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Zuschüsse fehlen

Wie geht's weiter mit der Ökumenischen Wohnhilfe?

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Rettet die Stadt Eschborn die Ökumenische Wohnhilfe? Der Zuschuss der Kommune gibt neue Hoffnung, aber es ist noch längst nicht alles in trockenen Tüchern.

Hofheim - Dass die Ökumenische Wohnhilfe überflüssig sei, hat angesichts der Situation auf dem Wohnungsmarkt niemand behauptet. Aber ein Dissens zwischen Wohnhilfe und Caritas auch über arbeitsvertragliche Konstruktionen hat viele Parlamentarier im Kreis bewogen, beantragten Zuschüssen für den Verein nicht zuzustimmen. Im Kreishaus soll die Vereinsführung wegen ihrer gelegentlich deutlichen sozialpolitischen Worte nicht nur Freunde haben.

Ökomenische Wohnhilfe: Es fehlen 50 000 Euro

Ausschlaggebend für das mögliche Aus des Vereins ist aber, dass der Caritasverband seine Beteiligung eingestellt hat – und damit fehlen der Wohnhilfe in diesem Jahr 50 000 Euro.

Diesen Betrag hat nun die Kommune im Kreis zugesagt, der das finanziell am leichtesten fällt: Eschborn nämlich. Dort hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, einen einmaligen Zuschuss von 25 000 Euro zu gewähren. Weitere 25 000 Euro sollen fließen, wenn bis Ende Juni ein tragfähiges Konzept für die künftige Arbeit des Vereins vorgelegt wird – und dazu gehört auch die Finanzierung.

Das ist keine Rettung - aber ein Lichtblick

Die Grünen hatten dies als Kompromissvorschlag eingebracht, trotzdem lehnten CDU, FDP und Dietmar Jerger (Bürgerliche) ab. Freie Wähler und Linke hatten gleich die 50 000 Euro bewilligen wollen.

Wohnhilfe-Chef Günter Adam sieht die Organisation noch nicht am Ende.

„Das ist nicht die Rettung, aber ein Lichtblick“, schildert Günter Adam, Vorsitzender der Ökumenischen Wohnhilfe, die Bedeutung dieses Beschlusses. Die Mittel reichen nicht aus, um wieder Personal im früheren Umfang beschäftigen zu können. Das waren ein Geschäftsführer und zwei weitere Mitarbeiter. Das wäre allerdings auch nicht die Absicht des Eschborner Beschlusses gewesen.

Wohnhilfe in Hofheim: Ein neues Konzept

Der Zuschuss aus der reichsten Stadt im Kreis verbessert aber die Aussichten der Wohnhilfe erheblich, zu einem neuen Konzept zu kommen. Der Verein stehe am Anfang dieser Bemühungen, Verhandlungen mit neuen Partnern würden gerade erst beginnen.

Wie die Wohnhilfe fortan funktionieren könnte, dazu kann Adam daher jetzt noch nichts sagen. „Ich kann nichts versprechen“, sagt er einerseits. Andererseits würde er, so der Vorsitzende, die Anstrengungen nicht unternehmen, würde er nicht gewisse Erfolgsaussichten sehen.

Dominoeffekt

Klar ist, dass neue Kooperationspartner oder Zuschussgeber leichter überzeugt werden können, wenn finanziell schon einmal ein Anfang gemacht ist. Ganz ähnlich habe es umgekehrt einen Dominoeffekt gegeben, erinnert Adam. Nach dem Ausstieg der Caritas wollten auch andere keine Unterstützung mehr leisten. Nun könnte sich die Spirale wieder in die andere Richtung drehen.

Zuletzt hat sich die Gemeindevertretung in Kriftel mit dem Thema befasst. Die Gemeinde hatte bislang die Ökumenische Wohnhilfe mit 675 Euro pro Jahr bezuschusst. Bei diesem Zuschuss soll es bleiben, das haben die Ausschüsse in der vergangenen Woche beschlossen, auch wenn die Kommune künftig die Verwaltung von fünf Wohnungen der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul übernimmt, die bislang von der Wohnhilfe betreut wurden.

Umdenken im Kreistag? SPD will Zuschüsse erhöhen

Um den Verein noch stärker zu unterstützen, wollten die Sozialdemokraten den Zuschuss gerne auf 1500 Euro anheben. Doch mit dieser Forderung blieben die Genossen alleine. Die anderen Fraktionen neigten eher dazu, den Zuschuss ganz zu streichen, nachdem die Wohnhilfe in Kriftel nicht mehr aktiv sei. Aber so weit wollte dann doch keiner gehen und somit kann der Verein in diesem Jahr weiter mit einer Unterstützung von 675 Euro aus Kriftel rechnen.

Diese Mittel helfen mit, bei der Wohnhilfe einen Mitarbeiter mit einer 40-Prozent-Stelle zu finanzieren. Dieser kümmert sich um die Wohnungen, die von der Wohnhilfe selbst verwaltet oder vermietet werden. Da sei einiges zu tun, sagt Adam, der Mitarbeiter komme mit den anstehenden Renovierungsarbeiten kaum nach. Im Moment gehe es vor allem darum, alle Wohnungen zu halten. Adam: „Wir wollen niemanden obdachlos machen.“

Womöglich bewegt der Eschborner Zuschuss ja auch die Kreistagsmehrheit zu einem Umdenken. Im vergangenen Jahr war dort ein Vorstoß zugunsten der Wohnhilfe abgelehnt worden. Am kommenden Montag steht nun ein Antrag der Linken auf der Kreistags-Tagesordnung, der darauf hinausläuft, die Wohnhilfe stärker zu unterstützen.

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