Petra Hückel verabschiedet sich in diesen Tagen aus dem Hofheimer Rathaus, wo sie seit 1983 gearbeitet hat.
+
Petra Hückel verabschiedet sich in diesen Tagen aus dem Hofheimer Rathaus, wo sie seit 1983 gearbeitet hat.

Porträt

Hofheim: Die Bürgerbüro-Pionierin

  • VonBarbara Schmidt
    schließen

Sie hat 25 Jahre lang Hessens erstes Bürgerbüro geleitet. Jetzt geht Petra Hückel in den Ruhestand.

Hofheim -Im ersten hessischen Bürgerbüro war sie ein Vierteljahrhundert die Chefin: Petra Hückel hat also wahrhaft Pionierarbeit geleistet, nicht nur für das Hofheimer Rathaus. Gerade verabschiedet sich die 62-Jährige ganz leise aus dem Dienst in Richtung Ruhestand. Für die Kreisstadt ist dies nach dem Wechsel an der Spitze des Stadtmuseums jetzt eine weitere personelle Zäsur.

Noch gut erinnert sich Petra Hückel an die aufregenden Zeiten, als das damals erst zweite Bürgerbüro Deutschlands an den Start gehen sollte. Bis 1994 war es im Rathaus, damals unter Bürgermeister Rolf Felix, konzipiert worden. Dann konnten sich die Verwaltungsmitarbeiter auf die interne Ausschreibung für einen Job "direkt an der Front", im unmittelbaren Umgang mit dem Bürger, bewerben. "Das lief über ein Assessment-Center", berichtet Hückel und fügt lächelnd hinzu, "damals wussten wir alle noch gar nicht, was das ist". Im Nachhinein findet sie diese Art des Auswahlverfahrens durch Externe richtig gut, denn herausgekommen sei tatsächlich ein Team, das genau das mitbrachte, was für die neue Aufgabe gebraucht wurde: Den Willen, sich in immer neue Aufgaben einzuarbeiten und Freude am Umgang mit Menschen. Interessant: Ausgewählt hatten die Experten lauter Frauen - was Bürgermeister Felix nicht ganz geheuer gewesen sei, erinnert sich Petra Hückel. Felix habe einen "Zickenkrieg" gefürchtet, wenn er gleich eine der Damen zur Chefin küren würde - und daher erst einmal einen Mann, einen Mitarbeiter aus der Personalabteilung, als kommissarischen Leiter berufen.

"Es lief dann aber so gut, dass die Leitungsstelle ausgeschrieben wurde. Darauf habe ich mich dann beworben", erzählt die gebürtige Würzburgerin Hückel. Weil Ehemann Thomas nach dem Studium in Frankfurt eine Stelle bekam, ist auch sie 1983 von Franken ins Rhein-Main-Gebiet gekommen und hat die in Würzburg begonnene Verwaltungslaufbahn im Beamtenverhältnis in Hofheim fortgesetzt. Als Personalsachbearbeiterin hat sie im Zuständigkeitsbereich von Hauptamtsleiter Bernhard Racky angefangen, nach der Familienpause hatte die Mutter eines Sohnes in der Organisation des Hauptamts eher mit, wie sie sagt, "so Trockenfutter" wie Verwaltungsgliederung oder Stadtplanung zu tun. Weil sie immer gern mit Menschen Kontakt hatte, griff sie zu, als sich die Chance bot, ins neue Bürgerbüro zu wechseln.

Die Idee, eine einzige Anlaufstelle für alle möglichen Verwaltungs-Dinge, die Bürger ins Rathaus führen könnten, einzurichten, die dazu auch noch bis in den Abend und samstags geöffnet sein sollte, war damals revolutionär. Und interessierte von Anfang an nicht nur die Medien, sondern auch viele andere öffentliche Verwaltungen. "Alle Kommunen aus dem Main-Taunus waren bei uns, auch der Kreis wegen der Zulassungsstelle", erinnert sich Petra Hückel. Sogar eine chinesische Delegation durfte sie mal in die Grundsätze und Strukturen der Bürgerbüro-Arbeit einweihen. Als Ausweis ihrer Dankbarkeit überreichten die Chinesen ein silbernes Reh. "Reh bringt Glück", habe es geheißen, erinnert sich Hückel schmunzelnd. Und verrät, dass das Tier bis heute einen Ehrenplatz auf dem Tresor habe.

Für die rasche Erstellung von Ersatz-Reisepässen ist das Hofheimer Bürgerbüro selbst am Frankfurter Flughafen ein Begriff. "Die Leitstelle hat auch eine Notfall-Nummer von uns", sagt Petra Hückel. 15 Kolleginnen arbeiten heute im Bürgerbüro, das nach und nach immer mehr Service-Dienste der Verwaltung in seine Verantwortung übernommen hat. "Zweierlei geht bei uns nicht: Man kann hier keine ruhige Kugel schieben - und man wird nie zum Fachidioten", sagt Hückel. Aus Kostengründen wurden allerdings die Öffnungszeiten (ursprünglich: montags bis freitags 7 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 12 Uhr) ein wenig eingedampft.

Zum Ende ihres Berufslebens hat Petra Hückel mit der Pandemie noch einmal eine besondere Herausforderung meistern müssen. Sie spricht von Beschimpfungen und "Telefonterror", die das Bürgerbüro-Team an seine Grenzen geführt hätten. Mit der Einführung von Terminvereinbarungen ist die Beruhigung gelungen. So kann die Chefin gut loslassen - und sich freuen auf künftig nur noch selbstbestimmte Zeit. babs

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare