Gut zu erkennen: Die neuen Elektrobusse haben den blauen Umweltengel an der Front, sind teilweise grün lackiert und haben ein große E-Kabel-Logo. Stolze 620 000 Euro kostet ein solches Fahrzeug. Ein dieselbetriebener Bus ist für 210 000 Euro zu haben.
+
Gut zu erkennen: Die neuen Elektrobusse haben den blauen Umweltengel an der Front, sind teilweise grün lackiert und haben ein große E-Kabel-Logo. Stolze 620 000 Euro kostet ein solches Fahrzeug. Ein dieselbetriebener Bus ist für 210 000 Euro zu haben.

Verkehr

Hofheim: Der Start ins Elektrobus-Zeitalter

  • VonManfred Becht
    schließen

Die ersten drei E-Fahrzeuge kommen in Hofheim zum Einsatz. Es gibt noch viele Fragezeichen, auch was die Kosten angeht.

Hofheim -Auf der Buslinie 403 beginnt heute im Busverkehr im Main-Taunus-Kreis das Elektrozeitalter. Es ist nämlich vor allem diese Strecke des Hofheimer Stadtbusverkehrs, auf der die drei ersten Elektrobusse im Zuständigkeitsbereich der Main-Taunus-Verkehrs GmbH (MTV) von heute an eingesetzt werden. Am Dienstag wurden die drei Fahrzeuge vorgestellt.

Äußerlich, aber auch im Innern, unterscheiden sich die Busse kaum von den dieselgetriebenen Modellen, erläutert Roland Schmidt, Geschäftsführer der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft. Damit die Passanten überhaupt einen Unterschied wahrnehmen, wurden sonst graue Flächen der Karosserie grün lackiert. Als Passagier bemerkt man den Unterschied schon eher - das gesamte Fahrverhalten ruhiger, der Antrieb leiser.

Emissionsfrei sind die Busse überdies, und darum geht es vor allem. Der Verkehr mache in Hessen fast die Hälfte des Energieverbrauchs aus, weiß Karsten McGovern, Geschäftsführer der Landesenergieagentur Hessen. Daran habe der Flughafen einen großen Anteil, aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel auf der Straße fallen ins Gewicht. Deshalb fördere das Land die Umstellung auf Elektrofahrzeuge.

Und diese Unterstützung fällt ebenfalls ins Gewicht. 620 000 Euro kostet ein elektrischer Bus, die dieselgetriebene Variante sei für 210 000 Euro zu haben, berichtet Veit Salzmann, Geschäftsführer der Hessischen Landesbahn, die im Auftrag der MTV auch den Hofheimer Stadtbus betreibt und daher die Busse angeschafft hat. Die Differenz beträgt also etwas mehr als 400 000 Euro, davon kommen 40 Prozent aus dem Landeshaushalt. Das bedeutet, dass die MTV rund 250 000 Euro pro Bus dazugeben muss - das sind Steuermittel.

Damit steht fest, dass der Kreis und die Kommunen noch eine gewaltige Aufgabe vor sich haben. Rund 100 Busse werden im Kreisgebiet eingesetzt, berichtet Johannes Baron (FDP), Verkehrsdezernent des Main-Taunus-Kreises. Da können die drei jetzt beschafften Fahrzeuge nur ein Anfang sein. Und bei den 100 Bussen sind die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund betriebenen Schnellbusse noch gar nicht eingerechnet.

Die drei ersten Busse dienen daher auch dazu, Erfahrungen zu gewinnen, die beim Ausbau der Elektrobusflotte genutzt werden können. Gespannt sind die Verkehrsplaner zum Beispiel darauf, welche Betriebskosten die neuen Fahrzeuge im Vergleich zu den dieselgetriebenen Modellen verursachen. Erfahrungen anderer Betreiber sind dabei kaum aussagekräftig.

Die öffentlichen Verkehrsmittel würden immer von der Stadt her gedacht, erläutert Verkehrsdezernent Baron nämlich. Was er auch meint ist, dass die Busse es in den Städten mit längeren Steilstrecken kaum zu tun bekommen. Die Verkehrswende müsse aber auch im ländlichen Raum stattfinden - die Busse müssen also in bergigem Gelände zurechtkommen. Und genau deshalb wurde die Linie 403 für die Elektrobusse ausgewählt - denn sie bedient die hoch gelegenen Hofheimer Stadtteile Langenhain und Wildsachsen.

"Das Hofheimer Stadtbusnetz ist gut geeignet für diesen Test", ist auch Wolfgang Exner, Erster Stadtrat der Kreisstadt überzeugt. Damit meint er nicht nur die bergige Topographie, sondern auch die gute Auslastung des Angebotes. "Wir reden dann darüber, wie es weitergeht", sagt der CDU-Politiker, der als Vertreter einer Kommune auch die Finanzen im Blick behalten muss. Hofheim gebe jährlich immerhin einen siebenstelligen Betrag für die öffentlichen Verkehrsmittel aus. An der Notwendigkeit einer Verkehrswende hat er aber auch keinen Zweifel.

Erheblich investieren muss aber auch die Hessische Landesbahn als das Unternehmen, das viele Buslinien betreibt. Die Busse werden derzeit noch mit einer kleinen, mobilen Ladestation mit Strom versorgt, was aber lange dauert. Im Laufe des Winters wird ein neuer Transformator installiert, und selbst dann wird es noch fünf Stunden dauern, bis die Batterie im Bus wieder voll ist. Für die tägliche Leistung von bis zu 280 Kilometern reicht das aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare