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Hofheim: Grüne sehen Neiddebatte um den Dachgarten

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Von: Barbara Schmidt

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Die Baustelle am Kreishaus. Dem Erweiterungsbau des Landratsamts fehlen noch ein paar Stockwerke, über das Dach und seine Nutzung gehen die Meinungen aber bereits weit auseinander.
Die Baustelle am Kreishaus. Dem Erweiterungsbau des Landratsamts fehlen noch ein paar Stockwerke, über das Dach und seine Nutzung gehen die Meinungen aber bereits weit auseinander. © babs

SPD scheitert im Kreistag mit ihrem Antrag: Es gibt nicht mehr Photovoltaik auf dem Dach des Landratsamtes

Hofheim -Die Dach-Nutzung der gerade entstehenden Landratsamts-Erweiterung bleibt auch politisch umstritten. Das zeigte der Schlagabtausch am Montag im Kreistag, den die SPD mit ihrem Antrag auslöste, die "maximal mögliche Dachfläche" solle mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. SPD-Vertreter Bernhard Köppler hob mit Verweis auf den Ukraine-Krieg hervor, es sei "angesichts der politischen Begleitmusik schon fast überflüssig", über die Notwendigkeit noch zu diskutieren.

Dringender denn je gelte es, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die wegführten von der Nutzung fossiler Brennstoffe. Noch sei es zum Umplanen früh genug. Eine moderne Photovoltaikanlage auf dem Kreishaus-Dach könne zudem als Demonstrationsobjekt für andere an dieser Technik Interessierte genutzt werden, schlug Köppler vor. "Hier könnte etwas Begreifbares entstehen, was wirklich einen Mehrwert hat."

"Dächer sind kein knappes Gut"

Für die Koalition aus CDU, Grünen und FDP verteidigte der Marxheimer Grüne Oliver Christ die Planung, die einen Dachgarten vorsieht, der mit Photovoltaik (PV) ergänzt werden soll. Christ fragte rhetorisch, ob "dieses konkrete Dach der richtige Punkt" sei für eine derart grundsätzliche Herangehensweise. Für ihn ist klar: "Dächer sind kein knappes Gut", daher müsse nicht jeder Neubau jetzt mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Wasser zu speichern, wie es der Dachgarten tun soll, sei zudem ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Auch das "grüne Besprechungszimmer" sei eine "sehr gute, zukunftsweisende Idee", denn es werde immer wichtiger, im Wettbewerb um gute Mitarbeiter ein "gutes Arbeitsumfeld zu schaffen".

Die Diskussion darum, dass der Dachgarten nicht öffentlich zugänglich sein soll, nannte Christ eine "Neiddebatte". Dass der Steuerzahler etwas finanziere, was er dann gar nicht nutzen dürfe, gebe es häufig.

Landrat Michael Cyriax (CDU) zeigte sich als Bauherr "sehr dankbar" für Christs Ausführungen. Es lohne sich nicht, zwei berechtigte Anliegen gegeneinander auszuspielen. Die Diskussion habe den Kreis aber zum "Nachdenken und Optimieren" gebracht, verwies er auf die Neuplanung, die, wie berichtet, eine "nahezu Verdoppelung" der PV-Anlage vorsehe, die nun auch an der Fassade Raum erhalten solle.

Man nehme die Vorbildfunktion ernst, wolle aber an den Grundzügen der Planung festhalten. Diese habe auch durch die Kühlwirkung der Pflanzen, die Sammlung von Oberflächenwasser und die Nutzung von Brauchwasser für die Toilettenspülung "eine ökologische Vorbildfunktion, die sich sehen lassen kann" und sei "ökonomisch und ökologisch auf der Höhe der Zeit".

"Peinlicher Auftritt"

Im Erweiterungsbau würden jährlich voraussichtlich zwei Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht. Nun werde darüber gestritten, ob davon zwei oder drei Prozent auf dem Dach erzeugbar wären, versuchte Cyriax zudem die Dimensionen zurechtzurücken.

Während die FWG noch die Idee einbrachte, den Dachgarten mit PV-Modulen zu überdachen, kommentierte SPD-Fraktionschef Dr. Philipp Neuhaus den Auftritt des Grünen Oliver Christ. Zu gern, so Neuhaus, wäre er mal bei einer Koalitionssitzung dabei, um zu erfahren, wie diese es schaffe, ausgerechnet einen Grünen dazu zu bringen, sich als Verteidiger der Absage an mehr Photovoltaik "durch die Manege ziehen zu lassen". Die Öko-Partei habe "über Jahrzehnte" im Kreistag für den Ausbau regenerativer Energien gekämpft, da sei so ein Auftritt "wirklich peinlich".

Wer etwas gegen die Erwärmung tun wolle, so Neuhaus, solle im Vorhof des Landratsamts anfangen, der "eine Betonwüste" sei. Seit zwei Monaten "leben wir in gänzlich anderen Zeiten", erinnerte Neuhaus noch einmal und bekräftigte: "Was jetzt geplant ist, das reicht nicht aus."

Die Koalition und die AfD schmetterten den SPD-Antrag ab, bei wenigen Enthaltungen aus Reihen der Grünen. babs

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