Das engagierte Impf-Team: Hintere Reihe, von links: Jörg Dorn-Hermisch, Eda Tabak, Franziska Krauß, Stine Vogel. Vordere Reihe, von links: Mike Winter, Fine Gutierrez, Prof. Reinhard Schnettler.
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Das engagierte Impf-Team: Hintere Reihe, von links: Jörg Dorn-Hermisch, Eda Tabak, Franziska Krauß, Stine Vogel. Vordere Reihe, von links: Mike Winter, Fine Gutierrez, Prof. Reinhard Schnettler.

Coronavirus

Hofheim: "Jede einzelne Impfung zählt"

  • VonRobin Kunze
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Ein mobiles Team ist erstmals bei den Tafel-Kunden in Marxheim: 17 Personen bekamen Johnson & Johnson.

Marxheim -Zur Bedeutung einer Impfung gegen das Coronavirus findet Professor Reinhard Schnettler klare Worte. "Wer sich jetzt nicht impfen lässt, der wird sich infizieren", sagte der ehemalige Direktor der Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg gestern bei einem offenen Impftermin in Marxheim. Gemeinsam mit einem engagierten Team des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) machte der Mediziner aus Hofheim Station im Katholischen Gemeindehaus, um dort Besuchern der Tafel Hattersheim/Hofheim ein unkompliziertes Impf-Angebot zu machen.

Bei der Tafel versorgen sich Bedürftige auch mit Lebensmitteln. Zwischen 10 und 13 Uhr wurde das Präparat von Johnson & Johnson verimpft, das bereits nach einmaliger Anwendung seine volle Wirkung entfaltet. "Damit ist Johnson & Johnson natürlich ideal für spontane und mobile Impfeinsätze", erklärte ASB-Einsatzleiterin Eda Tabak. Kurz vor Ende der Aktion in Marxheim fiel das Fazit positiv aus: Nur noch zwei Impfdosen waren kurz nach 13 Uhr übrig, 17 Personen wurden geimpft.

Drei Stunden Aufwand für 17 Impfungen? Das mag nicht nach viel Ertrag klingen, doch sollte man sich nicht täuschen lassen. "Jede einzelne Impfung zählt", sagt Schnettler. Seit Eröffnung des MTK-Impfzentrums im Kastengrund in Hattersheim ist er an jedem zweiten Tag für jeweils 14 Stunden an Ort und Stelle. "Wir haben dort ein topmotiviertes Team des ASB, aber leider spüren wir immer stärker eine allgemeine Impfmüdigkeit bei den Menschen. Das ist sehr traurig", sagt Schnettler. In seiner Stimme schwingt Verwunderung und auch eine Spur Enttäuschung mit, wenn er über den besorgniserregenden Trend spricht. Als es in Deutschland losging mit den Impfungen, da gab es zunächst nicht genügend Impfstoff, um über die Priorisierungsgruppen hinaus Angebote zu machen. Damals hagelte es Kritik. "Jetzt verfällt der Impfstoff in Deutschland teilweise, weil die Leute nicht kommen. Rational ist das nicht zu erklären", findet Schnettler.

Mit proaktiven Impfveranstaltungen wie jetzt bei der Tafel würde man Menschen abholen, die aus eigenem Antrieb wohl eher nicht in eine Praxis oder ins Impfzentrum gekommen wären. Ein klassischer Fall vom Berg, der notfalls eben zum Propheten kommt.

Viele würden sich auf die häufig zitierte Herdenimmunität verlassen, sagt der Mediziner. "Doch eine solche haben wir nicht. Es sind nur 51 Prozent der deutschen Bevölkerung durchgeimpft", betont Schnettler. Wer in den kommenden Wochen und Monaten infiziert wird, der laufe Gefahr, nicht an SARS-CoV-2 mit oft milden Verläufen zu erkranken, sondern an der aggressiveren Delta-Variante und anderen, bevorstehenden Mutationen.

Unter den Besuchern der Tafel in Marxheim hatte sich die Impfaktion herumgesprochen, fast alle Interessierten hatten deshalb einen Impfausweis dabei. "Wir hatten aber auch eine Person, die noch nie einen Impfausweis besaß", verriet Tabak, "aber auch das war kein Problem. Wir können einen solchen ausstellen." Viele Tafel-Kunden erschienen mit ihren Kindern, doch für diese konnte der ASB nicht direkt etwas tun. In einigen Veröffentlichungen habe es geheißen, dass Johnson & Johnson für Personen unter 18 freigegeben sei. "Das stimmt nicht", klärt Tabak auf. Der Impfstoff von Biontech ist von der Europäischen Kommission für Personen ab 12 Jahren zugelassen. Da es diesen im Impfzentrum in Hattersheim gibt und dort seit zwei Tagen auch ohne Termin geimpft wird, wurden Familien mit Kindern dorthin verwiesen. Samstags wird im Kastengrund auch Johnson & Johnson verimpft.

Die mobilen Aktionen gehen in den kommenden Wochen zusätzlich zum Angebot im MTK-Impfzentrum weiter. Wo und wann: siehe nebenstehenden Info-Text.

Extra: Hier können Sie sich ohne Anmeldung impfen lassen

Der Main-Taunus-Kreis bietet, wie berichtet, kreisweit Corona-Impfungen ohne Termin an. Möglich sind Einmalimpfungen (Impfstoff von Johnson & Johnson), Erst- und Zweitimpfungen. Der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung sollte beim Vakzin von Biontech mindestens drei Wochen, bei einer Kreuzimpfung mit Astra oder Biontech/Moderna mindestens neun Wochen betragen. Zur Impfung mitgebracht werden sollen Personalausweis und Impfpass, am besten auch die Krankenversicherungskarte.

Außerdem wird das Angebot im Hattersheimer Impfzentrum fortgesetzt: Dort gibt es täglich von 8 bis 20 Uhr Impfungen für Bürger ab zwölf Jahren ohne vorherige Vereinbarung. Wegen der Nachfrage und der Bedeutung des Themas veröffentlichen wir noch einmal die aktuellen Impftermine in den Kommunen:

Mittwoch, 4.8., Flörsheim: Testcenter Stadthalle, Kapellenstraße 1, 12 bis 18 Uhr

Donnerstag, 5.8., Hattersheim : Tafel; Im Boden 6, 13 bis 16 Uhr

Samstag, 7.8., Hattersheim : Stadtteilbüro Hattersheim, Pregelstraße 1, 10 bis 16 Uhr

Montag, 9.8., Bad Soden : Hasselgrundhalle, Gartenstraße 2a, 12 bis 18 Uhr

Freitag, 13.8., Hochheim : Haus der Vereine, Wiesbadener Straße 3, 12 bis 18 Uhr

Dienstag, 17.8., Kelkheim : Stadthalle, Gagernring 1, 12 bis 18 Uhr

Donnerstag, 19.8., Liederbach : Liederbachhalle, Wachenheimer Straße 62, von 12 bis 18 Uhr

Freitag, 20.8., Schwalbach , Bürgerhaus, Marktplatz 1-2, 12 bis 18 Uhr

Montag, 23.8., Eppstein : Rathaus I, Hauptstraße 99, 12 bis 18 Uhr

Mittwoch, 25.8., Kriftel : Kleine Schwarzbachhalle, Bleichstraße 7-9, 12 bis 18 Uhr

Samstag, 28.8., Hattersheim : Stadtteilbüro Hattersheim, Pregelstraße 1, nach Bedarf

Montag, 30.8., Eschborn : Rathaus, Rathausplatz 36, 12 bis 18 Uhr

Dienstag, 31.8., Sulzbach, (Ort wird noch bekanntgegeben), 12 bis 18 Uhr. red

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