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Großbaustelle am Kapellenberg: Nach Händel und Sinatra und den üblichen Reden hält Zimmermann-Meister Stefan Schmidt den Richtspruch.

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Umstrittenes HWB-Projekt „Wir am Klingenborn“ feiert Richtfest

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Auf großes Interesse stieß gestern das Richtfest für das HWB-Projekt „Wir am Klingenborn“. In einem Jahr soll es bezugsfertig sein.

Hofheim - Durchaus geteilt zeigten sich gestern beim Richtfest die Meinungen zum Bauprojekt der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) Am Klingenborn. Dass es von der Masse der Baukörper ähnlich wenig zum Kapellenberg passe wie das Krankenhaus, war etwa zu hören. „Ich kann gar nicht so viele Bäume pflanzen, dass ich das hier nicht mehr sehen muss“, äußerte sich eine Nachbarin ebenfalls wenig begeistert über das „zugeklotzte Grundstück“, das einmal ein Park gewesen ist.

Ganz anders klang das bei denen, die ans Mikrofon traten. Bei Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) etwa, die nach Händels Halleluja, geschmettert von drei jungen Trompetern der Musikschule, das Projekt als „Leuchtturm“ interpretierte, „der vielen Menschen eine Orientierung gibt und Sicherheit: Du kannst in dieser Stadt alt werden.“ In Hofheim rede man nicht nur über das, was notwendig sei, wie bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, hier werde auch etwas dafür getan.

41 Wohneinheiten

Als eine mögliche Antwort auf die Herausforderung des demographischen Wandels sei „Wir am Klingenborn“ gedacht, erinnerte auch HWB-Geschäftsführer Josef Mayr. Auf dem 3300 Quadratmeter großen Grundstück, das die Stadt mit der Auflage geerbt hatte, eine medizinische Einrichtung für alte Menschen zu schaffen, entstehen 41 Wohneinheiten. Eine Demenz-Wohngemeinschaft, ambulant betreut vom Caritas-Verband, erfüllt den Willen der Erblasserin. Ein Mehrgenerationen-Wohnen wird der Verein „NahBarschaft“ zudem hier umsetzen. Dafür stehen 14 Wohnungen zur Verfügung. Ein seniorengerechtes Wohnen mit Serviceleistungen soll in 18 Wohnungen möglich sein. „Auch für uns ist das ein außergewöhnliches Projekt“, so HWB-Geschäftsführer Mayr, der an den langen Vorlauf erinnerte. Dass zu Beginn der Planung von einem Altenpflegeheim die Rede gewesen und man im Lauf der Zeit zu einem „ambitionierten Gegenentwurf zur klassischen Altenpflege“ gekommen sei, ist für Architekt Ulrich Wagner (CNK Planungsgesellschaft Hanau) das Bemerkenswerte. Sein Urteil: „Die Mühen haben sich gelohnt.“

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Das finden auch diejenigen, die hier bald einziehen möchten. Für den Verein „NahBarschaft“ sagte Marco Deus, es habe nach der langen Planungsphase „gut getan zu sehen, dass es voran gegangen ist“. HWB-Geschäftsführer Mayr hatte vorab versichert, das Projekt sei im Zeitplan und werde voraussichtlich im nächsten Frühjahr fertiggestellt sein.

Nichts gegen die Menschen

Zu denen, die für die lange Verzögerung mit verantwortlich waren, gehört Nachbar Clemens Sommer. Gleichwohl entschloss er sich gestern, die Menschen schon einmal willkommen zu heißen, die 2020 hier einziehen werden. „Wir sind die ,arroganten Säcke’, die hier wohnen“, so Sommers ironische Selbstvorstellung, mit der er entsprechende Äußerungen über die Gegenwehr aus der Nachbarschaft aufgriff. Es sei ja kein Geheimnis, dass es gerichtliche Auseinandersetzungen um das Bauvorhaben gegeben habe, so Sommer. „Wir hätten uns damit anfreunden können, wenn nicht die vierte Etage wäre“, so der Familienvater. Aber da es die vierte Etage gebe, könne man sich mit den Gebäuden eben nicht anfreunden. Sehr wohl aber mit den Menschen – denn diesen Unterschied wollen zumindest Sommer und seine Familie machen. Er stellte damit heraus, dass der Grund für die Gegenwehr nie die Menschen waren, für die hier gebaut wird, sondern einzig das Ausmaß der Grundstücksausnutzung – die auch in der Stadtverordnetenversammlung und im Ortsbeirat Kritiker hatte.

 Er freue sich auf ein reges Miteinander, auf einen Austausch und mal ein Feierabendbier auf der Straße, wie es hier schon üblich sei im Sinne guter Nachbarschaft, so Sommer. Seine Anregung, demnächst ein Straßenfest zu organisieren, wird wohl kaum auf taube Ohren getroffen sein bei der HWB. Die bot gestern gleich auch erste Führungen durch den Rohbau an, die auf großes Interesse stießen. Nicht nur der grandiose Ausblick von der Dachterrasse des Staffelgeschosses war dabei interessant. Gerade von der Demenz-Wohngemeinschaft wollten viele sich ein genaueres Bild machen.

Interessenten für die Demenz-WG bekommen bei der HWB unter Telefon (0 61 92) 99 53 51 weitere Infos. Der Verein „NahBarschaft“ (Internet: www.nahbarschaft.de) ist unter der Nummer (0 61 92) 20 03 045 erreichbar.

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