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Ein Hund wird am Ohr untersucht. Die Tierklinik in Hofheim deckt für Klein- und Heimtiere unter anderem die Bereiche Innere Medizin, Radiologie, Onkologie, Neurologie und Chirurgie ab.

Ausrüstung mit High-Tech-Geräten

Tierklinik Hofheim kümmert sich um die scheinbar aussichtslosen Fälle

Tiere gehören für viele Menschen zur Familie. Deshalb ist die Bereitschaft groß, ein krankes Tier mit High-Tech-Medizin wie in der Tierklinik Hofheim behandeln zu lassen - auch wenn das teuer werden kann.

Hofheim - Rumo muss zum Ultraschall. Bei dem braun-weißen Mischlingshund wird in der Tierklinik Hofheim die Harnblase kontrolliert. Internistin Sabine Gleich fährt mit dem Gerät vorsichtig über den Bauch des Hundes, der brav auf dem Rücken liegt. Dann gibt die Tierärztin Entwarnung: Alles in Ordnung, Rumo ist gesund. Leider sieht es bei den meisten Patienten der Klinik nicht so gut aus. Viele sind so schwer erkrankt, dass sie von ihrem Haustierarzt an die Klinik überwiesen wurden. Aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland werden Vierbeiner von ihren Besitzern nach Hofheim am Taunus gebracht.

Mit 75 Ärzten und 220 Mitarbeitern zählt die Einrichtung zu den größten Tierkliniken in Europa. Rund 150 Tiere werden am Tag ambulant behandelt, dazu kommen 30 bis 40 kranke Vierbeiner auf der Station. Hier ist es überraschend ruhig - kein lautes Gebell oder Miauen. Die meisten Patienten liegen in ihren Käfigen, viele werden über eine Kanüle mit Medikamenten versorgt oder von Geräten überwacht.

Katzen haben eine eigene Station

Die Katzen sind auf einer eigenen Station untergebracht. In den speziellen Käfigen gibt es für die empfindsamen Tiere einen kleinen, dunklen Rückzugsort. In dem Raum läuft ganz leise Musik. "Das beruhigt Katzen", erklärt Tierärztin Katharina Kessler. Die Klinik ist als besonders katzenfreundlich zertifiziert. Es gibt unter anderem eigene Behandlungszimmer mit Klettermöglichkeiten und Katzenklo sowie ein Katzen-Wartezimmer mit erhöhten Abstellmöglichkeiten für die Transportkisten.

Natalia Ruck, tiermedizinische Fachangestellte, betreut Kater Felix nach der OP.

"Wir bieten keine Basisbetreuung an wie Impfen, Ohren reinigen oder Krallen schneiden", erklärt Kessler. "Wer zu uns kommt, der ist ernsthaft krank." Der große Unterschied der Klinik zu einer Tierarztpraxis ist die stärkere Spezialisierung auf einzelne Fachgebiete. Wie in einer Klinik für Menschen gibt es beispielsweise Extra-Abteilungen für Neurologie, Orthopädie oder für krebskranke Tiere. Die meisten Tierärzte der Klinik haben neben ihrer klassischen Grundausbildung eine Zusatzqualifikation.

Ausrüstung mit High-Tech-Geräten in Tierklinik Hofheim  

Auch die Ausrüstung mit High-Tech-Geräten kann mit einer Klinik für Menschen locker mithalten: In Hofheim steht eine der wenigen Bestrahlungsanlagen für Tiere in Deutschland. Daneben gibt es etwa einen Computertomografen (CT) und einen Magnetresonanztomografen (MRT). In der Tierklinik sind 75 Prozent der Patienten Hunde, 20 Prozent Katzen und die übrigen 5 Prozent Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen und Vögel.

Viele Haustiere würden inzwischen im Durchschnitt deutlich älter als noch vor wenigen Jahrzehnten - mit gutem Futter und guter Haltung. Das bedeutet auch, dass mehr Krankheiten auftreten, wie Kessler erklärt. Insgesamt habe das Haustier inzwischen für viele Menschen einen sehr hohen Stellenwert, ist teils Partner- oder Kindersatz. Daher sind Besitzer bereit, teils viel Geld für eine Behandlung zu bezahlen. "Wer hochklassige Medizin in Anspruch nehmen will, der weiß, dass das etwas kosten wird", sagt Kessler.

Krankes Tier: Besuch eine emotionale Sache

Der Besuch mit dem geliebten schwerkranken Tier in der Klinik ist für viele Herrchen und Frauchen eine sehr emotionale Sache. "Es besteht oft viel Redebedarf", berichtet die Tierärztin. Die Ärzte und Mitarbeiter müssten auch mit trauernden und schwierigen Besitzern umgehen können.

Ein Hund liegt auf dem OP-Tisch und wird dabei vom Narkosearzt beobachtet. Die Tierklinik in Hofheim deckt für Klein- und Heimtiere unter anderem die Bereiche Innere Medizin, Radiologie, Onkologie, Neurologie und Chirurgie ab.

Verführt die moderne Tiermedizin dazu, zu lange an einem todkranken Tier herumzudoktern? Für Tierärztin Kessler gilt der Grundsatz, dass eine Lebensverlängerung nur dann zu verantworten ist, wenn das Tier auch Chancen auf eine gute Lebensqualität hat.

In den ethischen Grundsätzen der Tierärzte in Deutschland sei verankert, dass sowohl eine Lebensverlängerung als auch eine Lebensverkürzung abgelehnt werde, wenn sie nur auf dem Wunsch des Besitzers beruhe, sagt Professor Peter Kunzmann von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Hier sei die Integrität des Tierarztes gefragt. "Der Maßstab seines Handelns muss das Wohlbefinden des Tieres sein", betont der Experte für tierärztliche Ethik. Allerdings stünden auch Tierärzte - wie Kollegen der Humanmedizin - vor der Herausforderung, ihre Praxis wirtschaftlich zu betreiben.

Für die Behandlung etwa eines krebskranken Hundes können schnell mehrere Tausend Euro zusammenkommen. Für Kunzmann sind auch hohe Summen moralisch vertretbar - solange das Leben nicht unnötig verlängert wird oder Tiere leiden, nur weil sich der Besitzer nicht trennen kann.

Tierklinik Hofheim: Extra-Raum für das Verabschieden

"Wenn klar ist, das Tier ist unheilbar krank und es ist nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen - dann sollte man das Leiden beenden", sagt auch der Präsident der hessischen Landestierärztekammer, Ingo Stammberger. "Natürlich müssen Tierärzte darauf achten, dass sich ihre Praxis auch rechnet. Da wird es Kollegen geben, die das medizinisch Mögliche ausreizen - und andere, die den Besitzern früher sagen, dass eine Behandlung nicht mehr sinnvoll ist."

In der Tierklinik Hofheim kommt es regelmäßig vor, dass Tiere von ihrem Leiden erlöst werden müssen. "In solchen Situationen gilt wieder: Viel reden, viel erklären", sagt Tierärztin Kessler. Wenn ein Besitzer die Zeit braucht, dann kann er sich in einem Extra-Raum in Ruhe von seinem Tier verabschieden. Dies sei auch für den Patienten wichtig. "Für ein Tier ist es oft besser, wenn der Besitzer bis zum Schluss dabei ist." (dpa)

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