schritt ist die Änderung des Regionalen Flächennutzungsplanes - nach den Worten von Bürgermeister Vogt haben die Zuständigen dort signalisiert, dass sie dem Vorhaben keine Steine in den Weg legen wollen.

Den entsprechenden Antrag sollen die Stadtverordneten bereits in ihrer nächsten Sitzung beschließen. Außerdem muss parallel ein Bebauungsplan aufgestellt werden; auch dafür soll der Startschuss demnächst fallen. Möglich wäre das in der Stadtverordnetenversammlung am 15. September.

Dass es eine einmütige Zustimmung gibt, ist schon jetzt ausgeschlossen. Denn die Linken haben gestern wissen lassen, dass sie den Standort ablehnen. Ein Rechenzentrum gehöre näher an besiedelte Flächen, damit die Abwärme genutzt werden könne, so Linken-Sprecher Bernd Hausmann. Die Fraktion werde daher beantragen, dass das Rechenzentrum näher an das Baugebiet Römerwiesen rücke.

Warum ist für die Süwag dagegen der Standort optimal? Erstens gibt es über das firmeneigene Umspannwerk gleich nebenan eine gesicherte Stromversorgung. Zweitens sei der Standort durch die Nähe der Autobahn und den kurzen Weg zum Flughafen gut erschlossen. Drittens gebe es in geringer Entfernung drei sogenannte Provider, über die man eine Verbindung zum weltgrößten Internetknoten in Frankfurt bekommt. Wobei die Süwag anstrebt, eine Direktverbindung zu diesem Knotenpunkt namens DE-CIX zu bekommen.

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