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Der Abstand der neuen Gebäude an der Eppsteiner Straße zu den Bestandsgebäuden ist nicht gerade groß. Da wundert sich niemand, wenn das den bereits dort lebenden Anwohnern nicht gefällt. 

Wohnungsbau

Bauvorhaben sorgen in Hofheim für Aufregung 

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Immer wieder erregen Neubauprojekte den Zorn von Nachbarn und Ortspolitikern. Aber die Möglichkeiten der Stadt, Investoren an der Leine zu halten, sind begrenzt.

Hofheim – Der Vorgang wiederholt sich dutzendfach in den Hofheimer Wohnquartieren: Der letzte Bewohner eines Einfamilienhauses stirbt, ein Investor kauft das Grundstück und bebaut es neu. Weil die Firma Gewinne machen soll, werden die Bebauungsmöglichkeiten voll ausgenutzt. Das neue Haus wird deutlich größer, passt nach Ansicht der Nachbarn nicht mehr ins Quartier. Kann die Stadt steuernd eingreifen?

Der Ortsbeirat Langenhain zum Beispiel geht davon aus, dass das möglich ist. Der Magistrat solle dafür sorgen, dass Bauanträge sich am Bestand der Umgebung orientieren, vor allem im alten Ortskern. Und der Ortsbeirat solle in die Entscheidungen über Bauanträge eingebunden werden, wurde beschlossen, und das einstimmig. Veranlasst fühlte sich das Stadtteilparlament durch zwei Bauvorhaben in der Usinger Straße und in der Eppsteiner Straße, außerdem durch die Planungen für ein Grundstück in der Enge Straße.

Schaut man sich die Vorhaben an, versteht man die Aufregung. Bei beiden Grundstücken sieht es so aus, als seien sie dichter bebaut als die Nachbargrundstücke. Man sieht, dass die Grenzabstände gerade so eingehalten sind. Hier wie dort entstehen dem aktuell dominierenden Geschmack entsprechend Flachdachhäuser.

Schon seit einer Weile sind ähnlich repräsentative Neubauen in den teureren Hofheimer Lagen zu sehen, am Kapellenberg und am Rosenberg, neuerdings aber auch in den Stadtteilen. "Der Druck ist überall hoch", sagt Erster Stadtrat und Baudezernent Wolfgang Exner (CDU).

Recht auf Baugenehmigung

Aber an den Langenhainer Projekten lassen sich die Mechanismen aufzeigen. An der Usinger Straße lässt ein alter Bebauungsplan zwei Vollgeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss zu - gebaut wurden zwei Geschosse und ein Staffelgeschoss. Das geht nach Bebauungsplan. Da nutzt es den Nachbarn rechtlich gar nichts, dass sie kleinere Häuser haben.

"Oft wurden früher die Möglichkeiten des Bebauungsplanes gar nicht ausgeschöpft", sagt Peggy Peukert von der Bauverwaltung im Rathaus. Wenn das jetzt dann jemand tut, wird es als unpassend wahrgenommen - gelegentlich auch im Magistrat. Aber der Bauherr hat, wenn er den Bebauungsplan einhält, ein Recht auf eine Baugenehmigung. Das weiß auch das Team im Kreisbauamt, das für die Erteilung der Baugenehmigung zuständig ist und sich über eine Ablehnung der Stadt hinwegsetzen kann.

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Erst recht schlechte Karten hat da der Ortsbeirat. "Ausgeschlossen" nennt es Exner, das Stadtteilparlament an Baugenehmigungsverfahren zu beteiligen. Das scheitere schon daran, dass diese Verfahren ein Geschäft der laufenden Verwaltung sind, also des Magistrats. Außerdem tage der Ortsbeirat so selten, dass die Fristen gar nicht einzuhalten sind, die es bei der Bearbeitung von Bauanträgen gibt.

Hofheim: In Umgebung einpassen

Für viele Quartiere gibt es aber keinen Bebauungsplan - dann muss sich das Projekt in die Umgebung einpassen. Dabei geht es um die Gebäudehöhe und die Ausnutzung des Grundstücks. Schon die Zahl der Wohnungen dürfe nicht zum Maßstab gemacht werden, kennt Peggy Peukert von der Bauverwaltung einschlägige Gerichtsurteile. Es könne auch in solchen Gebieten nicht nach dem Geschmack der Magistratsmitglieder gehen, so Baudezernent Exner.

Was kann man also tun? Eine Hochbaukommission einrichten, die den Magistrat berät? Die müsse sich ebenso an die Rechtslage halten und könne zu keinen anderen Ergebnissen kommen als der Magistrat, sagt Exner. Die ganze Stadt mit Bebauungsplänen überziehen und vorhandene Bebauungspläne ändern, um striktere Festsetzungen zu treffen? So viele Mitarbeiter hat die Stadt gar nicht, um das in absehbarer Zeit durchzuziehen. Und so mancher Versuch liefe ins Leere, macht Peukert klar. Gibt es in einem Quartier schon zwei oder drei Flachdachbauten, sei ein Bebauungsplan, der solche verbietet, rechtlich nicht mehr zu halten.

Bauvorhaben: Stadt setzt auf Beratung

So kann man also nur auf die Einsicht der Bauherren hoffen, so wie in Lorsbach, wo auf dem Gelände einer früheren Schreinerei wieder Häuser mit Satteldächern gebaut werden, die optisch einigermaßen passen. Die Stadt geht davon aus, dass man bei so manchem Bauherren mit einer Beratung schon weiterkommt. In der Engen Straße, um nach Langenhain zurückzukommen, wurde das Einvernehmen schon zwei mal verweigert, weil die geplante Bebauung aus städtischer Sicht zu massiv ausgefallen wäre.

Neue Kompromisse

Viele Planer ließen sich auf Kompromisse ein, weil sie nicht durch lange Verfahren, womöglich noch vor Gericht, aufgehalten werden wollen. Ob sich die Stadt ihrerseits viel zu kompromissorientiert verhält oder ob sie die Bauherren übermäßig gängelt darüber werden die Meinungen auch künftig auseinandergehen.

Von Manfred Becht

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