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Mit einem dezenten Brummen verrichten in der Elisabethenschule die soeben installierten Luftreiniger ihre Arbeit.

Schule

Hofheim: Die Elisabethenschule hat die Nase vorn

  • vonBarbara Schmidt
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Davon träumen öffentliche Schulen: Die private Realschule hat WLAN und Luftreiniger in jedem Klassenraum.

Hofheim -Während an den öffentlichen Schulen und in der für sie verantwortlichen Politik noch darüber geredet wird, hat die private Elisabethenschule schon gehandelt. Alle Klassen- und Fachräume, das Lehrerzimmer und die Cafeteria in der christlichen Realschule an der Rossertstraße wurden jetzt mit Luftfiltergeräten ausgestattet.

Und auch in Sachen digitale Schule hat die "Eli" die Nase vorn. WLAN in jedem Klassenraum ist hier schon Realität, jeder Lehrer hat vom Schulträger ein Dienst-I-Pad erhalten und auch ein Software-Programm als Kommunikations- und Lernplattform, das sogar den noch höheren kirchlichen Ansprüchen an den Datenschutz genügt, hat die Schule gefunden.

Warum geht hier, was an den staatlichen Schulen so schwierig erscheint? Schulleiterin Pia Radeck verweist auf eine glückliche Konstellation. Die "Eli", 1893 vom Orden der "Armen Dienstmägde Jesu Christi", den sogenannten Dernbacher Schwestern begründet, hat als Träger heute die gemeinnützige Katharina-Kasper-Holding GmbH. Die Gesellschaft unterhält überwiegend Einrichtungen im Bereich Gesundheitswesen und Altenpflege, aber nur zwei "echte" Schulen. Weil die andere in Nordrhein-Westfalen liegt, sei die "Eli" in Hessen sogar die einzige, erläutert Radeck. Wäre sie ein Wirtschaftsunternehmen, würde man bildlich vielleicht von einem wendigen kleinen Segler sprechen, während die staatlichen Schulen in der Trägerschaft der Landkreise so etwas wie schwer steuerbare Dickschiffe sind. Für einen Antrag auf Fördermittel für die digitale Schule beim Land sei zwar auch für sie noch einiges zu leisten gewesen, kann Radeck sagen, doch da sich die "Eli" sonst mit niemandem abstimmen müsse, gehe es eben schneller, als wenn ein Landkreis für mehr als 50 Schulen einheitliche Lösungen finden muss.

Das Vergabeverfahren selbst sieht Radeck schon auch als Problem. Dass die Träger gehalten seien, "Bündel zu schnüren", also nicht einzelne Schulen zur Förderung anzumelden, sorge von vornherein dafür, dass alles länger dauere. Hinzu kommt, dass nicht ein Ministerium allein zuständig ist, sondern ein Antrag von Behörde zu Behörde geht. "Ich glaube, da stellt sich das Vergabeverfahren selber ein Bein", so Radeck. In ihren Augen wäre es einfacher, wenn der Kultusminister sagte: "Ich vertraue meinen Schulleitern. Hier ist die Summe XY, geben sie es aus, wir rechnen es am Ende ab."

Die dreizügige private Realschule, vielfach für Spitzenleistungen ihrer Schüler ausgezeichnet, hat jedenfalls schneller als viele andere das Geld aus dem vorhandenen Fördertopf des Landes für die digitale Schule abrufen können. In den Sommerferien wurde die "Eli" für rund 300 000 Euro, zu denen auch der Träger ein Viertel beitrug, fit für den Einsatz von Laptops und Tablets im Unterricht gemacht. "Ausleuchten" heißt der Fachbegriff für die Ausstattung aller Räume mit WLAN. Beamer gibt es seither ebenfalls in jedem Fach- und Klassenraum. Und eben Lehrer-Tablets und die passende Software. Ein Schüler in Quarantäne habe erst vor kurzem so problemlos von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen können, berichtet die Schulleiterin.

Die Probleme fingen jetzt erst jenseits der Schule an, muss Radeck feststellen. Denn das vor zwei Jahren beantragte schnelle Internet habe die Telekom noch immer nicht zur Verfügung stellen können. "Wenn wir alle streamen wollten, würde es schwer anfangen zu ruckeln", weiß Radeck. Das zweite Problem liege daheim bei so manchem Schüler, weil es etwa in Stadtteilen wie Wildsachsen oder Lorsbach nach wie vor nur dürftige Internet-Versorgung gebe.

Die Anschaffung der Luftfiltergeräte war vergleichsweise einfach. Der Träger habe sich aus seinen Erfahrungen im Gesundheitswesen heraus für den Kauf ausgesprochen und sei in Vorlage getreten, sagt Radeck. Die 31 Geräte, die 2,30 Meter hoch und sehr leistungsstark seien, seien auch nach der aktuellen Pandemie sinnvoll. "Sie filtern auch Grippeviren oder Pollen aus der Luft", erläutert die Schulleiterin. Ein Stoßlüften, bei dem auch während des Unterrichts immer wieder Türen und Fenster geöffnet werden müssten, sorge im Winter eher für andere Erkrankungen. "Wir stehen dann ja alle voll im Zug", weiß Radeck aus Erfahrung. Die Schule sammelt nun Geld für die Lüfter. "Der erste Vater, dem ich davon erzählte, hat mir gleich eine Spende gegeben", ist Radeck zuversichtlich, dass die Schulgemeinschaft ihren mutigen Schritt unterstützen wird. barbara Schmidt

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