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Milka Schmidt vom Gasthaus „Zum Taunus“ in der Oberen Hauptstraße findet eine Fußgängerzone prima. Dann könnte sie ihren Gästen eine attraktivere Außenbewirtschaftung anbieten.

Hauptstraße

Verlängerung der Fußgängerzone ist in der Diskussion – Unfreiwillige Testphase läuft schon

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Wie kann die Hofheimer Altstadt verkehrsberuhigt werden? Eine Frage, die nicht nur die Bewohner, sondern auch Politiker, Geschäftsleute und Kunden bewegt. Wir haben uns umgehört.

Hofheim - Nahezu alle Bürgermeisterkandidaten hatten das Problem gesehen: Der Durchgangsverkehr in der Hofheimer Altstadt sollte unbedingt angegangen werden. Wie, das ist die große Frage. Während Bianca Strauss (Grüne), Andreas Nickel (FWG) und der wohl künftige Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) in ihren Antworten auf eine entsprechende Frage der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt einer Ausweitung der Fußgängerzone in der Hauptstraße das Wort redeten, votierte Barbara Grassel (Linke) gar für eine ganz autofreie Altstadt, und auch Friederike Röhr (parteilos) konnte sich dies auf Dauer vorstellen. Der künftige Bürgermeister Christian Vogt (CDU) will erst einmal ein Verkehrskonzept für ganz Hofheim, in dem die Frage mitbedacht werden soll.

Umsatzrückgänge

 Aktuell gibt es bereits eine Art „Verkehrsberuhigung“ durch die Sperrung der Burgstraße im Bereich des früheren Kaufhauses Diener. Das scheine bei vielen gut anzukommen, stellte Bernhard Köppler beim Bürgerforum des Kreisblatts vor der Stichwahl fest. Die davon betroffenen Geschäftsleute sind über die Ruhe vor ihren Türen allerdings alles andere als glücklich. Alle Befragten klagen unisono über deutliche Umsatzrückgänge. „Wenn das noch bis zum Ende des Jahres hier so bleibt, mit dem Kran direkt vor der Tür und der gesperrten Straße, dann bin ich hier weg“, machte Arno Reuter vom Weinladen in der Burgstraße im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. Die Tatsache, dass sein Laden nur noch von Fußgängern erreicht werden kann, mache das Überleben in einem ohnehin schwieriger gewordenen Markt noch schwerer. Hier auf Dauer keinen Autoverkehr mehr zu haben, kann er sich entsprechend nicht vorstellen. „Wer trägt denn eine Kiste Wein durch die Fußgängerzone?“ Zumindest anfahren sollten Kunden auch auf Dauer die Geschäfte in der Altstadt können, findet Reuter. Auch für seine ebenfalls besonders betroffene Nachbarin, die Goldschmiedin Vera von Osterhausen, ist die unfreiwillige „Testphase“ alles andere als ein Mutmacher, was eine Fußgängerzone angeht.

Mit Blick auf die Baustelle glaubt sie nicht an deren Fertigstellung bis zum Jahresende, eher werde es bis zum nächsten Sommer dauern, „und ich hoffe, dass wir dann noch da sind.“ Persönlich finde sie es eigentlich immer gut, Autos zu verbannen, doch für ihr Geschäft habe es sich bisher nicht als positiv gezeigt. Daher sei sie hin- und hergerissen. Wenn ihr eine Öffnung für den Autoverkehr mehr Kunden brächte, dann sei ihr das als Geschäftsfrau jedenfalls lieber.

Mohammad Ramezan, mit seinem Schuhladen gleich um die Ecke in der Oberen Hauptstraße, findet, „eigentlich sind das Problem hier nicht die Autos“. Auch er beklagt starke Umsatzrückgänge trotz seiner „Baustellenpreise“. In seinen Augen wäre wichtiger als die Frage, ob weiter Autos durchfahren oder eine reine Fußgängerzone entstehen soll, dass etwas für die Aufenthaltsqualität getan würde. „Eine Wurstbude hier oben, ein bisschen Musik, etwas in der Art“ würde er sehr begrüßen. Da reichten nicht drei Feste im Jahr. Die Verkäuferin, die im Laden gegenüber Kleidung verkauft, sieht es genauso. „Schön ruhig hier jetzt – aber das ist einfach zu ruhig“, sagt sie.

Mehr Attraktivität

 Das junge Paar, das gerade die Hauptstraße herunterkommt, scheint es dagegen zu genießen, hier auf kein Auto achten zu müssen. „Gerade wenn ich mit dem Kinderwagen unterwegs bin, fühle ich mich weiter oben in der Hauptstraße oft richtig bedrängt“, berichtet die Neu-Hofheimerin, die in der Friedensstraße wohnt. Von ihm aus müssten in der Oberen Hauptstraße keine Autos fahren, meint ihr Ehemann. Er selbst fahre grundsätzlich immer außen herum in Richtung Hofheim-Nord, über den Schmelzweg und die Zeilsheimer Straße. „Das geht schneller“.

Dagegen weiß Clothild Wolf, seit fünf Jahren mit ihrem Woll-Geschäft in der Oberen Hauptstraße, dass viele Innenstadt-Besucher gern in diesem Bereich parken. Eine Fußgängerzone kann sie sich nur hier vorstellen, wenn etwas für mehr Attraktivität getan würde. „Die Straße nur für die Autos sperren, das reicht nicht.“ Immer wieder hört sie von Passanten Sätze wie: „Lass uns umkehren. Weiter oben kommt nichts mehr“. Dieser Eindruck liegt für sie auch an der Art, wie sich der Straßenraum präsentiert. Uneingeschränkt ja zu einer Fußgängerzone würde Milka Schmidt sagen, die mit ihrem Mann die einzige verbliebene Gaststätte in der Oberen Hauptstraße betreibt. „Die Gäste wollen im Sommer gern draußen sitzen“, weiß sie. Wo dauernd Autos kämen, sei das aber nicht attraktiv.

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