In der Thomasgemeinde bereiten Pfarrerin Constanze und Pfarrer Reinhardt Schellenberg den ersten Gottesdienst mit Abstandsgebot vor. Zwei Kerzen markieren den Platz für Hausgemeinschaften, also beispielsweise ein Ehepaar. Wer alleine kommt, findet seinen Platz bei einer einzelnen Kerze. Foto: Knapp
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In der Thomasgemeinde bereiten Pfarrerin Constanze und Pfarrer Reinhardt Schellenberg den ersten Gottesdienst mit Abstandsgebot vor. Zwei Kerzen markieren den Platz für Hausgemeinschaften, also beispielsweise ein Ehepaar. Wer alleine kommt, findet seinen Platz bei einer einzelnen Kerze. Foto: Knapp

Kirche

Hofheim: Gottesdienste nur unter strengen Auflagen

Es gibt Zugangsbeschränkungen und Kontrollen. Das Singen ist verboten. Kein Pfarrer ist damit wirklich glücklich. Und was wird eigentlich aus den großen Festen wie Kommunion, Firmung und Konfirmation?

Hofheim -Reinhardt Schellenberg, Pfarrer der evangelischen Thomasgemeinde in Marxheim, geht es nicht anders als seinen evangelischen und katholischen Kollegen in der Kreisstadt auch: Vor dem kommenden Sonntag ist nicht nur viel zu bedenken und zu organisieren. Mit den Vorgaben, die es für Gottesdienste dann gibt, sind alle auch nicht wirklich glücklich. Die größte Bürde: Es soll nicht gesungen werden. Dass das nicht nur am nächsten Sonntag, der in der evangelischen Kirche mit dem schönen Namen "Cantate!" belegt ist, der lateinischen Aufforderung zum Singen, belegt ist , nicht passt, kann jeder Christ nachvollziehen.

"In den Menschen kommt doch unwillkürlich eine Melodie auf", ist auch für Helmut Gros, Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul Hofheim-Kriftel schwer vorstellbar, wie das werden soll von Sonntag an, wenn statt der Lieder Texte gesprochen werden müssen oder allenfalls der Kantor allein singt. Gerade in der aktuellen Osterzeit und dem Marienmonat Mai werde das vielen viel fehlen, ist sich Gros sicher.

Stephan Schnelle, Sprecher des katholischen Bistums Limburg, erläutert auf Nachfrage, dass der Generalvikar in seiner Dienstanweisung zu den Bedingungen, wie nun wieder öffentlich Gottesdienst gehalten werden darf, empfohlen habe, auf das Singen zu verzichten. Dies sei zwar vom Land Hessen nicht untersagt, sehr wohl aber vom Land Rheinland-Pfalz. An dieser weitergehenden Regelung habe man sich im Sinne der Einheit orientiert. Das Bistum Limburg erstreckt sich über die Landesgrenzen hinweg, genauso wie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau.

Während sich katholische Christen zu den Sonntagsmessen vorher telefonisch anmelden müssen, entscheiden die evangelischen Kirchenvorstände jeweils selbst, wie der Zugang in ihrer Gemeinde gehandhabt wird. Pfarrerin Ivonne Heinrich (Diedenbergen) und Pfarrer Friedemann vom Dahl (Johannesgemeinde in der Kernstadt) haben ihren Kirchenvorständen empfohlen, auf eine Voranmeldung zu verzichten. Dafür wollen sie am Sonntag zwei kurze Gottesdienste in Folge ansetzen.

In der Thomasgemeinde gibt es eine Anmeldung per Telefon oder Mail und ebenfalls zwei Gottesdienste, damit niemand abgewiesen werden muss. Wie viele Christen überhaupt interessiert sind, unter Corona-Bedingungen zur Kirche zu kommen, wo Abstand jetzt erstes Gebot ist, das ist für alle Pfarrer nicht einschätzbar. "An normalen Sonntagen sind es 60 bis 80, wie es am kommenden Sonntag sein wird, weiß ich nicht", sagt etwa Friedemann vom Dahl. Dass nur die Jüngeren kommen, weil die Älteren sich aus Sorge vor Ansteckung zurückhalten, ist für ihn wie für seine Kollegen auch noch nicht ausgemacht.

Dass in Pandemie-Zeiten in evangelischen Gottesdiensten kein Abendmahl gefeiert werden soll, nennt Ivonne Heinrich nicht weiter problematisch. "Für uns ist der Gottesdienst ja auch ohne das vollwertig." Für Katholiken ist dagegen eine Wort-Gottes-Feier stets nur Notlösung, ihnen gilt die Eucharistie als "Quelle und Höhepunkt" des gesamten Glaubenslebens. Ein Verzicht kommt daher nicht in Frage. Also müssen Wege gefunden werden, wie die konsekrierte Hostie möglichst risikofrei den Weg zum Empfänger findet. Dass sich Priester und Kommunionhelfer vor der Austeilung die Hände desinfizieren müssen, gehört zu den neuen Regeln. "Ich werde dies sichtbar für alle tun", hat sich Pfarrer Gros entschieden, den Gläubigen so deutlich zu zeigen, dass alles getan wird für eine sichere Spendung des Sakraments. Doch das ist nur die eine Seite. Längst diskutieren Katholiken, ob eine Messe unter Corona-Bedingungen dem eigentlichen Charakter dieser Feier nicht zuwiderläuft. Was sich aus den neuen Erfahrungen entwickelt, ob Menschen diese Art Gottesdienst annehmen oder dann doch lieber zum Fernseh-Gottesdienst zurückkehren, ist für Gros nur eine der vielen offenen Fragen. "Es wird ein Versuch", sagt Reinhardt Schellenberg, "man muss von Woche zu Woche leben", betont Helmut Gros.

Für ihn wie für seine evangelischen Kollegen schon jetzt eine große Sorge: Lassen sich Erstkommunion und Firmung beziehungsweise Konfirmationen, die allesamt erst einmal abgesagt wurden, unter den neuen Bedingungen in diesem Jahr überhaupt noch durchführen? Und wenn ja, dann wie? "Und was wird, wenn wir auch den Advent und Weihnachten noch unter Corona-Bedingungen feiern müssen?", fragt nicht nur Pfarrer Schellenberg und bekennt, "daran will ich gar nicht denken".

Gottesdienste in Hofheim: Mal mit Anmeldung, mal ohne, mal gar nicht

In der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul gilt: Ab sofort können sich Gläubige im Zentralen Pfarrbüro für die Sonntagsgottesdienste anmelden. Das geht ausschließlich telefonisch (0 61 92) 92 98 50. Die höchstmögliche Zahl der Teilnehmer richtet sich nach der Größe der Kirchen. Für St. Peter und Paul und St. Vitus (Kriftel) sind es 52, für St. Georg 42, für St. Bonifatius 68. Werktagsgottesdienste können ohne Anmeldung besucht werden.

In der Johannesgemeinde, der Thomasgemeinde und der evangelischen Kirchengemeinde Diedenbergen soll an den kommenden Sonntagen jeweils die Zahl der Gottesdienste verdoppelt werden. 9.30 Uhr und 10 Uhr sind in Johannes geplant, 11 und 18 Uhr in Thomas, 10.30 Uhr und 11.15 Uhr hat Diedenbergen vorgesehen. In der Thomasgemeinde ist eine Anmeldung im Gemeindebüro per Telefon (0 61 92) 54 91 oder E-Mail (thomasgemeinde.marxheim@ekhn.de) vorgesehen. In Diedenbergen und in Johannes ist keine Anmeldung erforderlich, die Eintragung der Teilnehmer in die für alle Gottesdienste, egal welcher Konfession, obligatorischen Listen erfolgt erst an Ort und Stelle. Die Listen dienen im Fall einer Ansteckung zur Benachrichtigung der übrigen Teilnehmer. Dies ist mit den Gesundheitsbehörden so abgestimmt, genauso wie die Vernichtung der Daten nach drei Wochen.

In Langenhain ist erstmals am 21. Mai wieder Gottesdienst in der evangelischen Kirche, maximal können 20 Personen teilnehmen. In Lorsbach hat der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde beschlossen, unter den bestehenden Bedingungen zunächst keine Gottesdienste zu feiern. Das soll alle 14 Tage überprüft werden. Von Barbara Schmidt

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