Ute Pahle und Inge Lindemann (von links) vom Arbeitskreis Asyl begleiten seit fünf Jahren Zartilla, Hayatullah, Kadir, Ashraf, Hidayat, Enayat, Asia, Nasrat und Nasir Osmani und setzen sich für eine gute Integration der Familie ein.
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Ute Pahle und Inge Lindemann (von links) vom Arbeitskreis Asyl begleiten seit fünf Jahren Zartilla, Hayatullah, Kadir, Ashraf, Hidayat, Enayat, Asia, Nasrat und Nasir Osmani und setzen sich für eine gute Integration der Familie ein.

Flüchtlingspolitik

Streit bei Wohnungssuche für Geflüchtete - Menschen von Obdachlosigkeit bedroht

  • VonBarbara Schmidt
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In Hofheim im Main-Taunus-Kreis sind etwa 30 Geflüchtete von Obdachlosigkeit bedroht. Bei der Wohnungssuche gibt es Streit zwischen Stadt und Kreis.

Hofheim – Es gibt gute Nachrichten zum Neuen Jahr, zumindest, was die Familie Osmani angeht, über deren Zwangs-Auszug aus der Gemeinschaftsunterkunft in der Frankfurter Straße wenige Tage vor Weihnachten diese Zeitung berichtet hatte. Laut der Koordinatorin des Arbeitskreises Asyl, Inge Lindemann, die gemeinsam mit Ute Pahle die Familie aus Afghanistan seit mehr als fünf Jahren betreut, gibt es Aussicht auf eine dauerhafte Bleibe – und das sogar in Marxheim.

Die Stadt, die bei drohender Obdachlosigkeit unterbringungsverpflichtet ist, hatte die neunköpfige Familie in eine leere Wohnung im Wallauer Recepturhof einquartiert. Die Berichterstattung darüber hatte nicht nur das Wohnungsangebot für die Osmanis zur Folge, in dessen Wahrnehmung die Stiftung "Perspektive Wohnen" eingebunden wird, sondern auch zahlreiche Sach- und Geldspenden, wie Inge Lindemann berichten kann. Die evangelische Thomasgemeinde hat sich als Verwalter und Mittler der Geldspenden zur Verfügung gestellt. Nun hoffen die ehrenamtlichen Helfer, dass der Kreis die nötigen Renovierungsarbeiten schnell genehmigt und die Familie aus der Obdachlosenunterkunft bald wieder ausziehen kann. Das könnte den beiden Grundschul-Kindern dann auch einen Schulwechsel ersparen, hofft nicht nur Inge Lindemann.

Hofheim (Main-Taunus-Kreis): Wohnraum für Geflüchtete gesucht

Für viele andere Einzelpersonen und Familien, die der Kreis nicht länger in seinen Gemeinschaftsunterkünften beherbergen kann und will, weil er neue Asylbewerber und zudem afghanische Ortskräfte unterbringen muss, wird aber weiter dringend Wohnraum gebraucht. Denn Tatsache ist, dass weitere Familien mit Bleiberecht nach einem ähnlichen Bescheid, wie ihn die Osmanis erhielten, innerhalb weniger Tage die Gemeinschaftsunterkunft räumen mussten und zur Abwendung von Obdachlosigkeit in einem Diedenberger Hotel untergebracht wurden. Aktuell, so die Stadt, betreffe das 20 Personen, acht weitere sollten folgen, so Rathaussprecherin Iris Bernardelli.

Die Zimmer mit Küchenzeile, die über eine Plattform für Monteurswohnungen im Internet für einen Preis "ab 17,50 Euro pro Person und Nacht" angeboten werden, hat die Stadt offenbar für erheblich mehr Geld angemietet. Nach Informationen dieser Zeitung sollen einer Familie, die zwei Doppelzimmer zugewiesen bekam, dafür Kosten in Höhe von insgesamt 300 Euro pro Übernachtung mitgeteilt worden sein. Das wären stattliche 150 Euro pro Zimmer.

Wohnraum für Geflüchtete in Hofheim: Streit zwischen Stadt und Main-Taunus-Kreis

Aus dem Rathaus hieß es dazu gestern auf eine Anfrage vom Montag, die Stadt wähle "bei der notwendigen Unterbringung zur Vermeidung von Obdachlosigkeit immer die kostengünstigste der zumutbaren Unterbringungsmöglichkeiten". Dabei sei man aber auf "die wenigen überhaupt vorhandenen Angebote angewiesen" und habe "kaum Verhandlungsmacht". Die 150 Euro pro Zimmer "können wir nicht bestätigen", so Rathaussprecherin Bernardelli. Die Stadt stelle die Beträge in Rechnung, die ihr entstünden.

Die untergebrachten Personen seien aus rechtlicher Sicht "Kostenschuldner", erläutert die Stadt zudem. Sind sie zur Zahlung nicht in der Lage, geht die Rechnung weiter an den für Sozialhilfeempfänger zuständigen Main-Taunus-Kreis. Der sieht offenbar Redebedarf, und zumindest Landrat Michael Cyriax (CDU) ist nach Informationen dieser Zeitung der Meinung, dass das bisherige Vorgehen weder den Standards des Kreises noch denen der Kreisstadt entspreche und – wenn nicht rechtlich, so doch menschlich – zu beanstanden sei. Gestern Nachmittag gab es einen Gesprächstermin zwischen Stadt und Kreis.

Main-Taunus-Kreis: Bisher kein Erfolg bei Wohnungssuche für Geflüchtete in Hofheim

Im Hofheimer Rathaus verwies man gestern darauf, dass die zur Vermeidung von Obdachlosigkeit untergebrachten Personen zur selbstständigen Wohnraumsuche verpflichtet seien. Bei geflüchteten Personen "trifft diese Verpflichtung nach Gesetz auch den Main-Taunus-Kreis".

Der hat nach Angaben seines Sprechers Johannes Latsch bisher genauso wenig wie die Stadt Erfolg gehabt mit dem Aufruf, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Auf Facebook hatten Nutzer über den Umgang mit leerstehenden Wohnungen debattiert und zum Vermieten ermutigt. Bürgermeister Christian Vogt (CDU), der auch Aufsichtsratschef der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft ist, will jetzt erreichen, dass die HWB eines ihrer Häuser, das verkauft werden sollte, um Eigenkapital für ein anderes Projekt zu generieren, behält, damit hier Geflüchtete einziehen können. (Barbara Schmidt)

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