Torben und Christian Bayer beim Baumpflanzen, im Hintergrund Torbens Bruder Sören und die Mama, die ebenfalls kräftig mit anpackt.
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Torben und Christian Bayer beim Baumpflanzen, im Hintergrund Torbens Bruder Sören und die Mama, die ebenfalls kräftig mit anpackt.

Natur & Umwelt

Hofheim: Hier entsteht ein neuer Wald

  • VonBarbara Schmidt
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Bei einer Pflanzaktion in Langenhain wurden Sorten verwendet, die gut mit dem Klimawandel zurechtkommen

Langenhain. -Torben (9) und sein Vater Christian Bayer arbeiten Hand in Hand. Die beiden Langenhainer gehören mit der ganzen Familie und Freunden am Samstag zu den ersten fleißigen Helfern bei der Baumpflanzaktion der Bürgerstiftung. Zuerst gilt es, mit dem Spaten ein Loch in den Waldboden zu buddeln. Nicht immer ganz einfach, denn oft trifft da Metall auf Stein. Immerhin, das Erdreich ist ziemlich locker hier an diesem Hanggelände im Langenhainer Wald, unweit des Judenkopfs.

Die rund 3000 Quadratmeter große Brachfläche, auf der sich zwischenzeitlich unzählige, das Licht liebende Fingerhüte angesiedelt haben, wurde von den städtischen Förstern für die Pflanzaktion ausgewählt. "Klar, das ist Wald, kein Garten", sagt David Kreddig, der den Hofheimer Stadtwald im Rathaus fachlich betreut. Es gebe aber Waldstücke mit sehr viel schwierigeren Voraussetzungen für Neuanpflanzungen als an dieser Stelle, erläutert der Fachmann.

"Es geht ja auch gut", sagt Bürgerstiftungs-Vorstandsmitglied Markus Franz, der wie Torben und sein Papa schon einige der einjährigen Bäume eingepflanzt hat. Bei Förster Leif Leonhardt holt sich Angelika Remmert gerade Nachschub. Winterlinden, Bergahorne und Vogelkirschen warten darauf, an ihren künftigen Standort zu kommen. Alle gelten als Sorten, die mit dem Klimawandel leben können. Dabei ist Vielfalt im Wald auch ein wichtiger Schlüssel für eine höhere Resistenz, denn Monokulturen haben den Nachteil: Ist ein Baum krank oder von Schädlingen befallen, breitet sich das Problem rasch aus.

In drei Schichten arbeiten die Helfer

Gesetzt werden Winterlinde und Bergahorn in wechselnden Reihen, der Abstand zwischen den Jungpflanzen beträgt rund einen Meter. Die Vogelkirschen rahmen die Pflanzfläche ein. Das haben alle rund 40 Freiwilligen in dieser ersten von drei Schichten an diesem Morgen schnell verstanden.

Warum es die Pflanzung überhaupt braucht, bringt Grundschüler Torben so auf den Punkt: "Die Bäume produzieren Luft. Und Luft ist wichtig für uns." Also schnell hinein mit dem Ahorn ins Pflanzloch. Dann wird ein wenig Erde drumherum gehäuft, aber nur so, dass noch das obere Ende des kleinen Wurzelballens herausschaut, wie Förster Leonhardt erklärt hat. "Denn die Pflanze atmet ja auch über den Wurzelhals", sagt der Experte.

Für Christian Bayer war es keine Frage, dass er mit der ganzen Familie bei der Pflanzaktion der Bürgerstiftung dabei sein wollte. Der Wald vor der Tür ist den Langenhainern ein wichtiges Stück Lebensqualität. "Wir sind viel draußen mit den Kindern", sagt Bayer, "seit Corona sogar noch mehr." Die gerodeten Flächen, auf denen vorher Fichten standen, die durch die Trockenheit und den Borkenkäfer vernichtet wurden, "die sieht man ja überall. Wenn man da was tun kann . . .", fand er die Idee, hier mit anzupacken, richtig gut. Der Termin am ersten Ferientag, "das passt wunderbar", finden die Bayers. "Und dann auch noch dieses Traumwetter", schwärmt Angelika Remmert, die sich vorgenommen hat, gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber Celanese noch mehr für den Hofheimer Wald zu tun. An einem Sozialtag der Firma wolle sie mit vielen Kollegen ebenfalls eine Pflanzaktion mit gespendeten Bäumen durchführen, verrät sie.

Sparkassen-Mitarbeiter packen an

Markus Franz, nicht nur ehrenamtlich in der Bürgerstiftung, sondern auch bei der Taunussparkasse beruflich Vorstandsmitglied, kann ebenfalls auf Unterstützung aus seinem Unternehmen zählen: Gleich acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regionalbank, von denen einige in Langenhain wohnen, packen in dieser ersten Schicht mit an. Klar, dass auch der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Bürgermeister Christian Vogt (CDU), und sein Stellvertreter, Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (CDU), mit gutem Beispiel vorangehen. Er habe allerdings "ein bisschen mehr geschwätzt als Bäume gesetzt", gibt Vogt mit einem Lächeln zu, als er sich am Ende der ersten Schicht bei allen Helfern bedankt.

Ein guter Teil der zur Pflanzung an diesem Tag vorgesehenen 2500 Pflanzen sind da schon im Boden. Für die Bayers ist klar: Sie werden hier künftig öfter mal vorbeigehen und schauen, wie "ihre" Bäume wachsen. "Ich bin mal gespannt, wie's in fünf Jahren hier aussieht", sagt Papa Christian.

Zwei weitere Pflanzaktionen sind geplant

10 000 Bäume will die Bürgerstiftung für den Hofheimer Stadtwald bereitstellen. Kalkuliert wurde pro Baum mit 3,50 Euro, darin sind auch die Kosten für die Einzäunung der Schonung enthalten. Sie soll die Jungpflanzen vor Verbiss schützen. Der Beitrag der Bürgerstiftung zur Neubepflanzung gerodeter Flächen ist aber längst nicht alles, was in Hofheim zur Aufforstung dieser freien Flächen getan wird. Von den betroffenen rund 30 Hektar seien rund zwei Drittel bereits neu bepflanzt, so der Leiter des städtischen Wald-Teams, David Kreddig. Neupflanzungen auf den restlichen Flächen sollen in diesem Winter folgen. So hat die Bürgerstiftung zwei weitere Pflanzaktionen auf dem Plan: Für den 16. Oktober sowie den 13. November gebe es noch einige freie Plätze, sagt Jessica Nelle, die im Rathaus für die Bürgerstiftung zuständige Mitarbeiterin. Anmeldung sind unter Telefon (0 61 92) 20 23 93 oder per E-Mail an buergerstiftung@hofheim.de möglich. Helfen können zudem Spenden für die Bürgerstiftung auf das Konto mit der IBAN: DE70 5125 0000 0001 0008 88 mit dem Hinweis "Aufforstung Hofheimer Stadtwald". babs

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