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Die „Spotlights“ haben in Diedenbergen ihr Rolle als jüngste Tanzgruppe an die „Bärenbande“ abgegeben. Entsprechend routiniert meisterten sie ihren Auftritt auf der Bühne.

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Fastnachtssitzung der Narrengilde: Protokoller-Lob für die Bürgermeisterkandidaten, "weil net einer von dene aus Maxem is"

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Für Protokollchef Achim Holler ist die heimische Tanzmaus Friederike Röhr bei der Wahl Favoritin - sowie Wilhelm Otto Klaus Schultze, "besonders schee: trotz drei deutscher Namen parteilos - und nicht AfD".

Hofheim - Eine „Karibische Fastnacht“ erlebten die Gäste der Narrengilde Diedenbergen am Freitag und Samstag in der TV-Turnhalle. Selbst das deutlich verjüngte Komitee hatte sich darauf eingestellt. Die Damen und Herren um den neuen Sitzungspräsidenten Michael Müller trugen statt Narrenkappe einen breitkrempigen Strohhut mit Blümchen.

Ein neuer Sitzungspräsident für die Narrengilde

Noch vor dem Einzug des Komitees gehörte die Bühne Gunther Raupach, denn der Heidenroder musste weiter zum nächsten Auftritt im Mainzer Schloss. Seinen Erfahrungen als geplagter heimwerkender Ehemann, der die von seiner besseren Hälfte gewünschte siebte „Sitzeck’“ im heimischen Garten zu realisieren hatte, schickte Raupach die Frage voraus, ob denn nicht freiwillig jemand im Saal für die Narrengilde den Sitzungspräsidenten machen könne. Die Gefahr, dass sich dafür einer der Bürgermeisterkandidaten im Saal melden könnte, der dann womöglich das Mikro gar nicht wieder hergebe, war dem Redner aber zu groß. So spulte er sein Programm vor einer leeren Elferrats-Bank ab, bevor er verkündete, der neue Sitzungspräsident stehe draußen: „Ein Mann, mit dem man rechne kann:Eroi mit’m!“

Michael Müller, vielfältig ehrenamtlich in Diedenbergen unterwegs, zeigte vor seiner neuesten Rolle Respekt. In die großen Fußstapfen von Freddy Junghenn zu treten, sei schwierig. „Ich hab’ kleine Füß“, ließ Müller die Narrenschar wissen. Dass er anfangs nicht nur mit der eigenen Nervosität, sondern auch mit der Technik zu kämpfen hatte, bei einer Fastnacht à la Karibik hätte man das fast erwarten können: In der paradiesisch anmutenden Region soll ja manch Fluch und Tücke lauern, wenn man einschlägigen Büchern und Filmen glaubt.

Bürgermeisterwahl ist ein vorherrschendes Thema

Vereinschef Achim Holler kämpfte als Protokoller in der Bütt’ unfreiwillig mit einem rutschigen Mikro-Ständer und grüßte „die Massen, die sich zum Bürgermeister wählen wollen lassen“. Sein Eindruck: Zwei der Kandidaten „stechen aus den Bewerbern raus. Einer ist der Schultze, Wilhelm Otto Klaus“. Das klinge „solide und echt“, befand Holler, „nicht wie Jimmy Blue Ochsenknecht“. Für den Protokoller „besonders schee: trotz drei deutscher Namen parteilos – und nicht AfD.“ Aufgefallen ist Holler zudem „unsre Tanzmaus Freddy Röhr“. Die Diedenbergerin, neben Schultz zweite unabhängige Kandidatin, werde sich gewiss leichtfüßig wie Fred Astaire auf der Polit-Bühne bewegen. Der größte Vorteil aller Kandidaten, verriet Holler, sei aber „schon gewiss, weil net einer von dene aus Maxem is“.

Die „Bärenbande 2.0“, elf tanzbegeisterte Mädels zwischen fünf und acht Jahren, und ihre Vorgängerinnen, die sich jetzt „Spotlights“ nennen, sorgten ebenso für Stimmung wie die „Bäckapps“ mit Guantanamera oder „In the Summertime“ und die „Diddeberjer Sterncher“.

Männerballett und Hofheimer "Zigeuner"

Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler, zum letzten Mal auch für das Bühnenbild verantwortlich, wagte sich mit Donald Trump alias Werner Steinwedel in einen schwierigen Dialog. Dabei verschonte er mit seinen Sticheleien zu den Bürgermeisterkandidaten auch den eigenen Mann nicht: Christian Vogt sei „eher so ein schwarzes Schaf, das Angst vor anderen Schafen habe“, ließ er Trump wissen. Dessen Replik: Vielleicht tauge er ja, wenn nicht zum Leitwolf, dann doch zum Leithammel. Zur Linken-Kandidatin Barbara Grassel orakelte Hegeler, sie habe möglicherweise eine Chance, denn „die lässt einen Hausmann für sich arbeiten . . .“

Begabter Nachwuchs in der Bütt’ und als Kerbepfarrer ein echtes Pfund ist Maurice Müller. Er schlüpfte, etwas abseits der Karibik, in die Rolle eines Diddeberjer Oberpolizeihilfspolizisten, der aus dem Nähkästchen plauderte, bevor zum großen Finale das Männerballett aus Marxheim und die Hofheimer „Zigeuner“ erfolgreich die Diedenberger Bühne enterten.

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