Mitglieder des Caritasrats: Barbara Steinbrinker, Dr.Peter Waldbach, Bettina Lassak, Dr. Ruth Neuhaus, Dr. Johannes Fritz, Bernd Jung, Pfarrer Josef A. Peters, Siglinde Wicklein, Joachim Kahle, Torsten Gunnemann und Jutta Blennemann (von oben nach unten und von
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Mitglieder des Caritasrats: Barbara Steinbrinker, Dr.Peter Waldbach, Bettina Lassak, Dr. Ruth Neuhaus, Dr. Johannes Fritz, Bernd Jung, Pfarrer Josef A. Peters, Siglinde Wicklein, Joachim Kahle, Torsten Gunnemann und Jutta Blennemann (von oben nach unten und von

Soziales

Hofheim: Die Caritas war auch im Corona-Jahr gefragt

  • VonBarbara Schmidt
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Das Bistum Limburg hat die Familienberatung unterstützt - Allein das Sozialbüro leistete 1398 Beratungen.

Hofheim -Die gute Nachricht: Auch wenn 2020 kein leichtes Jahr für soziale Träger war, sieht sich der Caritasverband Main-Taunus auf "soliden finanziellen Beinen." Die Nachfrage nach Beratung war trotz aller Corona-Einschränkungen unverändert hoch. "Bis auf den Anziehpunkt, der natürlich geschlossen werden musste, waren auch im Lockdown alle Dienste und Einrichtungen offen", betont Caritas-Geschäftsführer Torsten Gunnemann.

Wellenförmig ist die Kurve, die zeigt, wie die Ehe-, Familien- und Paarberatung in Anspruch genommen wurde. Nach Lockdown-Phasen ging die Nachfrage deutlich nach oben, zeigt Gunnemann. "Das Problem: Wir konnten nicht plötzlich die Termine deutlich ausweiten". Unterstützung kam aus Limburg. Das Bistum stellte über den Corona-Hilfsfond 35 000 Euro zusätzlich zur Verfügung, mit denen dann Honorarkräfte in der Beratung verstärkend eingesetzt werden konnten. Für Gunnemann ein gutes Zeichen der Solidarität mit denen, die unter den Corona-Vorgaben aufgrund beengter Wohnverhältnisse oder anderer Probleme in den Familien ganz besonders gelitten haben. "Kirche macht da auch was."

Das gilt auch für das Sozialbüro, das vom Caritasverband getragen wird, aber ein Beispiel für das Zusammenspiel verschiedener sozialer Träger im Kreis ist. Finanziell helfen der Main-Taunus-Kreis und einige der 12 Kommunen im MTK. Gunnemann ist dankbar für jede dieser "freiwilligen Leistungen", macht aber deutlich, dass ja auch alle profitieren, weil sie selbst so weniger Beratung leisten müssen. Daher wünscht sich der Caritas-Chef, der seit kurzem auch Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände im Kreis ist, dass sich noch mehr Städte und Gemeinden entschließen würden, das Sozialbüro finanziell zu unterstützen. Profitieren würden nachweisbar alle, sagt Gunnemann, denn die Klienten kämen aus allen Orten im Kreis. Und er macht klar: "Es geht nicht um Riesensummen. Wenn nur jede Kommune 3000 bis 4000 Euro geben würde, das wäre schon genug."

1398 Beratungen wurden im Sozialbüro an den Standorten Hofheim und Eschborn persönlich oder telefonisch insgesamt im Jahr 2020 durchgeführt. Zum Vergleich: 2014 wies die Statistik 1700 Beratungen aus. Besonderer Schwerpunkt waren laut Gunnemann Fragen der Existenzsicherung bei Langzeitarbeitslosen (380 Gespräche). Auch das Thema Wohnen/Vermeidung von Obdachlosigkeit ist nach wie vor etwas, was viele Klienten in die Beratung treibt, 417 mal ging es 2020 um damit zusammenhängende Fragen. Die Asylverfahrensberatung wurde 151 mal in Anspruch genommen.

Neben den Beratungsangeboten ist die Caritas Träger zahlreicher weiterer sozialer Dienste und Einrichtungen. Immer wichtiger werde die Gemeinwesenarbeit. "Sie ergänzt die Arbeit unserer Gemeindecaritas", sagt Gunnemann. Die "Familie Nord", die im Rahmen der "Sozialen Stadt Hofheim Nord" entstanden ist, war eines der ersten Angebote in diesem Bereich, mittlerweile ist sie längst etabliert.

Erstmals soll nun in Hattersheim-Okriftel eine Sozialarbeiterstelle geschaffen werden, die direkt an das Pastoralteam der katholischen Pfarrei St. Martinus angebunden ist, das bislang ausschließlich aus Theologen besteht. "Damit bekommen wir das erste multiprofessionelle Team im Main-Taunus", freut sich Gunnemann.

Auch die Tafeln waren im Corona-Jahr 2020 stark gefragt. Für den Caritas-Geschäftsführer ist es aber nach wie vor "sozialpolitisch der Skandal, dass es Tafeln im reichen Main-Taunus geben muss." Dass hier wie an vielen anderen Stellen Kirche, auch wenn sie intern mit einigen Problemen zu kämpfen hat, unbedingt auch künftig ihren Teil dazu tun muss, dass die Gesellschaft nicht weiter auseinanderdriftet, ist für ihn keine Frage. Das Caritas-Motto: "#das machen wir gemeinsam" nennt Gunnemann da ein gutes Leitmotiv.

Sich auch politisch einzumischen in diesem Sinne, bleibe wichtig, verweist er noch auf das "Ökumenische Hearing zur Bundestagswahl", bei dem der Caritasverband Mitveranstalter ist. Sechs der neun Direktkandidaten im Wahlkreis 181 soll am 14. September von 19.30 Uhr an in der Hofheimer Stadthalle von Moderator und Publikum auf den Zahn gefühlt werden. Und nicht nur Torsten Gunnemann hofft, dass die Podiumsdiskussion nicht als digitales Angebot sondern tatsächlich live über die Bühne gehen kann.

Der Verband bekommt jetzt einen Aufsichtsrat

Der Caritasverband Main-Taunus e.V. hat sich eine neue Satzung gegeben und folgt damit Vorgaben des Bistums Limburg. Mehr Klarheit in den Zuständigkeiten sei das Ziel, sagt Torsten Gunnemann. Er selbst, der bisher Geschäftsführer war, wird laut Satzung nun Vorstand des als Verein geführten Verbandes, zuständig für das operative Geschäft. Die Aufsicht darüber führt nach seiner Konstituierung der Caritas-Aufsichtsrat, der ehrenamtlich arbeitet. Mitglieder sind Bezirksdekan Pfarrer Klaus Waldeck, Dr. Kordula Oberklus, Dr. Ruth Mühlhaus, Herbert Apweiler, Dr. Johannes Fritz, Hans-Joachim Kahle, Barbara Steinbrinker und Dr. Peter Waldbach.

Bisher wurde der Verband insgesamt vom Caritas-Rat geleitet, dem auch der Geschäftsführer angehörte. Bezirksdekan Klaus Waldeck dankte allen ehrenamtlichen Mitgliedern des Rates für ihre jahrelange Arbeit. Für alle gab es ein Geschenk, für den bisherigen Vorsitzenden Pfarrer Josef A. Peters zudem das Ehrenzeichen in Gold des Deutschen Caritasverbands.

Die neue Zuordnung sei klarer und ermögliche eine Professionalisierung der Aufsicht, erläutert Gunnemann. Da dem Aufsichtsrat zwar kompetente Fachleute angehörten, die aber zugleich ehrenamtlich in ihren Kirchengemeinden oder in anderen Institutionen engagiert seien, bleibe der Bezug zur Basis auch in der neuen Struktur ganz sicher erhalten.

Eine Aufwertung sieht er auch für die Mitgliederversammlung. Diese beschließt den Jahresabschluss, die Entlastung des Vorstands und den Haushalt. Dessen Umfang liegt laut Gunnemann derzeit bei rund 10 Millionen Euro. Der Verband ist in den vergangenen fünf Jahren weiter gewachsen, was entsprechend für die Mitarbeiterzahl gilt, die von 200 auf 250 aufgestockt wurde. babs

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