Blick in ein Trinkwasserreservoir.
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Blick in ein Trinkwasserreservoir.

Trinkwasser

Millionen Liter Wasser spurlos verschwunden - Rätsel in Hofheim

  • vonManfred Becht
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14 Prozent des ins Netz eingespeisten Wassers kamen 2018 erst gar nicht beim Verbraucher an. Wo blieben 334 Millionen Liter?

Hofheim - Im Jahre 2017 haben die Stadtwerke Hofheim bei der Trinkwasserversorgung einen Verlust von 174 000 Kubikmetern registriert - das bedeutet, dass diese Wassermenge zwar in die Leitungen geschickt, aber bei keinem Verbraucher angekommen und daher von keinem Verbraucher bezahlt worden sind. 2018 betrug der Verlust plötzlich 334 000 Kubikmeter, war also fast doppelt so hoch. Diese Zahlen gehen aus der Antwort des Magistrats auf eine Anfrage der Linken hervor.

Das sind keine kleinen Mengen, sondern es waren 2017 mehr als 8 Prozent, 2018 sogar mehr als 14 Prozent des verkauften Wassers. Und das hat finanzielle Folgen: Einschließlich der Abwassergebühr zahlt man in Hofheim pro Kubikmeter Trinkwasser 4,30 Euro; das 2018 verloren gegangene Wasser war demnach mehr als 1,4 Millionen Euro wert. Das Geld fehlt aber nicht der Stadtkasse - da die Stadt mit kostendeckenden Gebühren arbeiten muss, erhöhen diese Verluste die Wassergebühren.

Pro-Kopf-Verbrauch leicht gestiegen

Das sind nicht die einzigen Folgen, denn Wasser ist knapp. Die Linken haben in einer Anfrage im Stadtparlament darauf hingewiesen, dass es seit 2003 kein sogenanntes Nassjahr mehr gab, dass sich die Grundwasservorräte seitdem nicht mehr ausreichend auffüllen. Die Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 sind noch in guter Erinnerung. "Die Bedeutung von sauberem und bezahlbarem Trinkwasser wird weiter steigen", sind die Linken überzeugt.

„Es bestand keine Notwendigkeit, sich an Programmen zum Wassersparen zu beteiligen“, schreibt der Magistrat sehr deutlich in seiner Antwort. Die Stadt weist darauf hin, dass der Pro-Kopf-Verbrauch über die letzten Jahrzehnte hinweg gesunken ist, von über 200 Litern pro Einwohnern täglich Mitte der 80er Jahre auf weniger als 150 Liter in den Jahren 2007 bis 2017. Ein Grund für diese Entwicklung ist aber auch, dass der Eigenverbrauch der Stadt und die Leitungsverluste in den 80er Jahren deutlich höher waren als später.

Allerdings zeigt die veröffentlichte Statistik auch, dass der Pro-Kopf-Verbrauch seit 2011 Jahr für Jahr etwas steigt und 2018 wieder mehr als 155 Liter pro Kopf und Tag beträgt. Außerdem wächst der Abstand zwischen den geförderten und den verkauften Wassermengen kontinuierlich; 2018 hat es, wie erwähnt, einen großen Sprung nach oben gegeben. Für 2019 liegen abschließende Zahlen noch nicht vor.

Es stellt sich also schon die Frage nach den Ursachen für die Wasserverluste. Und da kommt allerlei zusammen. 2018 habe es mehr Rohrbrüche gegeben als in den Jahren zuvor, sagt der Magistrat. Außerdem wurden viele Wasserleitungen erneuert. Neue Leitungen werden desinfiziert, auf Dichtigkeit geprüft und dann mit großen Mengen an Trinkwasser gespült. In Wildsachsen wurde eine neue Aufbereitungsanlage eingebaut; die Justierung vor Inbetriebnahme verbraucht ebenfalls Wasser. Außerdem sind von den über 10 000 Wasserzählern in Hofheim mehr ausgefallen als üblich. Das deswegen nicht erfasste Wasser wurde zwar verbraucht, aber nicht abgerechnet, ist wirtschaftlich also verlustig gegangen.

Dabei handelt es sich nur zum Teil um Wasser, das in Hofheimer Brunnen gefördert wird. Hofheim kauft über den Wasserbeschaffungsverband vor allem Wasser aus dem Hessischen Ried dazu; an trockenen Sommertagen kann der Anteil dieses Wassers bis zu einem Drittel betragen. Die Verträge dazu mit der Hessenwasser GmbH dazu laufen am Jahresende aus. Über neue Vereinbarungen wird gesprochen, über Inhalte ist bislang nichts bekannt geworden.

Zisternen werden nicht gefördert

Die Linken haben sich auch nach der Verwendung von Brauchwasser erkundigt, mit dem Trinkwasser ersetzt werden könnte, etwa bei der Gartenbewässerung. Die Stadt hat bisher darauf verzichtet, Brauchwasserzisternen für alle Neubauten vorzuschreiben; nur in einigen Quartieren wird dies durch den Bebauungsplan verlangt. Zuschüsse werden auch nicht gezahlt. Die Stadt selbst betreibt drei Brauchwasseranlagen an drei Kindertagesstätten, am Sportpark Heide und der Langenhainer Sporthalle. Ein komplettes Brauchwassernetz für das Baugebiet Marxheim II ist nach Einschätzung des Magistrates nicht sinnvoll, weil nicht sichergestellt werden kann, dass ausreichend Brauchwasser vorhanden ist. "Es sollten eher Konzepte für Brauchwassernutzung am Entstehen von Brauchwasser an und in Gebäuden entwickelt werden", heißt es. Von Manfred Becht

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