Die Crew der amerikanischen Maschine: In der Mitte oben ist Co-Pilot Bert E. Svenson zu sehen, der Großvater von Amy Shreeve Keeler, der bei dem Unglück wie vier seiner Kameraden ums Leben kam. Zur Mannschaft gehörten außerdem Captain Jack R. Owens (39), Captain Robert A. Montiverdi (34), Stanley W Bennett (23) - der einzige Überlebende - Richard Woltz (20) und Charles E Terrell (21).
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Die Crew der amerikanischen Maschine: In der Mitte oben ist Co-Pilot Bert E. Svenson zu sehen, der Großvater von Amy Shreeve Keeler, der bei dem Unglück wie vier seiner Kameraden ums Leben kam. Zur Mannschaft gehörten außerdem Captain Jack R. Owens (39), Captain Robert A. Montiverdi (34), Stanley W Bennett (23) - der einzige Überlebende - Richard Woltz (20) und Charles E Terrell (21).

Vor 64 Jahren

Hofheim: Flugzeug-Absturz am Galgenkippel

  • VonManfred Becht
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17. Dezember 1957: Fünf Besatzungsmitglieder einer US-Maschine starben beim missglückten Landeanflug auf Erbenheim. Die Enkelin eines der Opfer recherchiert und möchte noch mehr erfahren.

Diedenbergen. -Der 17. Dezember 1957 war ein nebliger Tag, und es war schon dunkel, als Gerhard Töpfer lesend in seinem Wohnzimmer in Diedenbergen saß. Um 17.15 Uhr wurde er durch Feueralarm aufgeschreckt. Er sprang in den Wagen seines Nachbarn und ließ an der nächsten Ecke noch seinen Freund Franz Zierfas einsteigen. Die beiden brausten zum Galgenkippel. Es gebe einen Waldbrand, hatten Leute aus dem Ort gerufen.

Auf der Höhe in Richtung Langenhain angekommen, bot sich den beiden freiwilligen Feuerwehrleuten ein grausiges Bild. Ein abgestürztes Flugzeug brannte, Menschen schrien. Trümmer der Flügel lagen im Wald verstreut, der Rumpf der Militärmaschine war gegen einen dicken Baum geprallt. "Hoch oben in einem Baum hing ein Stück buntes Blech, von den man nicht weiß, was es vorher gewesen sein mag", schrieb diese Zeitung damals.

Aber die beiden Feuerwehrleute behielten kühlen Kopf. Töpfer und Zierfas gelang es, einen Verwundeten aus dem Gefahrenbereich zu schaffen. Und das keine Sekunde zu früh: Kaum waren die beiden außerhalb der Gefahrenzone, explodierte der Tank des Flugzeuges, in dem sich 8000 Liter Flugbenzin befanden.

Für das damalige Geschehen interessiert sich jetzt Amy Shreeve Keeler, eine vierzigjährige Musical-Schauspielerin und Sängerin, die mit ihren vier Kindern in Lehi im amerikanischen Bundesstaat Utah lebt. Sie sei sehr an der Geschichte ihrer Familie interessiert wolle mehr über den Flugzeugabsturz in Diedenbergen herausfinden, sagt sie. Denn eines der Besatzungsmitglieder, Copilot Bert E. Svenson, war ihr Großvater.

Er hatte den Absturz nicht überlebt. Überhaupt, drei der sechs Besatzungsmitglieder waren beim Absturz sofort tot, einer starb noch an der Unfallstelle, einer im Krankenhaus. Der einzige, der mit dem Leben davonkam, war Stanley Bennett. Aber wie war es zu der Tragödie gekommen? Das Flugzeug war in London gestartet und sollte auf dem amerikanischen Militärflugplatz in Erbenheim landen. Soweit man weiß, hatte es Spielsachen für die Kinder amerikanischer Militärangehöriger an Bord.

Offensichtlich hatte das Flugzeug im dichten Nebel in einem ersten Versuch den richtigen Landeanflug nicht gefunden. Die Flugsicherung wollte die Maschine zum Flughafen Frankfurt schicken, wozu es aber nicht kam. Vielmehr fiel die fatale Entscheidung für einen zweiten Versuch in Erbenheim. Der Pilot war kein Anfänger, sondern kampferprobt im Korea-Krieg. Trotzdem flog er zu tief, das Flugzeug streifte die Baumwipfel und stürzte schließlich ab. Mehr geht auch aus dem offiziellen Bericht über die Untersuchung nicht hervor, zu der US-Offiziere am Tag nach dem Absturz nach Diedenbergen gekommen waren.

Stanley Bennett, den die beiden Feuerwehrleute gerettet hatten, war schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden - es war anfänglich nicht sicher, dass er überleben würde. Sechs Monate musste er in der Klinik verbringen. Der 23-jährige Soldat stammte aus Kansas, war zunächst in München stationiert und hatte dort ein Mädchen aus Großbritannien geheiratet. Einen kleinen Sohn gab es zum Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes auch noch - Feuerwehrmann Zierfas sprach fortan davon, zwei Familien zu haben.

Amy Shreeve Keeler hat inzwischen die Schwester Bennetts kennengelernt und auch die Familien der anderen fünf Besatzungsmitglieder ausfindig gemacht. "Ich habe Kontakte zu Menschen auf der ganzen Welt, die von diesem Ereignis betroffen waren", zeigt sie sich beeindruckt. "Das fühlt sich schon ganz besonders an." Ihr Großvater war zum Zeitpunkt des Absturzes 27 Jahre alt und wollte nach Ende seines Wehrdienstes als Buchhalter arbeiten.

Was wird Amy Shreeve Keeler mit all den Informationen machen, wenn die Recherchen abgeschlossen sind? So genau steht das noch nicht fest. "Vielleicht ein kleines Buch, für die Familien der anderen Opfer", sagt sie. Gerne möchte sie auch nach Diedenbergen kommen, um die Absturzstelle zu besuchen. Bis dahin erhofft sie sich noch weitere Informationen über die Vorgänge vom Dezember 1957. Dafür hat sie extra die E-Mail-Adresse 1957december17@gmail.com eingerichtet.

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