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Die beiden Garagenzeilen und der Bolzplatz, der hinter der Baumreihe in der Mitte und dem Finanzamt liegt, müssen den Neubauten weichen. Rechts auf der Ackerfläche verläuft die Trasse der geplanten Umgehungsstraße, an deren Realisierung aber kaum noch jemand glaubt.

Bauprojekt

Hofheim: HWB baut am Finanzamt 60 Wohnungen

  • vonBarbara Schmidt
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Vier Gebäude entstehen im Hofheimer Norden. Der Bolzplatz und zwei Garagenzeilen müssen weichen. Gekickt wird künftig auf die Trasse der B 519 neu.

Hofheim -"Es ist "das größte Wohnungsbauprojekt der HWB seit 40 Jahren", wie Christian Vogt, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der stadteigenen Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft betont. "Hinter der Höchster Straße", so der Arbeitstitel, sollen 60 Wohnungen in vier Gebäuden entstehen. Als "Punkt-Häuser" hat sie HWB-Geschäftsführer Josef Mayr schon einmal bezeichnet, weil kein großer Komplex sondern Solitäre geplant sind. Auch das Baukosten-Volumen verrate etwas über das Ausmaß des Vorhabens, sagt Vogt. Denn immerhin will die HWB 17 Millionen Euro investieren.

Ganz neu ist die Idee nicht, auf dem Gelände hinter dem HWB-Haus Höchster Straße 6 Wohnraum zu schaffen. Das Projekt gehört zu den vier Vorschlägen, die die HWB machte, als sie in der Flüchtlingskrise aufgefordert wurde, Ideen für zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum zu entwickeln. Der ehemalige Bolzplatz am Thüringer Weg war den Anwohnern dort aber ebensowenig willkommen wie ein möglicher Neubau am Paulinenweg den Langenhainern. Ganz vom Tisch ist mittlerweile die Idee, den Bolzplatz an der Kurhausstraße zu nutzen. Auch hier gab es viel Protest.

Das Gelände gehört bereits der HWB

In der Höchster Straße dagegen wurden nur vereinzelt Stimmen gegen eine weitere Bebauung laut, wie Josef Mayr bereits vor zwei Jahren im Rahmen einer Pressekonferenz feststellte. So hat sich die HWB erst einmal auf dieses Gelände konzentriert, das einen weiteren großen Vorteil hat: "Es gehört uns bereits zu 100 Prozent", sagt Norman Diehl, neben Mayr der zweite HWB-Geschäftsführer.

Eine Schwierigkeit gibt es allerdings, denn auf dem Gelände gibt es einen Bolz- und Ballspielplatz. Der erfreut sich nicht nur bei den Jugendlichen des Viertels großer Beliebtheit, er war auch mit Mitteln aus dem Projekt "Soziale Stadt" instand gesetzt worden. Doch mittlerweile hat die HWB eine Lösung gefunden. Im Ortsbeirat Kernstadt erläuterte Bürgermeister Vogt, der Bolzplatz werde verlegt und zwar "hinter das Finanzamt". Dass es dazu keine Rückfrage in der Stadtteilvertretung gab, ist erstaunlich. Denn "hinter dem Finanzamt" ist nirgends anders als mitten auf der Trasse der B 519 neu.

Norman Diehl bestätigt: Gemeint sei in der Tat die Fläche zwischen Finanzamt und Feuerwehr, auf der aufgrund der Trassenplanung für die Bundesstraße eine Veränderungssperre liegt. Doch die HWB habe mit der zuständigen Landesbehörde Hessen Mobil vereinbaren können, dass sie das Gelände für "ein Ballsport-Areal" nutzen dürfe. "Im Zweifel wäre es eben nur eine temporäre Lösung", räumt Diehl ein. Wenn das seit 50 Jahren geplante Straßenbauprojekt doch noch kommen sollte (was so im Grunde niemand mehr erwartet), "müssen wir das Ballspiel-Areal dann eben wieder verlegen", sagt der HWB-Geschäftsführer.

"Kein Mieter verliert seinen Stellplatz"

Auch mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium, von dem die Fördermittel für den Bolzplatz kamen, habe man sich verständigt. Möglicherweise gebe es für das neue Gelände, wenn dieses noch attraktiver werde, sogar weitere Fördermittel, sagt Diehl. Die Verlegungskosten trage aber klar die HWB.

Das nötige Bebauungsplan-Verfahren für das Bauprojekt wurde von der Stadtverordnetenversammlung bereits auf den Weg gebracht. Die gesamte Fläche hinter dem bestehenden Wohnhaus, auf der neben dem Bolzplatz noch eine doppelte Garagenzeile steht, müsse neu entwickelt werden, macht Norman Diehl klar. Vorgesehen sei auch eine große Tiefgarage, nicht zuletzt als Ersatz für die Garagen. Diehl versichert: "Kein Mieter hier verliert seinen Stellplatz".

Die HWB plant zudem aktuell ein zweites und drittes Beteiligungs- und Informationsverfahren. Die Bewohner der angrenzenden HWB-Häuser sollen in einer ausführlichen Info-Veranstaltung Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres alles über das Vorhaben erfahren. Verpflichtet für die Moderation wurde bereits das Büro von Roland Strunk, mit dem man beim Beteiligungsprozess zur Stadtbücherei gute Erfahrungen sammeln konnte, wie Bürgermeister Vogt im Ortsbeirat erinnerte.

Im dritten Beteiligungsverfahren sind die Jugendlichen gefragt, denn sie sollen mitreden, wenn es um das neue Ballspiel-Gelände geht. "Wir brauchen hier eine soziale Infrastruktur, auch für den Bewegungsdrang der Familien", sagt Christian Vogt. Wichtig sei darum, den Bolzplatz zuerst neu zu bauen und erst dann die Wohnhäuser zu errichten. babs

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