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Lothar R. zu Prozessbeginn mit Rechtsanwalt Karl Heilhecker, einem seiner beiden Verteidiger.

Prozess

Hofheim: Höchststrafe für Leas Mörder

  • vonMatthias Gerhart
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Lothar R. wurde zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der 56-Jährige hatte seine Ex-Freundin Lea (22) aus Eifersucht mit einem Kopfschuss getötet.

Langenhain/Frankfurt. -Lebenslange Haft wegen Mordes und waffenrechtlicher Verstöße, dazu noch die Feststellung der "besonderen Schwere der Schuld": Mit dieser Verurteilung schöpfte die Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts gestern praktisch alle verfügbaren Sanktionen aus, um den Mord an der jungen Lea auf dem "Sonnenhof" im Hofheimer Stadtteil Langenhain zu sühnen. Der 56 Jahre alte Lothar R. war nach Überzeugung des Gerichts jener Mann, der am Abend des 20. August vergangenen Jahres im Gebüsch saß und darauf wartete, bis die pferdebegeisterte 22-Jährige gemeinsam mit ihrem Pferd "Smoky" von der Weide kam und Richtung Stall ging. In diesem Moment zeigte er sich, hob seine Büchse und drückte ab. Zielfernrohr und Schalldämpfer ergänzten den "klaren, eiskalten Tatplan".

"Lea hatte überhaupt keine Chance", sagte Vorsitzender Richter Volker Kaiser-Klan, "die lebenslustige junge Frau wurde abgeschossen wie ein Jäger ein wildes Tier abballert". Rechtlich wertete das Gericht die Tat als Mord mit den Mordmerkmalen der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe, was die Feststellung der besonderen Schuldschwere ermöglichte. R. wird so sehr wahrscheinlich wesentlich länger als die Mindestdauer von 15 Jahren verbüßen müssen.

"Der einzige mit einem richtigen Tatmotiv"

Der Berufskraftfahrer hatte sich in dem seit mehreren Monaten laufenden Strafverfahren nicht zu dem schweren Vorwurf geäußert. Der Verteidigungsstrategie und dem abschließenden Strafantrag seiner beiden Rechtsanwälte war jedoch zu entnehmen, dass er sich nicht zu der Bluttat bekennen wollte, "obwohl er der einzige war, der ein richtiges Tatmotiv hatte", so der Richter. Er kam einfach nicht mit der von Lea verkündeten Trennung zurecht und wollte die Frau auch keinem anderen Mann gönnen.

Lückenlose Indizienkette

Dazu kam eine laut Urteil lückenlose Indizienkette, die sich nicht nur auf das am Tatort eingeloggte Mobiltelefon des Angeklagten und den gentechnischen Spuren der Frau an seinem Handschuh beschränkte, sondern auch auf die Verhaltensweisen des Angeklagten vor und nach der Tat. "Warum übernachtet er plötzlich in einem engen Lastwagen bei seinem Arbeitgeber?", fragte Kaiser-Klan. Die Antwort: Nach der Entdeckung der Leiche kreisten die Polizeihubschrauber bereits über dem Gehöft des Verdächtigen in Wiesbaden-Kloppenheim. Später tauchte er plötzlich bei Bekannten auf und duschte sich dort: "Er wollte sich reinduschen, seine Hände in Unschuld waschen", sagte der Richter.

Maßgeblich für die Feststellung der Schuldschwere waren nicht nur die beiden Mordmerkmale: Besonders der Umstand, dass die beiden minderjährigen Kinder des Angeklagten von diesem "schamlos" in die Tatvorbereitung einbezogen worden seien, spreche für diese sehr selten angewandte Sanktion. "Wie Spione" habe er die elfjährige Tochter und den 17 Jahre alten Sohn die jeweiligen Aufenthaltsorte der jungen Frau ausforschen lassen. Und dies, obwohl sich Lea über all die Jahre rührend um die von den Eltern vernachlässigten Kinder gekümmert habe.

Der Sohn Kevin, von der Verteidigung selbst unterschwellig der Tat verdächtigt, habe seinem Vater den entscheidenden Hinweis am Tattag gegeben: "Er musste seinem despotischen Vater gehorchen". Keine Bedeutung maß das Gericht den Versuchen der Verteidiger zu, den Verdacht von ihrem Mandanten abzulenken. Die Geschichte vom Motorradfahrer, der angeblich Lothar R. gewesen sei und der plötzlich am Tatort auftauchte, sei ebenso eine "Nebelkerze" wie die Versuche, eine Verschwörungstheorie zu landen oder andere Personen aus der Reiterhof-Szene ins Spiel zu bringen.

Natürlich könne sich nun die Familie der Toten, die über den gesamten Prozess im Gerichtssaal anwesend war und den "mit unruhiger Mimik hinter seiner Maske verborgenen" Angeklagten betrachtete, Vorwürfe machen, dass es so weit gekommen war, sagte Kaiser-Klan. Aber auch Lea habe den Fehler gemacht, nach den vorausgegangenen Nachstellungen und Belästigungen nicht zur Polizei oder zumindest zu einem Rechtsanwalt zu gehen. "Sie hat es einfach nicht für möglich gehalten, von ihrem ehemaligen Partner getötet zu werden", sagte der Richter.

Bei der Urteilsverkündung wirkte R. (ohne Maske) teilnahmslos wie all die Verhandlungstage zuvor.

Seine Verteidiger werden wahrscheinlich Revision beim Bundesgerichtshof einlegen - so wie bei lebenslangen Haftstrafen üblich. Matthias Gerhart

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