Die Steinbergschule in Hofheim. Noch läuft hier die Betreuung unter der Regie der evangelischen Johannesgemeinde.
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Die Steinbergschule in Hofheim. Noch läuft hier die Betreuung unter der Regie der evangelischen Johannesgemeinde.

Grundschulen

Hofheim: Ganztags-Betreuung wird weiter ausgebaut

  • vonManfred Becht
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Der Main-Taunus-Kreis will die Betreuungsangebote übernehmen, und die Stadt könnte dann viel Geld sparen.

Hofheim. Die Übernahme der Betreuungsangebote an den Grundschulen durch den Main-Taunus-Kreis wird für die Stadt Hofheim mit erheblichen Einsparungen verbunden sein. Das ist allerdings nicht der Grund für die Übergabe - der Kreis hat beschlossen, alle Betreuungsangebote an sich zu ziehen. Und er hat klar gemacht, dass er die Grundschulen für die immer stärker nachgefragten Ganztagsangebote nur ausbaut, wenn er auch für die Betreuungsangebote zuständig ist. Dabei sollen die freien Träger, die dies wollen, zunächst als Betreiber weiter machen können.

In seiner Antwort auf eine Anfrage der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung schildert der Magistrat jetzt den Übergang des Betreuungsangebotes an der Steinbergschule als Musterbeispiel. Der Vertrag über den Übergang war der erste, der die Stadt mit dem Kreis im vergangenen September geschlossen hat. Demnach soll der Kreis zuständig werden, wenn die Erweiterung des Schulgebäudes fertig ist, spätestens bis zum August 2022. Gebaut werden soll, so ein Hinweis der Grünen, auch in Marxheim und Lorsbach.

"Pakt für den Nachmittag"

Diese beiden Schulen haben sich ebenfalls schon auf den Weg gemacht. Verbunden ist die Übernahme des Betreuungsangebotes durch den Kreis mit der Aufnahme in das Landesprogramm "Pakt für den Nachmittag", das Zuschüsse des Landes für Grundschulen vorsieht, die ganztätige Angebote organisieren. Die Steinbergschule ist in den Pakt für den Nachmittag aufgenommen, die Heiligenstockschule ist in einem anderen, aber vergleichbaren Programm. Die Marxheimer Schule hat den Antrag bereits gestellt. Absichtserklärungen gibt es aus den Grundschulen in Lorsbach und Wallau. Die Schulen in Langenhain und Diedenbergen haben in dem Punkt noch nichts von sich hören lassen, auch die Pestalozzischule nicht.

Praktisch betrieben wird das Betreuungsangebot an der Steinbergschule von der evangelischen Johannesgemeinde, die dies auch gerne fortsetzen möchte. "Daran will der Kreis zunächst festhalten", heißt es wörtlich in dem Magistratspapier. Dabei deutet das Wort "zunächst" darauf hin, dass der Kreis sich das langfristig auch anders denkt. Immerhin will er die Betreuungsangebote übernehmen, um Schule und Betreuung besser aufeinander abstimmen zu können und zu einem Angebot zu kommen, das einen Ganztags-Charakter hat.

Dabei ist die Einstellung der Träger unterschiedlich, wie der Magistrat weiß. Manche möchten die Betreuungsangebote gerne abgeben, andere nicht. Aktiv sind dabei in Hofheim verschiedene Kirchengemeinden, der Caritasverband, ein freier Trägerverein und auch ein Gymnastikstudio. Zwischen der evangelischen Johannesgemeinde und dem Kreis soll jedenfalls nun ein Vertrag ausgehandelt werden.

Die Stadt Hofheim hat diese Veränderungen nicht angestoßen, wird davon aber finanziell profitieren. Zurzeit bezuschusst sie die Angebote mit rund 1,1 Millionen Euro im Jahr. Für Angebote, die der Kreis übernommen hat, muss die Stadt nur noch Kosten bezuschussen, die für die Betreuung nach 14 Uhr entstehen. Der Pakt für den Nachmittag umfasst nämlich nur die Betreuung bis 14 Uhr, die Einrichtungen haben aber fast alle deutlich länger geöffnet. Die Stadt legt Wert darauf, dass es in dem Punkt keine Verschlechterung für die Eltern gibt. Vereinbart werden soll auch immer, dass das bisher tätige Personal weitermachen kann.

Der Kreis wiederum zielt darauf ab, dass es für alle Kinder ein Betreuungsangebot bis 14 Uhr gibt und dass dies für die Eltern nichts kostet. Man rechnet damit, dass unter diesen Bedingungen mehr Kinder für die Betreuung angemeldet werden als bisher. Das erhöht die Kosten für die Stadt, die den Betrieb ab 14 Uhr bezuschusst. Die Einsparung alleine bei der Steinbergschule, die der Kreis auf etwa 100 000 Euro im Jahr beziffert, dürften sich daher noch etwas verringern.

Die Standards bleiben erhalten

Gehen alle Betreuungseinrichtungen auf den Kreis über, kommt daher für die Stadt ein erheblicher Betrag zusammen. Die Stadt legt dabei noch Wert auf die Feststellung, dass die Standards bei der Betreuung durch den Kreis in etwa denjenigen entsprechen, die bisher schon gegolten haben. Schnell geht das alles auch nicht - der Kreis kalkuliert für jede Schule eine Vorbereitungszeit von eineinhalb Jahren ein.

Manfred Becht

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