Sebastian Orth mit Megaphon, Protestplakat und Fahrrad.
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Sebastian Orth mit Megaphon, Protestplakat und Fahrrad.

Fridays for Future

Hofheim: "Endlich wieder eine Freitags-Demo"

  • vonBarbara Schmidt
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Sebastian Orth ist ein führender Kopf der Jugend-Umweltbewegung im Main-Taunus-Kreis. Am Freitag gibt's in Hofheim eine Fahrrad-Demo.

Hofheim/Fischbach. -Fahrrad und Megafon gehören zur Ausrüstung, die Sebastian Orth morgen mal wieder zum Einsatz bringen will. Endlich, wie er selbst es nach Monaten der Corona-Pause empfindet, endlich wieder ein Freitag mit Demo, ein Fridays for Future-Tag. Der junge Fischbacher, der in dieser Woche auch noch 19 Jahre alt wird, ist am Freitag in Hofheim sogar der "Versammlungsleiter". Mit einigen Mitstreitern hat er im Main-Taunus-Kreis eine eigene Ortsgruppe Fridays for Future (kurz: FFF) gegründet.

Anders als es Orth aus Frankfurt kennt, wo er von November 2018 bis September 2019 bei FFF aktiv war, seien alle, die im MTK zu den Aktiven zählen, Mitglieder von Parteien, berichtet der Schüler. Er selbst ist schon als 16-Jähriger bei den Linken eingetreten, wo er nun sogar im Landesvorstand ist und gern Spitzenkandidat auf der Kreistagsliste werden will. Die meisten anderen Mitstreiter seien bei den Grünen. Parteipolitik sei allerdings bei Fridays for Future absolut tabu, Logos oder Mitglieder-Sticker hätten bei Demos nichts zu suchen, macht der Oberstufenschüler deutlich. Schließlich verstehe sich die Bewegung als überparteilich. "Aber überparteilich heißt nicht unparteilich".

Das Gefühl, dass die globale Bewegung nicht nur in Großstädten aktiv sein sollte, hatte nicht nur Sebastian Orth. Zum ersten Treffen der MTK-Gruppe seien 40 Personen gekommen, seither schwanke die Teilnehmerzahl stark. "Aber es hat sich so ein harter Kern gebildet", sagt Orth. Das bestätigt Milan Schröder, der ebenfalls zu diesem Kreis gehört, wenn er im Moment auch studienbedingt in Berlin weilt. Doch die digitale Welt macht möglich, dass auch er weiter für den MTK aktiv ist.

Online zu kommunizieren, das war in den vergangenen Monaten aufgrund der Pandemie ohnehin die bestimmende Form. "Das letzte halbe Jahr war schon schwer", räumt Milan Schröder ein. Denn neue Interessierte gewinne FFF vor allem über Demonstrationen und andere analoge Aktionen. "Digital muss man da nichts großartig anfangen, da bleibt man immer in seiner Bubble", seiner Blase, sieht auch Sebastian Orth in den sozialen Medien weniger die Chance, Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Genau darum geht es aber FFF, denn die Bewegung erzeugt öffentliche Wirkung und damit auch Druck auf die Politik vor allem mittels ihrer großen Protest-Aktionen.

Lange sei Politik für junge Menschen kein Thema gewesen, aber das sei vorbei, sagt Sebastian Orth. "Mit 16 war ich noch der einzige in meiner Klasse, der sich für Politik interessiert hat. Dann kam Greta Thunberg." Aber nicht sie allein, auch die Schule, in der sie über viele Jahre und in verschiedensten Fächern gehört und gelernt hätten, was für Veränderungen in der Welt auf ihre Generation zukommen werden, habe den Wandel bewirkt, ist der fast 19-Jährige überzeugt. "Jetzt sind wir die politisierteste Generation, die heute lebt."

Geld, sagen Schröder und Orth übereinstimmend, hat die Gruppe im MTK keines zur Verfügung. "Wir haben sehr geringe Ausgaben und organisieren alles, so weit es geht, selbst", erläutert Milan Schröder. Was sie hauptsächlich investierten, sei Zeit, alles andere werde mit Privatspenden bezahlt. "Und das Megafon gab's für alle Aktionsgruppen von der Bundes-Organisation geschenkt", weist Sebastian Orth auf das für ihn morgen ganz besonders wichtige Hilfsmittel.

Für den Globalen Klimastreik-Tag, den FFF ausgerufen hat, hat sich die MTK-Gruppe das Thema Radwegebau auf die Fahnen geschrieben. Es gebe aber auch noch viele andere Dinge, die auf kommunaler Ebene im MTK für das Klima getan werden könnten, sagt Sebastian Orth. Er selbst hat gerade sein Geld in die neue Solaranlage der Familie gesteckt. Etwas, "was alle Hausbesitzer im MTK machen sollten", findet der Schüler, der ehrlich sagt, auch er müsse noch an sich arbeiten, weil er gern Fleisch esse und Auto fahre. Ein kleiner Beleg, dass da noch einiges mehr geht fürs Klima - mit vielen, die mitmachen und gutem Willen.

Fahrrad-Demo zum globalen Klimastreik

Für Freitag, 25. September, hat Fridays for Future zum globalen Klimastreik aufgerufen. Die FFF-Gruppe Main-Taunus ruft zur Teilnahme an einer Fahrrademo auf. Die zielt exemplarisch auf die seit 1985 währende Planung für einen Radweg zwischen Hofheim und Lorsbach, für die Aktivisten ein Beispiel, dass zu wenig für umweltfreundliche Verkehrsmittel getan wird. Um 11.30 Uhr startet die Veranstaltung mit einer Kundgebung auf dem Kellereiplatz. Dann geht es per Rad nach Lorsbach. Der Fahrrad-Korso wird von der Polizei begleitet. Einer Zwischenkundgebung am Gemeindezentrum Talstraße folgt die Rückfahrt, die Demo endet gegen 14 Uhr auf dem Chinonplatz. Eine Gruppe älterer Erwachsener aus dem Kreis unterstützt den Aufruf zur Teilnahme am Aktionstag, sie weist auch auf die Kundgebungen hin, die ab 12 Uhr in Frankfurt stattfinden. babs

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