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Wie hier an der Niederhofheimer Straße, stehen Litfaßsäulen immer an hoch frequentierten Orten. So können Werber sichergehen, dass die Menschen ihre Plakate sehen.

19 Stück in Hofheim

Litfaßsäule ist auch 164 Jahre nach ihrer Erfindung aus den Städten nicht wegzudenken

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Werbung Litfaßsäule ist auch 164 Jahre nach ihrer Erfindung aus den Städten nicht wegzudenken - 19 Stück in HofheimAuf dem Weg durch Hofheim fallen einem immer wieder Litfaßsäulen ins Augen. Doch wie viele stehen eigentlich in der Kreisstadt und wer wirbt überhaupt noch auf diese traditionelle Weise?

Hofheim - Sie sind bunt, beklebt und haben hohe Strahlkraft. Außerdem haben sie einen großen regionalen Werbeeffekt, denn sie stehen meist in Innenstädten, an Hauptverkehrsstraßen und in Wohngebieten. Die Rede ist von Litfaßsäulen. In Deutschland eingeführt hat sie im Jahr 1855 der Berliner Drucker Ernst Litfaß. Seine Idee holte er sich in London und Paris, wo bereits in den 1830er Jahren Säulen als Werbeträger eingesetzt wurden.

In Hofheim stehen noch immer 19 dieser Säulen. "Kommunale Firmen und Kulturtreibende nutzen diese Art der Werbung", berichtet Jochen Gutzeit vom Fachverband Außenwerbung. Es sei in der heutigen Zeit eine der günstigsten und zugleich effektivsten Möglichkeiten, die Menschen zu erreichen. "In einer Dekade werden rund 51,4 Prozent der in Hofheim lebenden Menschen über 14 Jahre erreicht. Das ist mit einem anderen Medium kaum noch zu erreichen", so Gutzeit.

Alexander Stotz, Geschäftsführer von Ströer Media Deutschland sagt: "In einer zunehmend digitalen Welt ist die Litfaßsäule nach wie vor ein beliebtes und präsentes Medium. Besonders für Kulturtreibende und lokale Kunden stellt die Litfaßsäule eine zielgerichtete und kostengünstige Kommunikationslösung dar. Der Preis für ein Plakat auf einer Litfaßsäule liegt beispielsweise bei 0,76 Euro pro Fläche." Ströer ist der Vertragspartner der Stadt Hofheim für Außenwerbung.

Rund 10 Tage hängt ein solches Plakat dann an der Litfaßsäule, bevor es überklebt wird. So werden die Säulen über die Jahre immer dicker. Daher müssen die Säulen auch immer wieder mal "geschält" werden. "Das kommt allerdings sehr selten vor", teilt ein Sprecher von Ströer mit. "Dann rückt ein Mitarbeiter mit der Kettensäge an und schneidet den Mantel von oben bis unten einmal durch." Wann die nächste Schälung in Hofheim anstehe, sei nicht vorauszusagen.

Trotzt der Digitalisierung

In Zeiten des Internets und der zunehmenden Digitalisierung ist es kaum vorstellbar, dass die Litfaßsäule eine gute Werbemöglichkeit ist. Doch Alexander Stotz weiß: "Es gibt keine signifikanten Veränderungen. Mit dem aktuellen Bestand der Litfaßsäulen bieten wir unseren Kunden ansprechende moderne Werbeträger und verzeichnen ein positives Buchungsverhalten." Jochen Gutzeit ergänzt: "Der große Vorteil von Litfaßsäulen liegt darin, dass man gegenüber der Werbung im Internet die Menschen ortsgebunden und so auch gezielt erreicht."

Besonders die Litfaßsäulen in der Hofheimer Innenstadt bieten so auch ein Gesprächsthema beim Bummeln in der Stadt. In der Hofheimer Kernstadt stehen zwölf Litfaßsäulen verteilt auf die Innenstadt und die Wohngebiete. In Marxheim sind es drei, in Diedenbergen zwei und in Langenhain und Wallau jeweils eine, während in Wildsachsen und Wallau kein einziges Exemplar der Reklamesäulen mehr steht. Das ergibt insgesamt 19 Säulen in der Kreisstadt.

Das es mittlerweile rund 50 000 Säulen in Deutschland gibt, hat sich der deren Erfinder und Namensgeber Ernst Litfaß wohl nicht ausmalen können, als er 1855, angeregt durch die sich immer mehr verbreitende Wildplakatierung, den Berliner Behörden vorschlug, im ganzen Stadtgebiet Plakatsäulen aufzustellen. Die Bürger sollten ihre Zettel und Mitteilungen gegen eine geringe Gebühr veröffentlichen können. Mit einer exklusiven und kommunalen Berechtigung ausgestattet, startete Litfaß damals das erste Werbeträgernetz überhaupt.

Denkmal für Erfinder

Noch heute steht in Berlin die älteste Litfaßsäule. Über 160 Jahre ist sie alt. "Heute gibt es dort ein Denkmal in Form einer Säule. Sie ist reich verziert mit Bildern und Schriftstücken und erinnert an das Leben des Erfinders Ernst Litfaß", erzählt der Ströer-Chef. Neben der klassischen Litfaßsäule sieht man heutzutage immer häufiger die moderne Version, eine Säule aus Stahl, bei der die Plakate hinter einer Scheibe hängen, teilweise dreht sich das Innenleben sogar. Doch die gute alte Litfaßsäule ist nicht am Aussterben. Auch wenn viele das befürchteten als es kürzlich hieß, dass in Berlin alle Litfaßsäulen abmontiert werden würden. "Die Säulen werden nur ausgetauscht, da der Anbieter wechselt", weiß Gutzeit vom Fachverband Außenwerbung. Dann können die Bürger beruhigt sein, dass die 2,50 Meter hohe Säule auch in Zukunft eine verlässliche Anlaufstelle sein wird.

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