Ein Fall für den Papiercontainer: Die Plakate, mit den für den verkaufsoffenen Sonntag geworben werden sollte.
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Ein Fall für den Papiercontainer: Die Plakate, mit den für den verkaufsoffenen Sonntag geworben werden sollte.

Wirtschaft

Hofheim: IHH sagt verkaufsoffenen Sonntag am 4. Juli ab

  • VonBarbara Schmidt
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Die Plakate waren schon gedruckt. Gerne hätte die Hofheimer Kaufmannschaft zu einem Einkaufsbummel eingeladen, aber daraus wird nichts. Nach der erfolgreichen Klage von Verdi und KAB gibt's viel Kritik.

Hofheim -Der verkaufsoffene Sonntag am 4. Juli ist abgesagt. Das zumindest hat der Gewerbeverein Industrie-Handel-Handwerk (IHH) Hofheim für sich entschieden. Die Stadt hatte zwar bis gestern die Frage noch offenhalten wollen, doch Eva Rembser, die Vorsitzende des IHH, ist mit ihrem Vorstand einig: "So macht das keinen Sinn. Die Geschäfte müssen sich doch auf etwas verlassen können."

Die Stadt Hofheim, die als genehmigende Behörde für die rechtliche Seite zuständig ist, hatte sich mit einer Klage der Gewerkschaft Verdi und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) konfrontiert gesehen und hatte das Verfahren verloren. Pressesprecher Jonathan Vorrath teilte gestern auf Nachfrage mit: "Die Stadt bedauert den Beschluss des Verwaltungsgerichts und die damit verbundene Absage des verkaufsoffenen Sonntags am 4. Juli." Das Citymarketing habe hier eine Chance gesehen, "nach der langen Zeit der Lockdowns ein positives Zeichen zu senden", sowohl in Richtung Einzelhandel wie an dessen Kundschaft. Gerade der stationäre Einzelhandel sei durch die Pandemie "wirtschaftlich sehr herausgefordert" worden. Die Rechtsabteilung im Rathaus prüfe noch, "ob sie Beschwerde gegen den Beschluss des Gerichts einlegt und somit in die nächste Instanz geht," hieß es gestern. IHH-Chefin Rembser sieht darin aber genauso wenig Sinn wie ihr Vorgänger Bernd Wischert. Personal zu disponieren, Aktionen vorzubereiten, das alles brauche Vorlauf, da könne man nicht zuwarten.

Was die Stadt nicht mitgeteilt hat: Das Problem mit diesem verkaufsoffenen Sonntag ist ein Stück auf eigenes Handeln zurückzuführen. Denn die Stadt hat die Eröffnung des Kreisstadtsommers, sonst immer am letzten Juni-Wochenende, auf das erste Juli-Wochenende verlegt. Für die Änderung sei die Frist nicht eingehalten worden, spricht Wischert von einem "Formfehler". Dazu kommt, dass es wegen der Pandemie kein Kreisstadtsommer-Eröffnungsfest in der gewohnten Form geben kann. Das schmale Programm hat ebenfalls für die Kläger gesprochen.

Die Kaufleute ärgert, dass quasi routinemäßig geklagt werde, wenn ein verkaufsoffener Sonntag anstehe und sich die Chance biete. Dann trete regelmäßig das Duo Verdi/KAB auf den Plan, das mit der "Allianz für den freien Sonntag" seit 15 Jahren für dessen Schutz eintritt.

"Von Verfassungsrang"

Martin Mohr, geschäftsführender Sekretär der KAB im Bistum Limburg, nennt die Argumente: Geschäftsöffnungen am Sonntag seien keine Hilfe für den Handel und bescherten diesem auch nicht mehr Umsatz. Sie seien aber auch aus sozialen und ethischen Gründen abzulehnen: "Der Sonntag soll für die Allgemeinheit da sein", seinen Wert hätten viele gerade in der Pandemie neu schätzen gelernt. "Die Menschen haben gemerkt, sie brauchen Zeit für sich, Zeit auch, um einfach mal die Seele baumeln lassen zu können." Wichtig sei zudem: "Wir vertreten hier nicht unsere Meinung, es geht um geltendes Recht. Das hat Verfassungsrang", so der KAB-Vertreter.

"Alt-ideologischer Müll"

Einzelhändler Bernd Wischert hat eine dezidiert andere Meinung. "Verkaufsoffene Sonntage sind für uns sehr, sehr wichtig. Sie geben die Chance, auch an Kunden zu kommen, die sonst nicht zu uns finden würden. Und auch der Umsatz an diesen Tagen ist nicht schlecht", sagt der Inhaber eines Lederwaren-Geschäfts. Für Wischert ist der Standpunkt von Gewerkschaft und Kirche schlicht "alt-ideologischer Müll. Das ist Achtzigerjahre-Denken". Es gelte doch heute, "die Arbeitnehmer in der Offline-Welt zu schützen", spricht er die Konkurrenz durch das Internet an, die dem stationären Handel heftig zu schaffen macht. Wischert findet, Kirchen und Gewerkschaften sollten lieber mal nach dem Amazon-Mitarbeiter im Hochregal-Lager fragen und wie es für ihn mit dem freien Sonntag aussehe. Die Kirchen hätten doch zudem eigentlich andere Probleme. Für den Hofheimer ist aber auch das Land mit schuld an der nicht neuen Problematik. Die Kopplung verkaufsoffener Sonntage an ein "Event von überörtlicher Bedeutung" gehöre endlich raus aus dem Gesetz. Stattdessen pumpe man aber lieber viel Geld in Aktionen zur Rettung der Innenstädte. Mögliche Lösung für Hofheim: "Vielleicht eine besondere Samstags-Aktion", meint Wischert. Den Sommernachtsmarkt wird es wegen der hohen Pandemie-Auflagen aber nicht geben. babs

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