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Hofheim: Freundliche Kampagne gegen Vermüllung

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Von: Barbara Schmidt

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Marketing-Mann Stefan Degreif, Rathaus-Azubi Elisa Caruano, Bürgermeister Christian Vogt und Erster Stadtrat Wolfgang Exner vor einem der vier Kampagnen-Banner mit Kippen-Döschen. Caruano und Exner führten zudem die Ausrüstung der Umweltscouts vor.
Marketing-Mann Stefan Degreif, Rathaus-Azubi Elisa Caruano, Bürgermeister Christian Vogt und Erster Stadtrat Wolfgang Exner vor einem der vier Kampagnen-Banner mit Kippen-Döschen. Caruano und Exner führten zudem die Ausrüstung der Umweltscouts vor. © babs

Banner und Umweltscouts kommen zum Einsatz. Das ungewöhnliche Projekt kostet 30 000 Euro.

Hofheim. Der Ortsbeirat Kernstadt wollte sie schon 2018: Eine witzige Kampagne gegen die Vermüllung hatte die Stadtteilvertretung beantragt und auch schon Vorschläge dazu gemacht. Doch aus dem Rathaus kam der Hinweis, daran werde bereits gearbeitet, man wolle etwas fürs gesamte Stadtgebiet - und der Ortsbeirat musste etwas verärgert seine Vorarbeit in den Müll geben. Ein wenig länger gedauert hat's dann noch, nicht zuletzt wegen der Pandemie, aber jetzt ist ein Ergebnis da: Gestern präsentierten der für die Abfallentsorgung zuständige Dezernent Erster Stadtrat Wolfgang Exner, Bürgermeister Christian Vogt und Stefan Degreif, Geschäftsführer der beauftragten Agentur dreivorzwölf Marketing aus Mainz, die Kernstücke der Kampagne.

Kippendöschen vom Umweltscout

Neben großflächigen Bannern mit Botschaften unter dem Motto "Saubere Ideen für Hofheim" werden auch Umweltscouts zum Einsatz kommen. Gut erkennbar in leuchtend grünen Westen sollen die speziell geschulten Rathaus-Mitarbeiter für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Müll werben. Mit dabei haben sie immer kleine praktische "Abgabe-Artikel", so Stefan Degreif, Hundekot-Beutel etwa oder Kippendöschen aus recyceltem Kunststoff, damit der Zigarettenstummel nicht im Rinnstein oder schlimmstenfalls (wie erst in der vergangenen Woche am Kapellenberg) auf knochentrockenem Waldboden landet.

"Littering" nennen die Fachleute das Phänomen, wenn Menschen ihren Müll einfach da, wo sie gerade unterwegs sind, fallen lassen. Hofheim ist mit diesem Problem nicht allein. Schon vor Jahren hatte diese Zeitung immer wieder berichtet, wie es gerade nach lauen Sommernächten auf Straßen und Plätzen aussah. Weil in Lockdown-Phasen noch mehr Ess- und Trinkbares zum Mitnehmen ("To-go") gekauft wurde, versuchte die Stadt mit zusätzlichen Mülltonnen und verstärkten Einsätzen ihrer Bauhof-Mitarbeiter für mehr Sauberkeit zu sorgen. "Das hat auch gewirkt", so Bürgermeister Vogt, doch mit der neuen Kampagne soll das Phänomen noch auf andere Art angegangen werden. Es gehe darum, "in die Köpfe der Menschen zu kommen", sagt Wolfgang Exner.

Stefan Degreif, dessen Agentur bereits mit insgesamt zwölf Städten, darunter Mainz und Marburg, nach dem eigens entwickelten, urheberrechtlich geschützten Präventionskonzept "Bleib sauber!" zusammenarbeitet, verfolgt dabei einen Ansatz, den auch der Ortsbeirat Kernstadt für richtig hielt: Nicht mit Restriktionen und Bestrafungen soll gedroht werden, vielmehr solle die Kampagne "den Weg ins Herz und in den Kopf" nehmen, so Degreif. Dass eine einzige Kippe 40 Liter Grundwasser verunreinige oder Hundekot hochinfektiös sei, sei vielen gar nicht bewusst.

Die Umweltscouts werden bei Stadtfesten und anderen Veranstaltungen im Freien auf solche Tatsachen aufmerksam machen. Die plakativen Botschaften auf den Bannern sollen ihre Arbeit unterstützen. Zwei Vögel namens "Dreckspatz" und "Schmutzfink" zwitschern sich dort in Comic-Manier zu, welche Auswirkungen Müll hat, der nicht ordnungsgemäß entsorgt wird. Neben Kippen und Hundekot werden Plastikmüll und Kaugummi thematisiert, die Banner sollen für drei Monate an neun Standorten zu sehen sein.

Aktion hat eine "Hofheimer Note"

Für die ganze eigene "Hofheimer Note" der Kampagne, die beiden Vögel in blau und grün, den neuen Logo-Farben der Stadt, hat übrigens ein Mitglied des Künstlerkreises Wallauer Fachwerk gesorgt: Sophia M. Phildius ist Illustratorin, Zeichnerin und Graphik-Designerin. Weil sie derzeit in Hamburg arbeitet, konnte sie gestern bei der Kampagnen-Vorstellung auf dem Marxheimer Wertstoffhof nicht persönlich anwesend sein.

Die Umweltscouts sollen von der Marketing-Agentur aus Mainz geschult werden, um nicht nur mit praktischen Helfern, sondern auch mit guten Argumenten aufwarten zu können. Dass das Konzept, das sich die Stadt 30 000 Euro kosten lässt, Wirkung zeigt, ist Stefan Degreif mit Verweis auf die Erfahrung anderer Städte inzwischen sicher. Und nicht nur ihn würde es freuen, wenn das in Hofheim auch so ist.

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