Kirche

Hofheim: Franziskaner segnet Paare - und zwar alle

Die katholische Kirche verweigert homosexuellen Paaren und wiederverheiratet Geschiedenen den Segen. Auch Bruder Norbert Lammers setzt jetzt ein Zeichen gegen dieses kategorische Nein aus Rom.

Hofheim -Das römische Nein kam Mitte März für viele überraschend: Der Vatikan hatte der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eine Absage erteilt. Die Einschätzung der Glaubenskongregation, das entspreche nicht der kirchlichen Lehre, die auch Papst Franziskus gebilligt hatte, hat viel Widerspruch in der deutschen katholischen Kirche erhalten. Mehr als 2500 Theologen, Priester und andere in der Seelsorge tätige Menschen haben eine Protestnote unterschrieben.

Auch Norbert Lammers gehört zu den Menschen, bei denen die Entscheidung Widerspruch ausgelöst hat. "Als dieses kategorische Nein aus Rom kam, da habe ich gemerkt: So nicht! Da kann ich nicht mit", sagt der Franziskaner, der im Hofheimer Exerzitienhaus lebt und arbeitet. "Wir vertreten hier eine andere Seelsorge und stehen auch für eine andere Seelsorge", fehlt Norbert Lammers die Weite und Offenheit, die ihm und seinen Mitbrüdern wichtig ist in der Begegnung mit Menschen, die eine geistige Heimat in der Kirche suchen.

Alle Liebenden sind eingeladen

"Dieses Suchen nehme ich auch sehr deutlich wahr", kann Lammers aus langer Erfahrung als geistlicher Begleiter sagen. Das Nein aus Rom treffe neben homosexuellen Paaren auch wiederverheiratet Geschiedene, erinnert der Franziskaner. Während bei den einen die Konsequenz aus der starren Haltung häufig in Abwendung und Austritt mündet, wünschen sich andere eine Veränderung in "ihrer" katholischen Kirche und sehnen sich danach, so angenommen und gutgeheißen zu werden, wie sie sind.

Gut-sagen, das ist die deutsche Übersetzung des lateinischen Wortes benedicere, segnen. Und zumindest das wollen Seelsorger wie Norbert Lammers auch weiter tun: Menschen Segen zusprechen, mit dem die katholische Kirche ja ansonsten überaus großzügig verfahre, wie der Hofheimer Franziskaner mit Verweis auf Segnungen wie die eines Gitters am Kölner Dom sagt, das Hunde davon abhält, ihr Bein direkt am Gotteshaus zu heben.

Segensfeiern für Paare, zu denen "alle Liebenden" eingeladen werden, ohne Unterschied, sind längst in vielen Kirchengemeinden üblich, oft verbunden mit dem Valentinstag. Das Exerzitienhaus lädt nun erstmals auch zu einer solchen Segensfeier ein, und zwar am Montag, 10. Mai. Damit folgen die Hofheimer Franziskaner einem Aufruf katholischer Seelsorger. Darin heißt es: "Paare, die hieran teilnehmen, sollen den Segen bekommen, den Gott ihnen schenken will - ganz ohne Heimlichkeit."

"Jetzt kommt mal zu Potte"

Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat sich als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nicht glücklich mit der Aktion gezeigt, die er nicht für hilfreich hält. "Segnungsgottesdienste haben ihre eigene theologische Würde und pastorale Bedeutung. Sie sind nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet", ließ Bätzing offiziell verlauten.

Zugleich betonte der Limburger Oberhirte: "Selbstverständlich haben Menschen mit homosexueller Orientierung, auch diejenigen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, einen Platz in der Kirche. Sie sind uns willkommen." Ihnen in den jeweiligen Situationen auf ihrem Lebensweg gerecht zu werden und sie seelsorglich zu begleiten, gehöre zu den Aufgaben der Kirche.

Die "angemessene Erörterung der Frage nach Segnungsgottesdiensten", deren Platz Georg Bätzing im Rahmen des Synodalen Wegs sieht, ist für Seelsorger wie Norbert Lammers zu wenig. Nachgedacht habe man über diese Fragen in Kirche und Theologie doch schon sehr lange, sagt er und würde den Verantwortlichen am liebsten zurufen: "Jetzt kommt mal zu Potte!"

Anmeldung per E-Mail - Corona-Regeln beachten

Der Segensgottesdienst in der Kapelle des Hofheimer Exerzitienhauses, Kreuzweg 23, findet am Montag, 10. Mai, 19 Uhr, statt. Eingeladen sind ausdrücklich alle Liebenden. Es gelten die Regelungen der Corona- Bestimmungen für Gottesdienste. Dazu gehört neben dem Tragen einer medizinischen Maske und einer Teilnehmerbegrenzung die Anmeldung mit Adresse und Telefonnummer. Dafür reicht eine E-Mail an norbert.lammmers@franziskaner.de.

Bruder Norbert Lammers.

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