Dr. Dr. Klaus-Peter Reetz.
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Dr. Dr. Klaus-Peter Reetz.

Medizin

Hofheim: Das Gehirn braucht immer wieder neue Herausforderungen

  • vonBarbara Schmidt
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Was der ehemalige Chefarzt Dr. Dr. Reetz zur Vorbeugung gegen Demenz rät.

Hofheim. Leider gehört die Demenz noch nicht ins Museum. Aber das Stadtmuseum war als Veranstaltungsort für den Welt-Alzheimertag längst nicht so verkehrt, wie es manchem scheinen mag. Immerhin gibt es hier seit Jahren eine tolle Kooperation: Menschen mit Demenz sind mit Angehörigen eingeladen, auf sie abgestimmte Museumsführungen zu machen. Beteiligt an dem Projekt sind neben dem Stadtmuseum die Caritas und die Katholische Erwachsenenbildung. Diese Partner hatten am Montag den Welt-Alzheimertag zum Anlass genommen für eine informative und ein wenig unterhaltende Veranstaltung zum Thema: "Demenz - wir müssen reden!"

Dass das Gespräch eine Form ist, die zur Prävention beitragen kann, führte Dr. Dr. Klaus-Peter Reetz, früherer Chefarzt der Geriatrie im Hofheimer Krankenhaus, in seinem mit Fakten gespickten Vortrag zum Thema Demenz aus. Denn soziale Kontakte zu pflegen, gehört zu den Verhaltensweisen, die helfen können, eine Demenzerkrankung zumindest zu verzögern. Prävention sei die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Krankheit, weil es derzeit weder ein Heilung versprechendes Medikament noch eine andere wirksame Therapieform gebe.

Grundsätzlich machte der Altersmediziner klar: Nicht für jede Demenz ist Alzheimer die Ursache, diese Unterform ist aber mit 72 Prozent die verbreitetste. Auch wenn es bei Demenzpatienten ähnliche Symptome gebe, gelte: "Kennt man einen Menschen mit Demenz, dann kennt man eben nur einen Menschen mit Demenz, weil die Erkrankung bei jedem anders verläuft.

So viel zumindest weiß aber die Wissenschaft: Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, steigt mit dem Alter. Eine Möglichkeit, ihr zu entgehen, sei daher: "Nicht älter werden", stellte Reetz nüchtern fest. Weil aber alle Menschen ja gern ein hohes Lebensalter erreichen wollten, gelte es, etwas für das bei einer Demenz betroffene Organ, das Gehirn, zu tun.

Neben den Sozialkontakten habe Bewegung einen positiven Einfluss - sogar bei bereits an Demenz Erkrankten. Übergewicht abzubauen und die Ernährung zu optimieren, gehört ebenfalls zu den Ratschlägen, die Mediziner geben, wenn es um ein "gutes Altern" geht. Als wichtige Vorbeugemaßnahmen nannte Reetz zudem, nicht zu rauchen und ausreichend zu schlafen. Negativer Stress sollte vermieden werden. Das ist auch für Herz und Kreislauf gesünder - die ebenfalls eine Rolle spielen, wenn es um Risikofaktoren für eine Demenz geht. Für besonders wichtig halten es die Gehirnforscher, diesem immer wieder neue Gründe zu liefern, sich selbst ein stückweit zu erneuern, indem man es zum Denken anregt. Das, so Reetz, verursache nämlich keine Abnutzung des Gehirns, sondern rege es an, neue Nervenzellen zu bilden. Das Gute: Das funktioniert auch im Alter noch, man muss allerdings etwas dafür tun. Eine neue Sprache lernen zum Beispiel oder sich mit einem neuen Wissensfeld beschäftigen. Wichtig: Es soll nicht schon früher mal Gelerntes nur aufgefrischt werden; es geht darum, dem Gehirn unbekanntes Futter zu bieten. Dass es vielfach, gerade wenn es um Sport oder Ernährung geht, bei guten Vorsätzen bleibt, weiß der frühere Chefarzt, der selbst Vorbild ist: Als Läufer und mit Vorlesungen im Rahmen der Universität des Dritten Lebensalters in Frankfurt tut der 73-Jährige etwas für die Fitness seines Gehirns. Sein Vortrag im Museum hat sicher bei seinen Zuhörern die ein oder andere Nervenzelle entstehen lassen. Ihnen hatte Reetz zuvor klar gemacht, wie rasch der Körper des Menschen diese Leistung vollbringt: "Man geht mit einem anderen Gehirn nach Hause, als man hergekommen ist." babs

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