Peter Schöbel feierte vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag.
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Peter Schöbel feierte vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag.

Porträt

Hofheim: Eine gerechte Gesellschaft für Jung und Alt ist ihm wichtig

  • VonBarbara Schmidt
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Der bekannte Sozialdemokrat Peter Schöbel möchte auch mit 80 Jahren noch die Gesellschaft aktiv mitgestalten.

Hofheim. Dass seit einigen Tagen sein Lebensalter mit einer 8 beginnt, "das ist bei mir noch nicht ganz angekommen", sagt Peter Schöbel mit einem Lächeln. "Mit 80 ist das Leben gelebt", erinnert sich der bekannte Sozialdemokrat noch gut an Sprüche aus gar nicht so ferner Zeit. Sein eigenes Lebensgefühl trifft das nicht. Denn nach wie vor ist Schöbel ehrenamtlich so aktiv, dass sich mancher deutlich Jüngere dahinter verstecken kann.

"Opa, warum arbeitest du denn noch so viel? Du bist doch schon so alt", hat ihn eines seiner Enkelkinder vor Jahren mal beim Anblick des vollgepackten Schreibtisches gefragt, wie er sich schmunzelnd erinnert. Etwas für Andere tun, die Gesellschaft mitgestalten, dafür hat Schöbel sich schon als Schüler begeistern können. Den Lehrer, der fragte: "Was macht ihr denn so in Eurer Freizeit?", und dann einlud zum Engagement, hat Schöbel nie vergessen. "Ich hab' dann damals bei uns im Ort die ,Roten Falken' gegründet", erinnert er sich noch gern an die Zeit mit Zeltlagern, Wanderungen und Lagerfeuer. Vor allem beim konservativ-katholischen Teil der Familie kam das Engagement bei den Jungsozialisten allerdings nicht ganz so gut an. Doch Schöbel, der in der Nähe von Braunschweig aufgewachsen ist, ließ sich nicht beirren. Schon mit 19 Jahren trat er in die SPD ein.

Als Rentner wurde er wieder in der SPD aktiv

Doch dann kam die Zeit, in der Familie und Beruf im Vordergrund standen. Den gelernten Automechaniker, der auf dem zweiten Bildungsweg Maschinenbauer wurde und bei Büssing, wo Lkws und Busse gebaut wurden, eine Anstellung fand, schickte seine Firma ins Rhein-Main-Gebiet. Über einen Bekannten kam er nach Hofheim. Hier ist Schöbel heimisch geworden. Und fing als Rentner wieder an, sich in seiner Partei zu engagieren.

Etwas für die Älteren in der Gesellschaft wollte er tun. Und fand in der Arbeitsgemeinschaft (AG) 60plus der SPD ein Betätigungsfeld, das ihn bis heute nicht losgelassen hat. Einer von drei Stellvertretenden Bundesvorsitzenden ist Peter Schöbel immerhin. Ja, und natürlich Vorsitzender im Bezirk Hessen Süd und auf Ortsvereinsebene. So kommt er noch immer viel herum und auch regelmäßig nach Berlin.

Von Gerhard Schröder über Sigmar Gabriel, den er dank seines Engagements bei den "Roten Falken" schon als "Pimpf" kannte, bis zum heutigen Führungsduo der SPD - Schöbel hat sie alle persönlich getroffen und, wie er sagt, mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten. "Man findet auch in den eigenen Reihen nicht immer offene Ohren", hat er allerdings feststellen müssen. Klar, dass der Niedergang der Sozialdemokratie, die in der Wählergunst auf Bundesebene seit der Schröder-Regierung immer weiter absackte, auch ihn schmerzt. Schöbel setzt sich dennoch weiter gern für das ein, was ihm wichtig ist: eine gerechtere Gesellschaft, in der alle Generationen gleichermaßen gesehen sind.

Dass die Alten dabei genauso ein selbstbestimmtes Leben führen wollen wie alle anderen, ist für Schöbel noch längst nicht bei allen Jüngeren angekommen. In Hofheim, sagt er, sei man da schon vergleichsweise weit, etwa was das Angebot an Wohnformen für alte Menschen angehe. Die Gründung von Senioren- wie Behindertenbeirat hält der Sozialdemokrat bis heute für einen guten Schritt, mit dem erreicht worden sei, dass die, um die es bei Projekten wie dem beabsichtigten Seniorenwohnen an der Kurhausstraße geht, auch eine Stimme haben.

Engagement ohne Gegenleistung

Ein weiteres Ehrenamt hat Schöbel ebenfalls schon sehr lange inne. Mit sieben Mitstreitern hat er 2010 die "Solarinvest Main-Taunus" gegründet - eine Genossenschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Solarenergie im Kreis zu fördern. Alle seien sie Sozialdemokraten gewesen, sagt Schöbel nicht ohne Stolz und man spürt, dass es ihn ärgert, dass viele glaubten, nur die Grünen engagierten sich gegen den Klimawandel und für eine ökologischere, nachhaltigere Welt. Aufsichtsratsvorsitzender ist der 80-Jährige - und würde sich freuen, auch für diese Arbeit bald Jüngere zu gewinnen.

Rund 300 Mitglieder, darunter mehrere Kommunen, habe die Genossenschaft heute. "Wir bewegen da mittlerweile Millionen", sagt Schöbel, der als Vater, Großvater und Urgroßvater auf diese Weise auch etwas für die Zukunft der jüngeren Generation tut - ganz ohne Gegenleistung. Die Frage: "Lohnt sich das für mich?" ist für ihn eh schon immer die falsche gewesen. Seine Antwort: "Nein, das lohnt sich für alle."

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