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Vom Dachgeschoss des ehemaligen Kaufhauses Diener schauen die Bürger auf ein Flachdach, das zukünftig begrünt werden soll. Im Hintergrund sieht man das Pfarrhaus und das Gemeindezentrum St. Peter und Paul. 

Besichtigung

Großbaustelle am früheren "Diener": Vom Kaufhaus zum Wohnhaus

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Bei der CDU-Sommertour konnte am Donnerstag nach der Ländcheshalle die nächste spannende Baustelle besichtigt werden.

Hofheim - "Da kann man mal nit meckern." "Das ist wirklich eine schöne Aussicht." Oder gar: "Was für ein toller Blick!" So und ähnlich lauteten die spontanen Reaktionen bei einer Baustellen-Besichtigung besonderer Art. In das ehemalige "Kaufhaus Diener" und sein Nachbargebäude an der Ecke Hauptstraße/Burgstraße hatte die CDU im Rahmen ihrer Sommertour am Donnerstagabend eingeladen, gemeinsam mit dem Bauherrn Michael Weiß. Die beiden Etagen, denen das meiste Interesse galt, waren dabei die beiden am weitesten voneinander entfernten: Dachgeschoss und Keller.

Die eingangs zitierten Äußerungen produzierten die drei Penthousewohnungen, die Michael Weiß in Holzbauweise auf das völlig entkernte Gebäude aus den 1970er Jahren hat setzen lassen, in dem einst ein Angebot von Eisen- über Haushalts- bis Spielwaren, später dann Sportartikel, die Kunden lockte. Der Ausblick von hier auf die Altstadt, die Hofheimer Kirchen, das Kreishaus und den umgebenden Wald - beeindruckend für die rund 40 Besichtigungs-Teilnehmer, die CDU-Chef Christian Vogt begrüßen konnte.

Zwei Penthousewohnungen bereits fest reserviert – Zwischen 15 und 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter

Elf Wohneinheiten insgesamt und dazu vier Gewerbeeinheiten entstehen in der Hauptstraße 39 und 41. Die beiden Gebäude sind durch ein gemeinsames Treppenhaus verbunden. Michael Weiß will Eigentümer bleiben, Wohnungen wie Gewerbeflächen sollen vermietet werden. Dass es eine lange Interessentenliste für die Wohnungen gibt, die voraussichtlich zwischen 15 und 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kosten sollen, ließ eine Mitarbeiterin der Weiß Bau- und Projektentwicklung wissen. Zwei der drei Penthousewohnungen seien fest reserviert.

Michael Weiß selbst teilte den Gästen der Baustellenführung mit, dass für drei der Gewerbeflächen feste Mieter gefunden sind. In das Ladenlokal, das wie einst der "Diener" und später "Alfs Sportladen" seinen Zugang auf der Ecke Hauptstraße/Burgstraße haben wird, zieht ein Finanzdienstleister ein, der derzeit in Eschborn tätig ist. Für ihn werden mehrere Beratungsräume auch im Souterrain beim gerade laufenden Innenausbau erstellt. Nachbar auf der Seite zur Burgstraße wird ein Massage-Studio, das bislang einige Häuser weiter seine Dienste anbietet. Die Gewerbefläche im Erdgeschoss des Neubaus Hauptstraße 39 wartet noch auf einen Interessenten. Fest vergeben sind die Gewerbe-Räume über dem Souterrain des früheren "Diener" an der Burgstraße. Hier wird der Psychiater und Psychotherapeut Professor Stephan Volk, derzeit noch Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Main-Taunus-Kliniken, im kommenden Jahr mit Kollegen eine Praxis eröffnen.

Bauherr Michael Weiß (Mitte, weißes Hemd) zeigt den Besuchern die historischen Keller, wegen denen es keine Tiefgarage geben darf.

Reaktionen auf diese Informationen zeigten, dass viele an dieser so zentralen Stelle der Altstadt lieber attraktiven Einzelhandel gesehen hätten als einen Finanzdienstleister und ein Massage-Angebot. Die Vorsitzende des Gewerbevereins Industrie, Handel, Handwerk, Eva Rembser, die genauso zum Rundgang gekommen war, wie einige Ortsbeiratsmitglieder oder der Erste Stadtrat und aktuelle Baudezernent Wolfgang Exner (CDU), befand: "Sicher würde man sich anderes wünschen. Aber das ist einfach unrealistisch." In diesen Zeiten sei es schon toll, wenn man überhaupt langfristige Mieter für Gewerbe in einer Innenstadt finde. Und für diese Art Dienstleister gebe es in Hofheim ja offenbar ein Publikum.

Das dürfte auch für das Angebot gelten, das Michael Weiß sich für den denkmalgeschützten Gewölbekeller überlegt hat. Seine Existenz unter dem Haus Hauptstraße 39 war ein Hauptgrund, aus dem das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden die Planung für einen kompletten Neubau mit Tiefgarage abgelehnt hatte, den Professor Martin Wentz für Weiß entworfen hatte. Das möglicherweise mittelalterliche Gemäuer soll künftig als Weinlager genutzt werden. Der Inhaber will einzelne Lager-Parzellen für je 150 Flaschen vermieten.

Zwang, das Gewölbe zu erhalten, stößt bei Baustellen-Besichtigern auf Unverständnis

Dass der Keller die nötigen klimatischen Bedingungen dafür bietet, davon konnten sich die Baustellen-Besucher problemlos überzeugen. Kühl und feucht war das Gewölbe auch an dem schwülen Sommerabend. Die Säulen darin sind allerdings nicht original, sie stützen den viergeschossigen Neubau über dem denkmalgeschützten Bruchsteinkeller, der Teil einer großen Kelleranlage in der Hofheimer Altstadt ist, die das Landesamt erst noch genauer erforschen möchte.

Der Zwang, das Gewölbe zu erhalten, stieß bei vielen der Baustellen-Besichtiger auf Unverständnis. Es gab aber auch andere Meinungen. Aufgrund der Auflagen habe sich der Bauherr anstrengen müssen, eine charmante Lösung zu finden, meinte etwa Eva Rembser. Die 23 Auto-Stellplätze sind jetzt in einer direkt angebauten doppelstöckigen Garage untergebracht. Gut für die Burgstraßen-Nachbarn gegenüber: Der Kran kommt in wenigen Wochen weg, er wird für den Innenausbau der Gebäude nicht mehr gebraucht. Bezugsfertig sollen diese spätestens im März 2020 sein.

Von Barbara Schmidt

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