Blick auf Langenhain: An der evangelischen Kirche ist der historische Ortskern, den der Denkmalschutz im Blick hat.
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Blick auf Langenhain: An der evangelischen Kirche ist der historische Ortskern, den der Denkmalschutz im Blick hat.

Städtebau

Hofheim: Die Langenhainer sorgen sich um ihr Ortsbild

  • vonManfred Becht
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Wenn ein Neubau nicht ins Dorfbild passt, ist das oft auch ein Stück weit Geschmackssache. Die Möglichkeiten der Stadt, Einfluss zu nehmen, sind deshalb nicht besonders groß.

Langenhain. -Wenn gebaut wird, gibt es Diskussionen. Auch in Langenhain ist das so, und zwar nicht nur in der Nachbarschaft, sondern auch im Ortsbeirat. Der Magistrat, erster Ansprechpartner des Stadtteilparlaments, verweigert sich dem nicht, sondern will weiter mit dem Ortsbeirat kooperieren. Nach Einschätzung der Verwaltungsspitze sind die Möglichkeiten der Stadt aber nicht besonders groß.

Stein des Anstoßes war im Jahre 2019 ein Vorhaben in der Enge Straße - zu einem Zeitpunkt, als noch gar nicht gebaut wurde. Dort werde womöglich ein Neubauprojekt "wie ein Fremdkörper in vorhandene Strukturen hineingepresst", fürchtete die SPD. Später gab es auch Kritik an Bauprojekten außerhalb des historischen Ortskerns, nämlich in der Usinger und der Eppsteiner Straße. Nach Darstellung des Magistrats entsprechen sie zwar dem Baurecht, nach Einschätzung mancher unbefangener Spaziergänger aber passen sie nicht zur angrenzenden Bebauung.

Im vergangenen Jahr hat der Ortsbeirat deshalb beschlossen, der Magistrat solle Instrumente entwickeln, die dazu dienen, den dörflichen Charakter von Langenhain und das Ortsbild zu erhalten. Die Rede war von Bebauungsplänen, Erhaltungssatzungen und Veränderungssperren. Der Magistrat hat in einer ersten Stellungnahme jetzt durchblicken lassen, dass er weniger Spielraum habe, als der Langenhainer Ortsbeirat glaubt. In der nächsten Wahlperiode möchte man sich aber zusammensetzen und über weitere Schritte sprechen.

Klar ist, dass die Stadt an Recht und Gesetz gebunden ist. Am einfachsten ist es noch im Bereich um die Kirche, wo der Denkmalschutz neuen Projekten enge Grenzen setzt. Angrenzend aber gibt es keine Bebauungspläne, es wird nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches entschieden. Der verlangt, dass sich ein Gebäude in die Umgebung einpasst, maßgeblich sind Firsthöhen, Traufhöhen und die Grundstücksausnutzung. Das lässt findigen Architekten allerlei Möglichkeiten. Die Zahl der Wohnungen sei kein Kriterium, das herangezogen werden dürfe, stellt die Verwaltung klar.

Die vom Ortsbeirat ins Gespräch gebrachte Erhaltungssatzung ist ein zweischneidiges Schwert. Der Magistrat weist darauf hin, dass sie dazu diene, die städtebauliche Eigenart eines Gebietes zu erhalten. Dies müsse aber auf konkrete Eigenarten eines abgegrenzten Gebietes abstellen - und nicht einfach auf den ganzen Ortskern. Außerdem bedeute eine Erhaltungssatzung Eingriffe in Eigentumsrechte. Das gefällt nicht jedem - eine in Diedenbergen bei der Dorferneuerung erarbeitete Gestaltungssatzung wurde wegen des Widerstandes der Hausbesitzer nie in Kraft gesetzt.

Der Magistrat weist noch darauf hin, dass die Bebauung im Ortskern sehr uneinheitlich ist. Das bedeutet, dass die Möglichkeiten, mit Bebauungsplänen und Erhaltungssatzungen einheitliche Regeln zu schaffen, sehr gering sind. Die vom Ortsbeirat noch ins Gespräch gebrachten Veränderungssperren sind ohnehin ein untaugliches Mittel: Sie sehen vor, dass Genehmigungen für einzelne Bauvorhaben verweigert werden können, wenn sie den Zielen eines Bebauungsplanes widersprechen, der gerade erarbeitet wird.

Solche Verfahren gibt es aber in Langenhain nicht. Der Ortsbeirat könnte dies zwar verlangen. Der Magistrat weist aber darauf hin, dass dies nur zulässig ist, wenn ein konkreter Bedarf besteht. Und Arbeit und Kosten verursachen Bebauungspläne auch. bt

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