Training mit Einschränkungen: Schon für die Zeit nach dem ersten Lockdown hatten die meisten Fitnessstudios aufwendige Konzepte mit strengen Regeln für Hygiene, Zahl der Sportler und Sicherheitsabstand vorgelegt.
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Training mit Einschränkungen: Schon für die Zeit nach dem ersten Lockdown hatten die meisten Fitnessstudios aufwendige Konzepte mit strengen Regeln für Hygiene, Zahl der Sportler und Sicherheitsabstand vorgelegt.

Pandemie

Corona-Lockdown in Hessen: Vielen Fitness-Clubs droht die Pleite

  • vonStephanie Kreuzer
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Mitglieder kündigen, eine Perspektive fehlt noch, und Online-Angebote helfen nur ein bisschen.

Hofheim - Der fortdauernde zweite Corona-Lockdown zwingt auch die Fitnessstudios, ihre Türen geschlossen zu halten. Eine Wiedereröffnung ist bislang nicht in Sicht, die Rahmenbedingungen dafür liegen noch im Dunkeln. Die Unsicherheit treibt die gesamte Branche um, und für manche ist die Situation dramatisch, wie Robin F. Stork, Geschäftsführer Unternehmensgruppe Stork, berichtet: „Neben der fehlenden Perspektive, wann und unter welchen Bedingungen wir den Betrieb des ,Vita-Spa‘-Fitnessclubs in der Rhein-Main-Therme wieder öffnen können, besorgt uns insbesondere die starke Zunahme an Kündigungen der Mitglieder - auch wenn ich diese Entscheidung sogar verstehen kann.“

Viele Menschen seien durch die Pandemie eben selbst auch finanziell betroffen und wüssten nicht, ob sie es sich künftig leisten könnten. Bei noch längeren Schließzeiten rechnet er mit weiteren Kündigungen. „Die Rückgewinnung von Mitgliedern wird in Zukunft ein erhöhter Kostenfaktor“, zieht Stork eine erste Bilanz. Doch gerade jetzt sei die sportliche Gesunderhaltung ein ganz wichtiges Thema: „Man sollte daher viel mehr die Möglichkeiten diskutieren, wie und wann ein Training möglich wäre. Also welche Hilfsmittel, wie beispielsweise Luftentkeimungsgeräte, können eingesetzt werden? Und ist ein Training unter freiem Himmel, wie es Rainer Schaller von ,Mc Fit‘ anbieten will, nicht doch möglich?“

Fitess-Clubs vor Pleite: Sind Luftreiniger eine Lösung?

Eine gewisse Fluktuation im Fitnessbereich kennt auch Markus Fritz, Geschäftsführer der "Fitseveneleven"-Kette. Doch neben der erhöhten Kündigungsquote fehlen bei ihm die Neumitglieder, die üblicherweise gerade in den Wintermonaten hinzukommen: "Die im ersten Lockdown eingebüßten 7,6 Prozent konnten wir danach wieder aufbauen, aber dieser Effekt wurde durch den zweiten Lockdown vernichtet. Insgesamt haben wir bisher rund 30 Prozent der Mitglieder verloren."

Von ähnlichen Erfahrungen spricht auch Holger Schulze, Geschäftsführer von "Purfitness", Tochter der Vital AG, die inzwischen elf Studios im Rhein-Main-Gebiet betreibt, eines davon in Wallau: "Den ersten Lockdown haben wir relativ gut überstanden, konnten über den Sommer hinweg die Mitgliederverluste ausgleichen und ein wenig durchatmen. Der zweite Lockdown nun hat zu einer größeren Verunsicherung geführt, und das ist unser Hauptproblem."

Fitess-Clubs vor Pleite: Es gibt zurzeit keine Neuverträge

In Wallau trainieren normalerweise rund 1800 Mitglieder, und es gibt eine etwa 20-prozentige Fluktuation. Aktuell können allerdings die rund 30 bis 40 Kündigungen pro Monat nicht kompensiert werden. "Bei einem Mitgliedsbeitrag von 30 Euro monatlich klingt das erstmal nicht so schlimm, aber das Geld fehlt", so Schulze. "Denn wir leiden weniger unter der etwas höheren Kündigungsrate, sondern mehr darunter, dass diesen Kündigungen keine Neuverträge gegenüberstehen!"

Trotz aller Schwierigkeiten und laufenden Kosten für Miete, Leasing und Personal hat er seit Dezember keine Beiträge mehr eingezogen, "um die Solidarität unserer Mitglieder nicht noch weiter zu strapazieren". Bislang hielte sich der finanzielle Schaden in Grenzen, aber er hoffe, dass die staatlichen Hilfen bald kommen.

Fitess-Clubs vor Pleite: Umfassendes Hygienekonzept

Die "Fitseveneleven"-Kette habe bis dato lediglich drei Prozent der beantragten November- und Dezemberhilfen ausgeschüttet bekommen; die Höhe der weiteren Unterstützung ist noch offen. Ein Teil der fest angestellten Trainer ist aktuell im Kundenservice tätig - auch um das erhöhte Aufkommen an Anfragen stemmen zu können. "Damit ermöglichen wir zumindest einigen, weiterhin einen geregelten Alltag zu haben", sagt Fritz.

Außerdem hatte er bereits im ersten Lockdown mit dem Team von "Akut SOS Clean" ein umfassendes Hygiene- und Lüftungskonzept umgesetzt, das auch im laufenden Betrieb funktioniert - sofern alle Mitglieder die Maßnahmen, wie halbstündige Desinfektion aller relevanten Flächen, Zonierungen für die nötigen Abstände und Laufwege sowie eine maximale Anzahl von Trainierenden, mittragen.

Auch im "Purfitness" war geregelt, dass nie mehr als 40 gleichzeitig und jeweils nur 1,5 Stunden trainieren, in der Sauna nie mehr als zwei Personen sein durften. Die Mitarbeiter mussten grundsätzlich Maske tragen, die Mitglieder zwischen den einzelnen Übungen ebenfalls. Aktuell bieten die Trainer wöchentlich 30 Kurse online an, und das sogar "live". "Wir wollten die persönliche Komponente beibehalten, und viele nutzen die Minuten davor und danach, um sich auszutauschen und der sozialen Einsamkeit entgegenzuwirken", freut sich Schulze. "Wer sich für das Online-Training interessiert, kann sich bei uns melden und kostenlos teilnehmen."

Auch Fritz will seine Mitglieder nicht im Stich lassen und hat ein umfangreiches digitales "Homeworkout"-Angebot aufgebaut. Dies beinhaltet Live-Kurse und Videos für verschiedene Trainingsniveaus, und Mitglieder können sich von den Trainern individuelle Workout-Pläne erstellen lassen. (skr)

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